Freie Universität Berlin


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„Für mein Forschungsgebiet ist Berlin einfach die Stadt“

Barbara Pfetsch ist neue Professorin für Kommunikationstheorie, Medienwirkungs- und Mediennutzungsforschung

24.11.2008

Barbara Pfetsch
Barbara Pfetsch Bildquelle: Îlja Dollinger

Eigentlich wollte sie Journalistin werden, jetzt analysiert sie die Verhaltensmuster von Journalisten und Politikern: Barbara Pfetsch ist seit diesem Wintersemester Professorin am Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft. Die Freie Universität ist aber kein Neuland für sie, habilitierte sie sich doch 2002 am Fachbereich Politik- und Sozialwissenschaften.

Die wissenschaftliche Laufbahn der Hochschullehrerin begann mit einem Studium der Politikwissenschaft an der Universität Mannheim, wo sie sich 1991 auch promovierte. Bevor sie sich an der Freien Universität habilitierte, arbeitete Barbara Pfetsch in der „Abteilung Öffentlichkeit und soziale Bewegungen“ am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialwissenschaft (WZB). Dann folgte sie einem Ruf auf eine Professur für Medienpolitik an die Universität Hohenheim. In den Jahren 1997, 2006 und 2007 forschte sie als Gastwissenschaftlerin an der Harvard University. Als Postdoktorandin war sie an der Georgetown University in Washington.

Forschen im „Aquarium“

An der Freien Universität leitet Barbara Pfetsch die Arbeitsstelle Kommunikationstheorie/ Medienwirkungs- und Mediennutzungsforschung. Ihr Büro befindet sich in einem „Aquarium“, wie sie den Sitz des Instituts für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft in der Garystraße 55 liebevoll nennt. Die Außenwände und Türen der Büros bestehen dort aus Glas, die Innenwände sind teilweise algengrün. Die Wandfarbe im Arbeitszimmer von Barbara Pfetsch lässt sich aber nur erahnen, denn über eine komplette Wand erstreckt sich dort ein Bücherregal.

Einer der Forschungsschwerpunkte von Barbara Pfetsch ist das, was sie als „politische Kommunikationskultur“ bezeichnet. Dabei geht es um „Einstellungen, Normen und Werte, die das Verhältnis von Politikern und Journalisten bestimmen.“ Die Professorin arbeitet vor allem mit quantitativen Analysen im internationalen Vergleich. So ist das von der European Science Foundation (ESF) und der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte Projekt „Political Communication Cultures in Western Europe“  eine vergleichende Studie über die unterschiedlichen Kommunikationskulturen in neun europäischen Ländern. Befragt werden dazu mehr als 2000 Journalisten und Politiker.

„Wir stecken mitten in einem Medienwandel“

Weitere Forschungsgebiete sind die Rolle von Massenmedien bei der Herausbildung einer europäischen Öffentlichkeit sowie Thematisierungsprozesse von politischen Themen im Internet. „Gerade in der Kommunikationswissenschaft besteht derzeit großer Forschungsbedarf“, sagt Pfetsch, „wir stecken mitten in einem radikalen Medienwandel.“ Zu Beginn ihrer wissenschaftlichen Karriere drehte sich die kommunikationswissenschaftliche Forschung vor allem um die Einführung des Privatfernsehens und dessen Wirkung auf Politik und Gesellschaft. In den vergangenen Jahren hat sich die politische Kommunikation durch Prozesse der Informatisierung und Modernisierung stark verändert: „Das konnte man kürzlich auch im US-amerikanischen Wahlkampf anschaulich beobachten.“ Gerade für die politische Kommunikationsforschung in Deutschland sei „Berlin als deutsches Zentrum von Medien und Politik einfach die Stadt“, sagt Pfetsch, wenn es um zukünftige Forschung und die Weiterentwicklung ihres Instituts an der FU geht.

In der Lehre gibt die Kommunikationswissenschaftlerin im laufenden Wintersemester Seminare zu Politischen Medienwirkungen, und sie hält eine Vorlesung zu Empirischer Wirkungsforschung.