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Mittlerin zwischen deutschem und chinesischem Recht

Jura-Professorin Hui Huang forscht als Stipendiatin an der Freien Universität

27.08.2009

Von Peking nach Berlin: Die Jura-Professorin Hui Huang von der Beihang Universität forscht als Alexander-von-Humboldt-Stipendiatin am Fachbereich Rechtswissenschaft der Freien Universität
Von Peking nach Berlin: Die Jura-Professorin Hui Huang von der Beihang Universität forscht als Alexander-von-Humboldt-Stipendiatin am Fachbereich Rechtswissenschaft der Freien Universität Bildquelle: Freie Universität Berlin

Auf dem Tisch stapeln sich die Bücher: Es sind unzählige Kommentare und Gesetzessammlungen. „Viele davon habe ich noch gar nicht lesen können“, sagt Hui Huang und versichert, dass der Lektürestapel aber keine Dekoration bleiben wird. Die chinesische Jura-Professorin möchte ihre Zeit als Stipendiatin der Alexander von Humboldt-Stiftung optimal nutzen.

Hui Huang forscht seit Februar dieses Jahres auf Einladung von Philip Kunig, Professor am Fachbereich Rechtswissenschaft, an der Freien Universität Berlin. Die chinesische Wissenschaftlerin hat ein großes Ziel: Als Anhängerin der „Case-law-Bewegung“ – zu Deutsch der „Fallrechts-Bewegung“ – setzt sie sich dafür ein, dass chinesische Gerichte bei gleichgearteten Fällen auch die gleichen Urteile sprechen.

Daneben arbeitet die Jura-Professorin zur Anwendbarkeit von Verfassungsrecht in Verfahren vor ordentlichen Gerichten. Huang möchte auch Regelungen des deutschen Rechts nach China „exportieren“: „Dabei sind vor allem die großen kulturellen Unterschiede zwischen China und Deutschland zu beachten.“ Deshalb könne man die Normen und Gesetze auch nicht Eins-zu-Eins übersetzen und übernehmen, gibt Huang zu bedenken: „Viele deutsche Regelungen würden uns Chinesen zu kompliziert erscheinen und umgekehrt.“

Studium und Promotion in Berlin

1997 kam Hui Huang nach Berlin, um nach ihrem Bachelor-Abschluss und sechsjähriger Tätigkeit als Dozentin für Verfassungsrecht an der East-China University in Shanghai an der Humboldt-Universität Jura zu studieren. Nach dem erfolgreichen Abschluss des Magisterstudiengangs Rechtswissenschaft folgte die Promotion zum Thema  Banküberweisungsrechtssystem. Nebenbei arbeitete sie – wie bereits zu Studienzeiten in Shanghai – in einer Anwaltskanzlei. Doch Forschung und Lehre blieben ihre Leidenschaft.

Im Jahr 2004 war Huang als Lehrbeauftragte am Sinologieseminar der Freien Universität Berlin tätig. Sie dozierte unter anderem über die rechtlichen Rahmenbedingungen des Investitionsrechts Chinas. Doch Huangs liebstes Fachgebiet ist das Verfassungsrecht: „Die Verfassung“, sagt sie, „bestimmt nicht nur die Form einer Gesellschaft, sondern bildet das Fundament aller weiteren Rechtsgebiete.“

Im Jahr 2005 kehrte die Rechtswissenschaftlerin nach China zurück, wo sie begann, an der Schnittstelle zwischen Verfassungs- und Zivilrecht zu arbeiten. Zuerst lehrte sie an der juristischen Fakultät der Beijing University in der chinesischen Hauptstadt als wissenschaftliche Mitarbeiterin. Zwei Jahre später wurde Huang auf einen Lehrstuhl für Öffentliches- und Verfassungsrecht an der Beihang Universität in Peking berufen. Seit März 2008 baut sie dort ein Zentrum der Deutschen Rechtsstudien auf.

Kunst und Kultur als zweite Leidenschaft

In Berlin geht Hui Huang gleich zwei Leidenschaften nach: der Rechtswissenschaft und der Berliner Kunst und Kultur. Die zweite Leidenschaft teilt sie mit ihrem Ehemann – dem bekannten chinesischen Poeten Xiao Kaiyu. „Ich bin sehr glücklich, etwas machen zu können, das nicht nur sinnvoll ist, sondern mir auch Freude bereitet“, sagt Huang. Wenn die Jura-Professorin die Tür ihres Büros im grünen Dahlem hinter sich schließt, taucht sie deshalb genauso gern ein in die kulturelle Welt der Bergmannstraße im Berliner Stadtteil Kreuzberg.