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"Tiermedizin ist Schwerstarbeit"

Prof. Uwe Rösler widmet sich nun statt großen Tieren Mikroorganismen

25.10.2008

Professor Uwe Rösler, Direktor des Instituts für Tier- und Umwelthygiene
Professor Uwe Rösler, Direktor des Instituts für Tier- und Umwelthygiene Bildquelle: privat

Wenn man Professor Uwe Rösler nach seinem Lieblingstier fragt, dann zögert der neue Direktor am Institut für Tier- und Umwelthygiene keinen Moment mit der Antwort: Es sind die Kühe.

Rösler wuchs auf einem Hof in der Sächsischen Schweiz auf. Dort gab es Rinder - und deshalb auch gelegentlich Veterinäre. Sowohl die Tiere als auch die Tierärzte prägten ihn. "So habe ich diesen Beruf für mich entdeckt." Er entschied sich gegen ein Studium der Forstwirtschaft und für die Tiermedizin. 1991 begann er sein Studium, das er bis auf ein Auslandssemester in Bern ganz in Leipzig absolvierte. Dort verfolgte er zunächst sein Ziel, eines Tages als Großtierveterinär zu praktizieren. Doch dann, gegen Ende seines Studiums, erlitt Rösler einen Bandscheibenvorfall. Der Traum von der Tierarzt-Praxis zerplatzte.

"Tiermedizin ist Schwerstarbeit: Wer Kühe, Schweine und Pferde behandelt, muss sich bücken, wuchten, heben." Nach der Verletzung ging das alles nicht mehr.“ Er entschied sich für eine akademische Karriere und widmete sich statt großen Tieren Mikroorganismen. Vor allem Salmonellen und sogenannten Prototheken – bislang kaum erforschten, parasitären Algen, die Infektionen bei Tieren und Menschen auslösen können. Bei Rindern verursachen sie Entzündungen des Euters, die nicht therapierbar sind. Und bei den Landwirten enorme wirtschaftliche Schäden. Im Herbst 2001 promovierte er in Leipzig und habilitierte sechs Jahre später.

Jetzt folgte der Siebenunddreißigjährige dem Ruf an die Freie Universität nach Berlin. Seit drei Wochen lebt er jetzt mit seiner Familie in Kleinmachnow, möglichst nah an der Natur. Sein neues Institut, das Institut für Tier- und Umwelthygiene ist dagegen ein Kontrastprogramm: Es liegt nicht im grünen Dahlem, sondern mitten in Mitte. Dort wird er in Zukunft an seinen Forschungsgebieten arbeiten. Unter anderem der Bekämpfung und Diagnostik von Salmonellen-Infektionen bei landwirtschaftlichen Nutztieren. Doch obwohl er gerade mit diesen Forschungsergebnissen, die heute vielfach bei der Untersuchung von Schlachttieren eingesetzt werden, einen ganz praktischen Teil zur Verbesserung des Verbraucherschutzes beitragen konnte, schöpft Rösler seine Motivation nicht in erster Linie aus solchen Erfolgen. "Die schönsten Erfolge sind, wenn man Doktoranden bei ihrer Promotion begleitet und sie später - durch die Betreuung und ihre akademische Ausbildung - einen guten Start in den Beruf haben", sagt Rösler.

Lehre und Forschung gehören für ihn deshalb auch zusammen. Angebote aus der Industrie lehnte er deshalb auch bewusst ab und freut sich nun auf die neuen Herausforderungen. Und die neuen Studenten: "Wenn das Semester vorbei ist, bin ich zwar immer froh, ein bisschen Zeit für die eigenen Publikationen zu haben. Aber spätestens nach einem Monat fehlen mir auf dem Campus die Studenten."