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„Kranksein als eine Weise des Menschseins“ (Viktor von Weizsäcker)

Der Neurologe Dieter Janz - Spezialist und Allgemeinarzt

01.12.2008

Der Neurologe Prof. Dr. Dieter Janz
Der Neurologe Prof. Dr. Dieter Janz Bildquelle: privat

„Die Medizin beschäftigt den ganzen Menschen, weil sie sich mit dem ganzen Menschen beschäftigt“, zitiert Professor Dr. Dieter Janz ein Goethe-Wort. Und formuliert damit sein Credo als Arzt und Wissenschaftler.

Nach dem Studium in Marburg, Prag und Freiburg und einer von Studienaufenthalten in England und der Schweiz unterbrochenen Assistenzzeit am Heidelberger Klinikum wurde der 1920 geborene Mediziner 1973 auf den neuen Lehrstuhl für Neurologie am Klinikum Charlottenburg der Freien Universität berufen. Krankheit wollte Janz immer auch in ihrer biographischen und sozialen Dimension verstanden wissen. Deshalb dürfe die Neurologie auch nicht isoliert bleiben, sondern müsse Zusammenarbeit und Austausch mit benachbarten Disziplinen suchen: Beim Aufbau „seiner“ Neurologischen Klinik in Charlottenburg hat Janz sich daher neben Medizinern seiner eigenen Fachrichtung auch einen Klinischen Psychologen, einen Medizin-Soziologen und sogar eine Theologin an die Seite geholt.

„Ich hatte ungeheure Freiheiten, an keiner anderen Universität wäre das möglich gewesen“, sagt der heute 88-Jährige über seine Pionierarbeit in den 1970er und 80er Jahren. Janz‘ Spezialgebiet, auf dem er weltweite Anerkennung erfuhr, ist die Epileptologie – die Erforschung von Epilepsie und epileptischen Anfällen. Eine häufig im jugendlichen Alter beginnende Form von Epilepsie wird nach ihm benannt: das Janz-Syndrom.

Anthropologisches Verständnis der Medizin

Ziel des Mediziners war es, junge begabte Wissenschaftler und Ärzte zu fördern und die Klinik international bekannt zu machen. Dass dies gelang, lag auch an der guten Arbeitsatmosphäre: „Worauf ich gern zurückblicke, ist vor allem der Teamgeist in der Klinik und die korporative Stimmung in der Fakultät“, erinnert sich Janz. Noch immer ist der Arzt und Wissenschaftler aktiv, anlässlich des 8. Europäischen Kongresses für Epileptologie wurde er kürzlich mit dem „Scientific Award of Distinction“ ausgezeichnet. Der Preis ist eine Würdigung seiner Lebens- und Arbeitsleistung. Die Monographie „Die Epilepsien“ aus dem Jahre 1969 zählt noch heute als Standardwerk, die Auszeichnung durch seine internationale Fachgesellschaft mit dem „Lifetime Achievement Award“ (1999) – die zuvor erst einmal vergeben worden war – bezeugt Bedeutung und Wirkung der Grundlagenforschung von Dieter Janz.

Im Jahre 1994 war Janz auch Mitbegründer der „Viktor von Weizsäcker Gesellschaft“. Der Neurologe und Internist gehörte in den 1920er Jahren zu den ersten, die Psychosomatik mit einem anthropologischen Medizinverständnis verbanden. Diesem Anspruch fühlt auch Dieter Janz sich verpflichtet, die Gesammelten Schriften Weizsäckers hat er in einer 10bändigen Ausgabe mit herausgegeben.