Am Anfang war Kampfkater Ramses

Professor Rainer Kampling ist Inhaber des einzigen Lehrstuhls für Katholische Theologie an der Freien Universität

10.11.2008

Rainer Kampling ist Theologie-Professor an der Freien Universität Berlin
Rainer Kampling ist Theologie-Professor an der Freien Universität Berlin Bildquelle: Freie Universität Berlin / Sabrina Wendling

"Man kann im Leben auf vieles verzichten, aber nicht auf Katzen und Literatur" – das zumindest behauptet die Katze auf dem Poster, das über dem Schreibtisch von Theologie-Professor Rainer Kampling hängt. Die Katze spricht dem Professor aus dem Herzen: Er möchte weder ohne Literatur noch ohne seine Katzendame Asnah leben.

Ein Blick in Kamplings Büro spricht Bände: Auf seinem Besuchertisch steht eine Porzellankatze, die sich bei näherem Hinsehen als Salzstreuer entpuppt, an der Tür hängt das „Katzenmanifest“, das in zehn Schritten erklärt, was Katzen am liebsten tun (Schlafen, arrogant gucken, schlafen, fressen, schlafen usw.). An den Schranktüren hängen Kopien von Titelseiten mit fragwürdigen Tier-Schlagzeilen aus der Boulevard-Presse.

Rainer Kampling ist kein gewöhnlicher Professor. Das liegt nicht nur daran, dass er der einzige Professor für Katholische Theologie an der Freien Universität Berlin ist. Er hat eine große Schwäche für Katzen und das Talent, diese Leidenschaft mit der Wissenschaft zu verbinden. Der Satz von Katze und Literatur hat sich auf besondere Weise bewahrheitet: Vor kurzem erschien Kamplings Buch „Eine seltsame Gefährtin. Katzen, Religion, Theologie und Theologen“.

Die Katze hat in der Bibel keinen Platz

Die Geschichte des Katzenbuchs beginnt bereits vor etwa zehn Jahren: "Da habe ich mir Ramses zugelegt, einen richtigen Kampfkater", sagt Kampling. Weil er häufig mit zerkratzten Händen seine Kollegen begrüßte, ergaben sich schnell Gespräche. So reifte die Idee, ein fachübergreifendes Buch über die "Konstruktion der Katze", wie der Theologe sagt, zu schreiben. Warum galt die Katze im Alten Ägypten als "heilig"? Aus welchen Gründen findet man die Katze nicht in der Bibel, aber häufig auf Bildern, die das Letzte Abendmahl zeigen? Wie kam es dazu, dass schwarze Katzen verteufelt wurden? Und warum gab es einen Papst, der Katzen verurteilte? Diesen und anderen Fragen widmen sich die Autorinnen und Autoren des fachübergreifenden Sammelbands aus verschiedenen Blickwinkeln.

Die Liste der Publikationen von Rainer Kampling ist beinahe unüberschaubar lang. "Aber das Katzen-Buch verkauft sich derzeit mit Abstand am besten", sagt der Theologe amüsiert. Sein eigentliches Forschungsgebiet sind die jüdisch-christlichen Beziehungen und religiöse Traditionen. Zum laufenden Wintersemester startet ein Master-Studiengang zu eben dieser Thematik, laut Kampling im deutschsprachigen Raum einzigartig.

Fasziniert von seiner Universität

"Mein Beruf ist auch mein Lebenstraum", sagt Kampling. Spätestens als er sich auf dem Gymnasium für den altsprachlichen Zweig entschied, war klar, dass er Professor für Theologie werden wollte. Da er bereits mit zwölf Jahren als Aushilfe in einer Pfarrbibliothek im Münsterland arbeitete, hatte er unbegrenzten Zugriff auf ein kleines Spektrum an theologischer Fachliteratur. Seine Wissbegierde war und ist der Antrieb, sich immer wieder auf Ungewohntes und Neues einzulassen: "So wählte ich während meines Studiums früh eine grundlegende Fächerkombination: Ich beschloss, neben Theologie auch  Judaistik zu studieren."

1992 schließlich kam der heute 54-Jährige nach Berlin. "Ich wollte immer schon an die Freie Universität, die eine der faszinierendsten Universitäten im deutschsprachigen Raum ist, besonders wegen der Vielfalt ihrer Disziplinen und ihrer demokratischen Tradition", sagt der Theologie-Professor.

Die Freiheit des Exoten

Kampling sagt, er habe es nie bereut, in Berlin und an der Freien Universität, der er zum 50. Geburtstag ein Buch widmete, zu sein. "Es mag sein, dass mir mein "Exotenstatus" hilft, aber ich wüsste kaum eine andere Universität, an der ich mit so vielen Lehrenden und Studierenden verschiedenster Disziplinen zusammenarbeiten könnte." Eine besondere Form der Zusammenarbeit hat sich mit Professor Eberhard König vom Kunsthistorischen Institut entwickelt: Jedes Wintersemester findet eine gemeinsame Veranstaltungsreihe mit dem Titel "Kunst und Theologie im Dialog" statt.