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Die Sprache von Körper und Schrift in der islamischen Welt

Birgit Krawietz ist neue Professorin am Institut für Islamwissenschaft der Freien Universität

22.07.2009

Professorin Birgit Krawietz beschäftigt sich als Islamwissenschaftlerin mit dem islamischen Recht
Professorin Birgit Krawietz beschäftigt sich als Islamwissenschaftlerin mit dem islamischen Recht Bildquelle: Sabrina Wendling

„Macht die Scharia dick?“. Hinter der ziemlich provokanten Frage, die Birgit Krawietz in einem noch unveröffentlichten Aufsatz über Sport in der islamischen Welt stellt, verbirgt sich eine breite Forschungsarbeit. Die Wissenschaftlerin geht den unterschiedlichen Aspekten von Sport und Körpergestaltung in der islamischen Welt nach.

In den meisten europäischen Ländern gilt Fußball als Nationalsportart, und auch in der islamischen Welt hat sich der Ballsport längst durchgesetzt. Birgit Krawietz, neuberufene Professorin für Islamwissenschaft an der Freien Universität Berlin, betrachtet Sport als „Körperpolitik“, als „nationale Ressource“: „Die besonders um Identitätskonstruktion und Marktpositionen bemühten Monarchien auf der Arabischen Halbinsel versuchen, global vertretene Sportarten mit hoher Medienpräsenz in ihre Strategien von „Nation Branding“ einzubinden“, sagt Krawietz. So ist Bahrain etwa mit seiner weithin unbekannten Hauptstadt Manama seit 2004 Austragungsort für die Formel 1.

Was sagt eine Sportart über das Land aus, in dem sie betrieben wird?

Neben Fußball und der Formel 1 würden aber auch andere, einheimische Sportarten oder Bewegungsformen als „nationales Erbe“ betrachtet, wie die Islamwissenschaftlerin sagt. In der Türkei beispielsweise wird das Ölringen besonders gefördert. Warum ist das so? Inwiefern repräsentieren bestimmte Sportarten eine jeweilige Nation? Neben diesen Fragen beschäftigt sich Birgit Krawietz vor allem mit der Entwicklung und den Doktrinen islamischen Rechts bzw. islamischer Normativität sowie deren Einbettung in die islamische Geistes- und Kulturgeschichte.

Von Freiburg nach Princeton und Harvard

Birgit Krawietz promovierte an der Universität Freiburg über den Schutz des menschlichen Körpers in der Scharia und  habilitierte sich an der Universität Tübingen über die „Hierarchie der Rechtsquellen im tradierten sunnitischen Islam“. Von 1999 bis 2000 war die Islamwissenschaftlerin Mitglied am „Institute for Advanced Study: School of Historical Studies“ an der amerikanischen Princeton University, danach forschte sie im Rahmen eines Stipendiums an der Harvard University.

Von 2000 bis 2005 vertrat sie eine Professur für das Fach „Arabistik und Islamwissenschaft” an der Universität Bochum. Als Gastprofessorin für „Gender und Islam“ arbeitete Krawietz an der Universität Zürich und forschte währenddessen auch am Berliner Zentrum Moderner Orient. Vor der Besetzung der Islamprofessur seit diesem Semester hatte die Wissenschaftlerin schon einen Lehrauftrag an der Freien Universität. Hier reizt sie besonders die enge Vernetzung mit der interdisziplinär arbeitenden „Berlin Graduate School Muslim Cultures and Societies“, einer der im Exzellenzwettbewerb des Bundes und der Länder erfolgreichen Einrichtungen.

Die politische Botschaft mittelalterlicher Doktrinen

Einen Schwerpunkt in ihrer Arbeit legt Krawietz auf die  islamische Rechtslehre: Die Auslegung der Scharia begreift sie als einen sich ständig fortbildenden, kreativen Prozess, den es genau zu beobachten gilt. Außerdem forscht die Islamwissenschaftlerin zu Autoren der Vormoderne und des Mittelalters, wie Ibn Taymiyya sowie dessen Schüler Ibn Qayyim al-Jawziyya. Sie untersucht, wie deren Doktrinen von zeitgenössischen Autoren wieder aufbereitet werden. Krawietz interessiert sich für die mögliche politische Intention: „Wer heutzutage mittelalterliche Werke ediert, sendet ganz klar eine politische Botschaft “, meint die Wissenschaftlerin.

Birgit Krawietz weiß sehr gut um die tagespolitische Brisanz ihres Forschungsbereiches. Dennoch ist es ihr Anliegen, nicht nur auf aktuelle Ereignisse in der islamischen Welt einzugehen, sondern selbst Themen zu setzen und Verbindungslinien zur islamischen Geistes- und Kulturgeschichte zu ziehen.