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„Sehr schöne und sehr traurige Momente“

Post aus Mexiko! Der Nationalfeiertag und zwei weitere Gedenkveranstaltungen haben Estefanía González stark beeindruckt

06.11.2015

Traditionell geschminkt für „Día de los Muertos“: Estefanía González (links) und ihre Freundin Laura Zunker.
Traditionell geschminkt für „Día de los Muertos“: Estefanía González (links) und ihre Freundin Laura Zunker. Bildquelle: Privat
In der mexikanische Kultur spielt der Tod eine sehr wichtige Rolle
In der mexikanische Kultur spielt der Tod eine sehr wichtige Rolle Bildquelle: Privat
Vom 31. Oktober bis 2. November gedachte das Land mit farbenfrohen Altären voller Blumen, Schmuck und Essen seiner Verstorbenen.
Vom 31. Oktober bis 2. November gedachte das Land mit farbenfrohen Altären voller Blumen, Schmuck und Essen seiner Verstorbenen. Bildquelle: Privat
Massendemonstration zum Jahrestag des Verschwindens der 43 Studenten aus Ayotzinapa, von denen noch immer jede Spur fehlt.
Massendemonstration zum Jahrestag des Verschwindens der 43 Studenten aus Ayotzinapa, von denen noch immer jede Spur fehlt. Bildquelle: Privat

Es scheint, als vergehe die Zeit hier viel schneller als zu Hause – viel zu schnell. Seit meinem Urlaub an der Küste Oaxacas, durfte ich einige für Mexiko besondere Tage miterleben: Immer am 16. September wird die Unabhängigkeit von Spanien gefeiert, dann ist das ganze Land in den Farben der mexikanischen Flagge geschmückt. Ich habe diesen Tag an einem kleinen Strandort namens Mazunte (Oaxaca) verbracht und daher ein sehr dörfliches, traditionelles Fest mit viel Tanz und Musik auf den Straßen erlebt.

Am Abend versammelte sich das ganze Dorf auf dem Zocalo, dem Hauptplatz, um gemeinsam den grito (Schrei) einzuleiten, mit dem symbolisch der Unabhängigkeit von 1810 gedacht wird – ein sehr beeindruckender Moment!

Zurück in Mexiko-Stadt fand am 26. September die Massendemonstration zum Jahrestag des Verschwindens der 43 Studenten aus Ayotzinapa statt. Nach einem Jahr fehlt noch immer jegliche Spur, und doch geben die Familienangehörigen die Hoffnung nicht auf, und das Land weigert sich zu vergessen. Mit Schildern wie „Es war der Staat” und „Lebend nahmen sie sie, lebend wollen wir sie zurück” gingen an diesem Tag Tausende Menschen aller Generationen auf die Straße. Für mich war es eine sehr intensive und berührende Erfahrung, die Mexikaner in ihrem Kampf gegen die herrschende politische Willkür und Gewalt in ihrem Land unterstützen zu dürfen. Viele Menschen kamen bei der Demonstration persönlich auf mich zu, um sich für meine Anteilnahme zu bedanken. Es waren sehr schöne und sehr traurige Momente.

Vergangenes Wochenende feierte das ganze Land dann den Día de los Muertos – den Tag der Toten, eines der wichtigsten Feste Mexikos. In der mexikanischen Kultur spielt der Tod eine sehr wichtige Rolle, und am Wochenende vom 31. Oktober bis 2. November gedachte das Land mit farbenfrohen Altären voller Blumen, Schmuck und Essen seiner Verstorbenen. Überall sah man bemalte Totenköpfe und Opfergaben vor den Häusern und auf den Straßen. Mit Sicherheit eines der beeindruckendsten Wochenenden, seitdem ich hier bin!

Weitere Informationen

In unserer campus.leben-Serie „Post aus...“ berichten sechs Studierende, zwei Doktorandinnen und ein Auszubildender von ihren Auslandsaufenthalten. Hier haben wir die neun Reisenden vorgestellt und hier finden Sie Estefanía González' ersten Bericht.