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Das Lernen lehren

Sabine Grotehusmann, Pädagogin und Alumna der Freien Universität Berlin, führt Prüfungskandidaten zum Erfolg

12.01.2010

Sabine Grotehusmann, Alumna der Freien Universität, lehrt das Lernen
Sabine Grotehusmann, Alumna der Freien Universität, lehrt das Lernen Bildquelle: privat

Es liegt nicht an Mathe und auch nicht an Chemie. Es sind nicht die unregelmäßigen Verben oder die makroökonomischen Zusammenhänge. Wer zu Sabine Grotehusmann kommt, kämpft nicht in erster Linie mit den Inhalten seines Faches. Die Klienten der 34-jährigen Studienrätin beschäftigt die Frage nach dem großen „L“. Wie soll ich den ganzen Stoff bis zur Prüfung lernen? Und: Kann ich das Lernen lernen?

„Natürlich“, lautet die Antwort von Sabine Grotehusmann. Die Pädagogin, die Germanistik und Romanistik im Lehramt an der Freien Universität Berlin studierte, war bereits als Schülerin fasziniert vom Lernen und Lehren: „Wenn meine Freundin im Unterricht Dinge nicht verstand, habe ich immer überlegt, was ich als Lehrer anders machen würde. Und versucht, meiner Kameradin das Ganze einfacher zu erklären“, erinnert sich die in Neukölln geborene Berlinerin.

Erste Erfahrungen mit dem Lernen-Lehren machte Sabine Grotehusmann als Dozentin des studentischen Netzwerks Career Service Network (CSN) der Freien Universität Berlin. Das Netzwerk ging im Jahr 2000 aus einem zweisemestrigen Praxisprogramm des Career Service hervor, in dem Studierende BWL-Kenntnisse oder Schlüsselqualifikationen wie Präsentationstechniken und Konfliktmanagement erwerben konnten. „In diese Seminare flossen jene Lerntechniken ein, die ich mir während meines Studiums angelesen, ausprobiert und bei anderen abgeschaut habe“, erklärt Sabine Grotehusmann. Neben ihrem Studium an der Freien Universität beeinflusste vor allem ein zweijähriger Studienaufenthalt an der Sorbonne in Paris den Lernstil der Pädagogin. „In Frankreich ging es in erster Linie um das sture Auswendiglernen von Fakten. Es war wirklich abschreckend“, sagt Sabine Grotehusmann. Um die Stofffülle zu bewältigen, erfand die Berlinerin schlichtweg eine eigene Kurzschrift: Sie stenographierte die auf Französisch gehaltenen Vorlesungen, indem sie den Stoff in Symbolen und Bildern auf ihre Blätter kritzelte. Daraus entstand später ihre Methode des Bilderlernens.

Jeder lernt anders

In den Lern-Seminaren mit Studierenden der Freien Universität entdeckte Sabine Grotehusmann aber vor allem, dass nicht nur Lerntricks und -technik, sondern gerade die Persönlichkeit des Lernenden entscheidend für den Prüfungserfolg ist. „Was bei dem einen zum Erfolg führt, kann bei dem anderen das Gegenteil auslösen“, sagt  Sabine Grotehusmann. „Der individuelle Lernstil hängt von ganz unterschiedlichen Faktoren ab: Wie nehme ich Informationen auf? Wie organisiere ich mich? Wie treffe ich Entscheidungen? Was motiviert mich beim Lernen?“ Aus ihren Erfahrungen in den Kursen des CSN entwickelte die Pädagogin ihr Konzept der individuellen Lernpersönlichkeit, das sie seitdem in ihren Seminaren anwendet und im vergangenen Jahr in dem Lernratgeber „Der Prüfungserfolg“ veröffentlichte.

Die mittlerweile von Neukölln nach Köln übersiedelte Dozentin bietet heute in ihren Workshops nicht nur Studierenden, sondern auch Berufstätigen in der Weiterbildung und Abiturienten Hilfestellung vor der großen Prüfung. Dass trotz allen Lernstresses in ihren Seminaren auch der Humor nicht zu kurz kommen darf, findet Sabine Grotehusmann dabei nur logisch. „Ohne Spaß am Lernen geht es überhaupt nicht. Man kann sich einem trockenen Lernstoff ja auch mit witzigen Eselsbrücken oder  ironischen Randnotizen nähern“, sagt die Studienrätin, die beim Blackout in der Klausur schon mal zu unkonventionellen Mitteln rät: „Lieber schriftlich auf ein Schmierblatt fluchen, als ein leeres Blatt abgeben.“