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Badewanne, Matratzenlager und Lehrstuhl

Hiroomi Fukuzawa, Japanologie-Dozent an der Freien Universität, lehrt und lebt seit den 1970er Jahren in Berlin

14.10.2008

Hiroomi Fukuzawa, Japanologie-Dozent an der Freien Universität
Hiroomi Fukuzawa, Japanologie-Dozent an der Freien Universität Bildquelle: Freie Universität Berlin / Wendling

Als Hiroomi Fukuzawa 1971 an die Freie Universität Berlin kam, hatte er nur ein paar Taschen als Gepäck. Auch eine Wohnung hatte er noch nicht. Am Institut für Japanologie, das damals in der Podbielskiallee 42 war, richtete er sich gemeinsam mit zwei Studenten ein Matratzenlager ein. Eine Küche und ein Bad gab es in der alten Villa auch. "Wirklich studiert habe ich damals nicht", sagt der heute 65-jährige Japanologie-Dozent und lacht.

Eigentlich wollte Hiroomi Fukuzawa 1967 nur für zwei oder drei Jahre nach Deutschland kommen, um zu studieren. Zunächst reiste er nach Stuttgart, weil er bereits in seiner Heimat Tokyo zwei Architekturstudenten aus der baden-württembergischen Landeshauptstadt kennen gelernt hatte.

Von Stuttgart nach Berlin

Es war die Aufbruchstimmung an der Freien Universität, die Fukuzawa 1971 nach Berlin zog. Mit Sack und Pack kam er an das Japanologie-Institut: "Das Gebäude war früher der Wohnsitz des Boxweltmeisters Max Schmeling, daher waren wir einigermaßen gut ausgestattet", sagt Fukuzawa. Das herrschaftliche Gebäude, das heute die Botschaft Libyens beheimatet, wurde schnell zu einem Treffpunkt für Studierende – allerdings kamen sie nicht nur um zu lernen, sondern auch um zu baden: "Das Ostasiatische Seminar wurde schnell zum Treffpunkt für sozial schwächer gestellte Studenten", erzählt Fukuzawa, „einige verließen den Unterricht, um baden zu gehen, weil es in den Pausen dort einen zu großen Andrang gab.“

Fukuzawa fühlte sich von Anfang an wohl am Ostasiatischen Seminar und knüpfte schnell Kontakte zu anderen Studierenden. 1974 beendete er seine Magisterarbeit über Philosophie, schon 1976 arbeitete er als Lektor in der Japanologie. Zu Beginn machte es ihm keinen großen Spaß zu unterrichten: "Viele Studenten interessierten sich damals nur für Zen-Buddhismus und Kampfsport“, sagt Fukuzawa, "und mir fehlte einfach noch die Routine und eine gewisse Systematik.“

Zutritt zum Institut nur mit dem Wachposten

1987 schließlich kam es bundesweit zu Studentenstreiks, auch das Ostasiatische Seminar war davon betroffen. In ganz Deutschland forderten Studierende mehr Geld für Universitäten, sodass mehr Lehrkräfte eingestellt und die Bibliotheksbestände aufgebessert werden könnten. "Das Institut war komplett von Studierenden besetzt, in dieser Zeit konnten wir keine regulären Seminare geben", sagt Fukuzawa, "nur einmal in der Woche durften die Lehrenden gemeinsam mit den studentischen Wachposten ins Sekretariat gehen und ihre Post abholen." Das Klima zwischen Lernenden und Lehrenden habe sich nach dem Streik verschlechtert, sagt Fukuzawa.

Inzwischen, über 20 Jahre später, hat sich vieles verändert, und Fukuzawa hat großen Spaß an der Lehre. Mit der Einführung des Bachelor-Studiengangs am Ostasiatischen Seminar im Jahr 2005 habe sich eine völlig neue Generation von Studierenden bemerkbar gemacht: "Heute studieren viele Japanologie, weil sie von klein auf Mangas und japanische Animationsfilme kennen gelernt haben und von ihnen begeistert waren", sagt Fukuzawa.

Fukuzawa im Werk eines Nobelpreisträgers

Das Wintersemester 2008/2009 wird das erste sein, das der 65-Jährige als Pensionär verbringt. Einen Monat will er in seiner Heimat Tokyo umherreisen und Vorträge über das deutsche Bildungssystem halten. Auch seine Freunde will Fukuzawa dort treffen: "Ich habe eine große Schwäche für Film und Literatur, daher kenne ich einige renommierte Regisseure und Dichter", erzählt er. In dem Buch "Tagame" des Literatur-Nobelpreisträgers Kenzaburô Ôe taucht Fukuzawa sogar als Figur auf. Bei der Berlinale hilft der gebürtige Japaner und Wahlberliner beim Übersetzen der Untertitel und betreut die japanischen Regisseure seit über 20 Jahren.

Einmal im Jahr reist Fukuzawa in der Regel nach Japan: "Aber spätestens nach drei Wochen bekomme ich wieder Sehnsucht nach Berlin und will zurück", sagt er und lächelt. An den Deutschen schätzt er besonders ihre Direktheit – "und das durchdachte Gesellschafts- und Bildungssystem". Nur eine Sache vermisst Fukuzawa manchmal: Das originale japanische Essen. Für solche Fälle hat er eine Liste mit 160 Restaurants und Sushi-Clubs, die das kulinarische Heimweh ein wenig kurieren können.