Lernen auf dem Landgut

In der Guthmann-Akademie in Berlin Neu-Cladow präsentiert die Kunsthistorikerin und Alumna Miriam-Esther Owesle Kunst und Kultur des 19. und 20. Jahrhunderts

18.03.2015

Die promovierte Kunsthistorikerin und Alumna Miriam-Esther Owesle bietet in der neugegründeten Guthmann-Akademie in Berlin Neu-Cladow ab Herbst regelmäßig Kurse zur Berliner Kunst- und Kulturgeschichte an.
Die promovierte Kunsthistorikerin und Alumna Miriam-Esther Owesle bietet in der neugegründeten Guthmann-Akademie in Berlin Neu-Cladow ab Herbst regelmäßig Kurse zur Berliner Kunst- und Kulturgeschichte an. Bildquelle: Eckhard Grothe
Der Berliner Kunsthistoriker und Schriftsteller Guthmann erschuf im idyllischen Neu-Cladower Gutspark einen Ort, an dem sich Natur und Kunst zu einem harmonischen Ganzen zusammenfügen sollten.
Der Berliner Kunsthistoriker und Schriftsteller Guthmann erschuf im idyllischen Neu-Cladower Gutspark einen Ort, an dem sich Natur und Kunst zu einem harmonischen Ganzen zusammenfügen sollten. Bildquelle: Eckhard Grothe
Miriam-Esther Owesle ließ sich von den Gartenbildern des Künstlers Max Slevogt inspirieren, der das Guthmann‘sche Landgut mehrfach gemalt hatte.
Miriam-Esther Owesle ließ sich von den Gartenbildern des Künstlers Max Slevogt inspirieren, der das Guthmann‘sche Landgut mehrfach gemalt hatte. Bildquelle: Max Slevogt, Diener auf der Terrasse von Neu-Cladow, Berlin 1912

Ein Herrenhaus in einem Landschaftspark, direkt an der Havel: Das ehemalige Lehnschulzengut Neu-Cladow im Westen Berlins ist ein denkbar idyllischer Ort. Bereits vor rund 100 Jahren veranstaltete der damalige Besitzer Johannes Guthmann dort Soiréen und lud zur lustvollen Auseinandersetzung mit Kunst und Kultur. Die promovierte Kunsthistorikerin und Absolventin der Freien Universität Miriam-Esther Owesle will an diese Tradition anknüpfen: Ab Herbst bietet sie in der neugegründeten Guthmann-Akademie für Interessierte regelmäßig Kurse zur Berliner Kunst- und Kulturgeschichte an.

„Der Grundgedanke ist es, das Haus kulturell zu bespielen und so Guthmanns Bildungsideal Rechnung zu tragen“, sagt Owesle. Mit Seminaren, Vorlesungsreihen und wissenschaftlichen Publikationen der Guthmann-Akademie möchte sie die Berliner Bildungslandschaft bereichern und dabei die Vielschichtigkeit der Berliner Großstadtkunst aufzeigen. Für diese interessierte sich die gebürtige Heidelbergerin schon als Jugendliche. So setzte Owesle sich in ihrem Studium an der Freien Universität intensiv mit der Berliner Kunstgeschichte auseinander und blieb sowohl dem Thema als auch ihrer Alma Mater, zunächst als Promovendin, später als Lehrbeauftragte, treu. „Die Lehre und der Austausch mit den Studierenden geben mir sehr viel“, sagt Owesle. „Deshalb ist es mir wichtig, in Neu-Cladow die gute Zusammenarbeit mit der Freien Universität fortzusetzen.“

In der Kunst den Zeitgeist erkennen

Ihr Forschungsschwerpunkt liegt auf der Großstadtkunst des 19. und 20. Jahrhunderts. „Berlin ist ein Schmelztiegel künstlerischer Formen, das interessiert mich sehr. Gerade um 1900 waren hier zeitgleich viele verschiedene Stile vertreten – eine Situation, die in Europa im Grunde einzigartig war und sich höchstens noch mit Paris vergleichen lässt“, sagt Owesle. So finde man im Berlin des frühen 20. Jahrhunderts unter anderem sowohl Werke des Kubismus und des Expressionismus als auch des Konstruktivismus und des Impressionismus. In der Folge könne man aus der Berliner Großstadtkunst dieser Zeit viele Rückschlüsse auf die Kulturgeschichte ziehen und gleichsam in der Kunst den Zeitgeist erkennen. „Die Stadt wirkt wie ein Kaleidoskop und spiegelt sich in der Kunst. Man kann an ihr alles ablesen, was damals in Deutschland wichtig war“, sagt die Kunsthistorikerin.

Von den Gartenbildern des Landschaftsmalers Max Slevogt inspiriert, der das Guthmann‘sche Landgut mehrfach gemalt hatte, machte Miriam-Esther Owesle im Winter 2012 einen Ausflug nach Neu-Cladow. Als sie das abgebildete Anwesen schließlich fand, war es sofort um sie geschehen. „Der Ort ist absolut inspirierend und ich kann mir keinen besseren für die Auseinandersetzung mit Kunst und Kultur vorstellen“, sagt sie. Seit zwei Jahren hält sie regelmäßig Vorträge im Salon des Gutshauses und hat diese kürzlich auch in Buchform veröffentlicht. Nun will sie sich im Rahmen der Guthmann-Akademie, deren Geschäftsführende Gesellschafterin sie mit einer zweiten Kollegin ist, weiter mit den Malern des 19. und 20. Jahrhunderts auseinandersetzen. „Guthmann ging es um eine echte Auseinandersetzung mit der Kunst. Das finde ich sehr fruchtbar. Ich freue mich, diese Tradition hier in Neu-Cladow wieder aufleben zu lassen und fortführen zu können.“