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Sockenpflicht im Seminar

Post aus Spitzbergen! Janna Einöder erlebt, wie Longyearbyen zusammenrückt, wenn es dort dunkler wird

19.11.2015

Letztes Licht vor monatelanger Dunkelheit: Janna Einöder vor spitzbergischer Kulisse.
Letztes Licht vor monatelanger Dunkelheit: Janna Einöder vor spitzbergischer Kulisse. Bildquelle: Privat
Zwischen Dschungel und Raumschiff: Bei der „kitchen to kitchen party“ ziehen die Gäste von Küche zu Küche und kosten vom Angebot.
Zwischen Dschungel und Raumschiff: Bei der „kitchen to kitchen party“ ziehen die Gäste von Küche zu Küche und kosten vom Angebot. Bildquelle: Max Elmgren
Die amerikanische Sängerin Jai Malano bringt beim „Dark Season Blues Festival“ Blues und Swing in den hohen Norden.
Die amerikanische Sängerin Jai Malano bringt beim „Dark Season Blues Festival“ Blues und Swing in den hohen Norden. Bildquelle: Janna Einöder

Nach einer weiteren eindrucksvollen Exkursion nach Kapp Linné an der Westküste Spitzbergens und an der Südseite des Isfjordeingangs (inklusive Sauna mit anschließendem Schwimmen im eiskalten Meer) fing mit dem ersten Sonnenuntergang die zweite Halbzeit meines Semesters in Spitzbergen an. Da unser Biologiekurs zeitlich vorgezogen worden war, um saisonbedingt so viel Flora und Fauna wie möglich mitzubekommen, war es bisher noch ein bisschen einsam gewesen. Seit dem offiziellen Semesterstart blüht die Uni immer mehr auf: Die Schuhregale im Eingangsbereich werden voller (im ganzen Universitätsgebäude ist Sockenpflicht!), die besten Sitzplätze in der Bibliothek sind durchgehend besetzt und societies von A bis Z werden gegründet.

Von der „Strick society“ bis hin zur Partygruppe – alle Gemeinschaften können prinzipiell bei der Uni angemeldet und Sponsering beantragt werden. Diese societies machen es dann möglich, über den Biologie-Tellerrand zu schauen und andere Studenten kennenzulernen.

Das Friday gathering lädt immer freitags zum Plausch mit Lehrkräften und Mitstudenten in der Mensa ein, manchmal sind auch Leute aus der Stadt dabei. Man sitzt bei Kaminfeuer und Bier zu Studentenpreisen zusammen – und zieht zum Weiterfeiern hin und wieder in den nördlichsten Club der Welt, ins „Huset“.

Feiern gegen die Dunkelheit

Neben einigen gemeinsamen Kochabenden und Lagerfeuern, gab es schon gute Partys. Mein absoluter Favorit war bis jetzt die „kitchen to kitchen party“, bei der verschiedene Küchen der Baracken – unserer Unterkunft – als Themenküchen gegeneinander angetreten sind. Die feierwütigen Studenten wurden dann von Küche zu Küche gelotst. Dort wurde – ob mit dem Löwen Simba in der Dschungelküche oder in Blitz und Donner gehüllt in der Wolkenküche – ausgiebig gefeiert. Eine super Idee mit super Stimmung!

Herzliche Gemeinschaft auf kleinem Raum

Longyearbyen ist für mich immer mehr zum Zuhause geworden. Das liegt daran, dass die Stadt so klein ist und man nach ein paar Monaten so ziemlich alle Gesichter einmal gesehen hat. Abgesehen von den laufenden Aktivitäten in der Uni ist auch in der Stadt immer was los. Man wird zum Welpenstreicheln beim Hundeschlittenverleih eingeladen, feiert deutsches Oktoberfest oder leistet Volontärsarbeit beim berühmten Dark Season Blues Festival – einem Musikfest, das seit 2003 immer Ende Oktober stattfindet und die dunkle Jahreszeit einläutet.

Insgesamt bin ich positiv überrascht von der herzlichen Gemeinschaft, ich hatte nicht unbedingt erwartet, dass mir das Zusammenleben auf so kleinem Raum gefallen würde. Studenten aus dem vergangenen Semester haben erzählt, dass die Stadt in der dunklen Jahreszeit noch stärker zusammenrückt als im Sommer. Deswegen bin ich nach dem bisherigen großen Angebot an Aktionen extrem gespannt, was mich hier noch erwartet.

Weitere Informationen

In unserer campus.leben-Serie „Post aus...“ berichten sechs Studierende, zwei Doktorandinnen und ein Auszubildender von ihren Auslandsaufenthalten. Hier haben wir die neun Reisenden vorgestellt und hier finden Sie die vorangegangenen Berichte von Janna Einöder.