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Von Ionen und Festkörpern, von Nofretete und Echnaton

Heinz-Eberhard Mahnke lehrt als Honorarprofessor Kernphysik an der Freien Universität und verbindet sein Fach mit der kunstwissenschaftlichen Provenienzforschung

12.10.2009

Wie man Physik, Archäologie und Kunst miteinander verbindet, weiß Professor Heinz-Eberhard Mahnke
Wie man Physik, Archäologie und Kunst miteinander verbindet, weiß Professor Heinz-Eberhard Mahnke Bildquelle: Stephan Töpper

Wer wissen möchte, was die hochenergetischen Ionen der Kern- und Elementarteilchenphysik mit der ägyptischen Königin Nofretete und einem kurz bevorstehenden Konzert des amerikanischen Komponisten Philip Glass in der Berliner Parochialkirche zu tun haben, frage Heinz-Eberhard Mahnke. Der Physiker am Helmholtz-Zentrum Berlin für Materialien und Energie ist Honorarprofessor an der Freien Universität – und Kunst- und Musikliebhaber.

Den Ausdruck „Interdisziplinarität“ mag Heinz-Eberhard Mahnke nicht: „Das klingt nach streng voneinander getrennten Fächern. Ich spreche lieber davon, die Grenzen aufzubrechen.“ Schon früh interessierte sich der heute 64-Jährige für vielfältige Themen aus unterschiedlichen Bereichen: Als es in der Abiturklasse darum ging, eine Jahresarbeit zu erstellen, entschied sich Mahnke für eine physikalische Arbeit – den Bau eines „Geiger-Müller-Zählgerätes“: „Genauso gut hätte es aber auch eine Arbeit zu Willibald Glucks Oper 'Orpheus und Eurydike' sein können“, sagt Mahnke zu seiner Entscheidung, die für ihn „eine Option unter vielen“ war.

Ausbildung an der Freien Universität

Sein beruflicher Weg hat den 1944 in Berlin Geborenen in die Physik geführt – und an die Freie Universität: Hier machte Mahnke 1968 sein Diplom und wurde 1970 promoviert. Es folgten Forschungsaufenthalte in den USA und Kanada, dann 1983 die Habilitation im Fach Experimentalphysik, ebenfalls an der Freien Universität. Seit 1972 forscht er am Helmholtz-Zentrum Berlin für Materialien und Energie (vormals Hahn-Meitner-Institut Berlin), seit 2005 ist er Honorarprofessor an der Freien Universität. In der Lehre beschäftigt sich Mahnke vor allem mit Kern- und Elementarteilchenphysik, in der Forschung nutzt er die Instrumente der Kern- und Teilchenphysik, Beschleuniger und Strahlungsdetektoren für Materialmodifikation und Analysen mit schnellen Ionen. Das reicht von der Erzeugung metallischer, nanometergroßer Silberpartikel in Gläsern und ihrer Charakterisierung mit Röntgenverfahren bis hin zur zerstörungsfreien quantitativen Analyse der Zusammensetzung von Gläsern – wie sie etwa für die Restaurierung von Kirchenfenstern erforderlich sind.

Wie sich Physik und Kunst verbinden lassen

Den Wunsch, Physik mit Kunstgeschichte, Archäologie und Ägyptologie zu verbinden, führt den Wissenschaftler zu immer neuen Projekten. Vor allem die Provenienzforschung, die nach Herkunft, Alter und Echtheit von Kunstobjekten und Kulturgütern fragt, ist ein wichtiges Feld. Wie lassen sich wertvolle Stücke untersuchen, ohne sie durch das Analyseverfahren zu beschädigen? Mithilfe chemischer und physikalischer Verfahren, lautet die Antwort. Ein Beispiel, an dem Mahnke zwar nicht beteiligt war, das aber das Verfahren erhellt, ist die radiologische Untersuchung der Nofretete-Büste. So hatte man erst im Frühjahr herausgefunden, dass sich unter der Oberfläche der Skulptur ein zweites Gesicht befindet. Die äußere Gipsschicht der ägyptischen Göttin ist nur ein bis zwei Millimeter dick. Das Gesicht darunter ist kunstvoll in den weichen Kalksteinkern gemeißelt.

Auf der Spur von Nofretete und Echnaton

Nofretete begleitet und fasziniert den Physiker seit seiner West-Berliner Schulzeit. Besucht hat er sie immer wieder in ihren wechselnden Heimstätten, von Dahlem bis Mitte. Wenn sie nun ab kommendem Sonnabend im Neuen Museum auf der Berliner Museumsinsel steht, folgt ihr Mahnke auch dorthin: ihr und ihrem Gemahl Echnaton, dem der amerikanische Komponist Philip Glass eine Oper gewidmet hat. Aus Anlass des Umzugs des Ägyptischen Museums in das wiedereröffnete Neue Museum findet die konzertante Aufführung der Oper „Akhnaten“ am 16. und 17. Oktober in der Parochialkirche statt. Es singt die Berliner Cappella – jener Chor, dem der Physiker seit 1995 angehört und für den er das Konzertprojekt gemeinsam mit Dietrich Wildung, dem früheren Direktor des Ägyptischen Museums und ebenfalls Honorarprofessor an der Freien Universität, initiiert hat: „Das ist für mich ein schönes Beispiel für das Zusammenwirken von Wissenschaft und Kultur, von Kunst und Musik“, sagt Heinz-Eberhard Mahnke.

Weitere Informationen

"Akhnaten" von Philip Glass wird am 16. und 17. Oktober 2009, jeweils um 19.00 Uhr in der Parochialkirche, Klosterstraße, Berlin Mitte, aufgeführt. Es singt die Berliner Cappella, es spielt das Deutsche Filmorchester Babelsberg, die Leitung hat Kerstin Behnke. Kartenbestellungen per Telefon unter 030 / 8817145 oder per E-Mail an info@berliner-cappella.de.