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Götter, Gräber - und ein Gelehrter

Seit diesem Semester ist Jochem Kahl als neuer Professor für Ägyptologie an der Freien Universität

05.11.2008

Professor Dr. Jochem Kahl, seit dem Wintersemester am Ägyptologischen Seminar der Freien Universität
Professor Dr. Jochem Kahl, seit dem Wintersemester am Ägyptologischen Seminar der Freien Universität Bildquelle: Freie Universität Berlin / Jan Hambura

Altgriechisch und Latein weckten bei Jochem Kahl die Begeisterung für die Kultur der Antike. Doch schon als Schüler war er vom alten Ägypten fasziniert. Nach Lehrtätigkeiten in Münster, Köln, Wien und Mainz und vielen Aufenthalten in Ägypten ist Jochem Kahl nun als neu berufener Professor für Ägyptologie an die Freie Universität Berlin gewechselt.

Als Jochem Kahl im September von seinem sechswöchigen Ausgrabungsaufenthalt in Ägypten zurückkehrte, hatte der Professor für Ägyptologie eigentlich nur drei Wünsche: „Ein Stück Apfelstrudel und eine Tasse Milchkaffe. Und beides ohne Polizeischutz.“ Die Ausgrabungsstätte im ägyptischen Assiut, an der der Ägyptologe seit 2003 immer wieder arbeitet, liegt mitten in einem Gebiet, das seit über zwanzig Jahren vom Terrorismus heimgesucht wird. Er und seine Mitarbeiter können dort keinen Schritt ohne Polizisten an ihrer Seite gehen. „Wenn man dort arbeitet, muss man schon die Ruhe weg haben.“, sagt Kahl.

Der Grabschatz von Assiut sind bemalte Wänder

Die Erforschung der ägyptischen Kultur in der 4000 Jahre alten Nekropole ist für Kahlem immer wieder ein Abenteuer – wobei er eher die Ergebnisse seiner Forschung aufregend findet und nicht die abenteuerlichen Arbeitsbedingungen: weit über 1000 Gräber gibt es in Assiut. Ihre mit Hieroglyphen  bedeckten Wände machen die Fundstätte zu einem einzigartigen Schatz für Forscher. Schon vor zehn Jahren versuchte Kahl bei den ägyptischen Behörden eine Genehmigung für Grabungen zu bekommen, zunächst vergeblich. Erst als er  eine Kooperation der Universität Mainz mit der ägyptischen South Valley University in Sohag initiierte wurde der Antrag von den Behörden positiv aufgenommen.

Sein Projekt ist einzigartig – weil es zeigt, dass Kooperation funktioniert

Die erfolgreiche Kooperation mit den ägyptischen Kollegen brachte dem Forschungsvorhaben auch einen international einzigartigen Status. 2005 wurde das Assiut - Projekt von der Deutschen Forschungsgemeinschaft in die Langfristförderung aufgenommen. Jochem Kahl hat als Grabungsleiter mittlerweile 22 Mitarbeiter, wenn er in Ägypten forscht. Der Arbeit in Berlin blickt der neue Professor am  Fachbereich für Geschichts- und Kulturwissenschaften mit Spannung entgegen – und einigen Plänen: Das Assiut-Forschungs-Projekt soll in der nächsten Zeit an die Freie Universität transferiert werden,  weitere Forschungsprojekte sind in Planung. Trotz seiner Erfahrung mit den zähen und langwierigen Planungen von Grabungen, ist Kahl zuversichtlich: „Zähigkeit und Ausdauer muss man als Ägyptologe ja immer haben.“