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Mathematikerin mit Haut und Haar

Brigitte Lutz-Westphal ist neu berufene Professorin für Didaktik der Mathematik an der Freien Universität

18.09.2009

Brigitte Lutz-Westphal ist neue Professorin für die Didaktik der Mathematik und setzt sich für einen modernen Mathematikunterricht an Schulen ein
Brigitte Lutz-Westphal ist neue Professorin für die Didaktik der Mathematik und setzt sich für einen modernen Mathematikunterricht an Schulen ein Bildquelle: privat

„Mathematik ist überall, selbst dort, wo man sie nicht vermutet.“ Dieser Satz passt ganz genau zu Brigitte Lutz-Westphal: Da ist beispielsweise die Sache mit der „Mathematik für die Müllabfuhr“ – eine ihrer Lieblingsaufgaben.

Es geht darum, den optimalen Weg eines Müllautos zu ermitteln. Auf einer Straßenkarte sollen die Schüler den Weg einzeichnen und dann überlegen, wie man das Müllauto bei seiner Rundfahrt leiten muss – es soll schließlich dorthin zurück, wo es herkam –, damit es so wenige Straßen wie möglich doppelt befährt. „Genau das ist meine Mathematik“, sagt Brigitte Lutz-Westphal: „Problembearbeitung, ohne Lösungswege gleich vorzugeben.“ Man spreche von „authentischem Mathematiklernen“, dem Thema, über das die 38-Jährige auch promoviert hat.

Ausbrechen aus alten Mustern

„Mathematik bedeutet für mich nicht stummes, eintöniges Rechnen.“ Die Kinder sollen im Unterricht „forschend entdecken“. Die gebürtige Tübingerin ist seit Juni an der Freien Universität und gibt, neben ihrer Hauptaufgabe als Professorin, auch Fortbildungskurse für Lehrer. Es geht ihr um die Vermittlung von moderner  Mathematik und das Ausbrechen aus alten Mustern. Das ist gleichzeitig ihr Forschungsgebiet. Sie widmet sich den Fragen, wie man modernen Mathematikunterricht flächendeckend an den Schulen vermitteln und das fachliche Selbstbewusstsein der Lehrer stärken könnte. „Ziel ist es, eng mit der Schulpraxis zusammen zu arbeiten und so das kreative Lernen der Schüler zu fördern“, sagt Lutz-Westphal. Außerdem leitet sie Mathematik-Workshops und Projekte für Doktoranden zum gegenseitigen Ideenaustausch am DFG-Forschungszentrum „MATHEON“.

Beim Zuhören spürt man die Euphorie, die Brigitte Lutz-Westphal mit der Mathematik und der Lehre verbindet: „Das will ich mit Haut und Haar machen“, sagt sie. Tatsächlich hätte ihr Mathe schon immer Spaß gemacht und sie könne sich daran erinnern, als Schülerin einmal gesagt zu haben: „Irgendwann schreibe ich ein gutes Mathebuch.“ Dieses Vorhaben hat sich mittlerweile schon mehrfach erfüllt.

Brigitte Lutz-Westphal hat neben der Mathematik auch Musik studiert. Sie gibt als Violinistin Konzerte und profitiert von beiden Leidenschaften. Auch in der Musik sei strukturelles Denken gefragt, und für die Mathematik sei das räumliche Denken aus der Musik von Vorteil.

Das ist ja besser als Mathe

Antrieb gibt der jungen Professorin die Erkenntnis, wie viel Spaß Schüler jeder Altersstufe an Mathematik entwickeln können. „Ein Erlebnis wird mir ewig in Erinnerung bleiben. Ein Grundschüler sagte nach dem Berechnen des Müllabfuhrweges – das ist ja besser als Mathe!“. Übrigens komme man bei der Aufgabe nicht darum herum, einige Wege mit dem Müllauto doppelt zu befahren, so Lutz-Westphal. Bei einem Straßennetz mit nur 20 Kreuzungen gebe es bis zu 700 Millionen Möglichkeiten.

Abschalten kann Brigitte Lutz-Westphal am besten in ihrem Berliner Garten. Auch wenn Mathematik überall ist, schmunzelt sie, „bei der Gartenarbeit bleibt alles außerhalb des Zaunes.“