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Vom Versprechen des Donners

Post aus Taipeh! Nora Lessing entziffert chinesische Schriftzeichen und erhält einen neuen Namen

01.12.2015

Massenhaft Zeichen: Nora Lessing versucht, dem Chinesischen auf die Schliche zu kommen. Gelernt wird überall.
Massenhaft Zeichen: Nora Lessing versucht, dem Chinesischen auf die Schliche zu kommen. Gelernt wird überall. Bildquelle: Privat
Böhmische Dörfer in Taipeh: Nora Lessing hat Post bekommen - was steht wohl drin?
Böhmische Dörfer in Taipeh: Nora Lessing hat Post bekommen - was steht wohl drin? Bildquelle: Privat
Wegweiser zur Sprachschule - und zu einem hoffentlich bald besseren Verständnis von Mandarin.
Wegweiser zur Sprachschule - und zu einem hoffentlich bald besseren Verständnis von Mandarin. Bildquelle: Privat

In einem Land zu leben, in dem man sich weder mündlich noch schriftlich verständigen kann, hat seine Tücken. Selbst einfachste Alltagshandlungen werden so zu scheinbar unüberwindlichen Hindernissen. Sei es der Versuch, eine taiwanische Handynummer zu aktivieren, sei es herauszufinden, was sich im Inneren der auf der Straße vor meinem Haus verkauften Teigtaschen verbirgt oder auch das Beantragen eines Visums für Festlandchina – ohne die Hilfe freundlicher Inländer mit Englischkenntnissen will vieles einfach nicht gelingen. Abhilfe schafft seit einigen Wochen Teacher Chen, meine mehr als geduldige Mandarin-Lehrerin.

Sechs Stunden die Woche versucht uns Teacher Chen, die dabei erstaunlicherweise stets ein Ausbund der guten Laune bleibt, ihre Muttersprache näherzubringen. Wir, das sind rund 20 Europäer, denen regelmäßig die Zungen schwer werden, wenn sie die mannigfaltigen chinesischen Zischlaute imitieren sollen. Dsi? Tsi? Oder doch Schi? Wer sich einige Stunden lang beim Versuch, winzigst gedruckte Schriftzeichen korrekt zu kopieren, am Papier die Nase platt gedrückt hat, entwickelt eine Menge Respekt für Sprachkundige, die sich in jahrelanger Fleißarbeit einen Zeichenschatz erarbeitet haben, der ausreicht, um eine chinesische Zeitung zu lesen.

Kleine Schritte in der Verständigung

Nichtsdestotrotz beflügeln derzeit erste Erfolgserlebnisse meinen Lerneifer. So habe ich kürzlich herausgefunden, dass man im Supermarkt in der Tat nicht zu jeder Tageszeit mit „Good morning“ begrüßt wird, sondern mit „Huān yìng”, was so viel heißt wie „Herzlich willkommen”. Und auch die Bedeutung meines chinesischen Namens habe ich inzwischen herausgefunden. Wer sich nämlich – so wie ich – in Ermangelung entsprechender Sprachkenntnisse selbst keinen chinesischen Namen geben kann, bekommt einen zugewiesen. „Léi nuǒlā“ heiße ich nun also, in Anlehnung an den Klang meines europäischen Namens. Zu Deutsch: Vorname „Versprechen ziehen“, Nachname „Donner“.

Weitere Informationen

In unserer campus.leben-Serie „Post aus...“ berichten sechs Studierende, zwei Doktorandinnen und ein Auszubildender von ihren Auslandsaufenthalten. Hier haben wir die neun Reisenden vorgestellt und hier finden Sie Nora Lessings Berichte.