„Jedes Bild und jeder Gegenstand erzählt eine Geschichte“

Bis 29. Januar: von Doktoranden der „Berlin Graduate School Muslim Cultures and Societies“ kuratierte Ausstellung mit Fotos und Objekten aus dem Alltag von Muslimen

20.01.2015

Sich ein anderes Bild von Muslimen machen: Dazu lädt die Ausstellung "Framing Muslims" noch bis zum 29. Januar ein.
Sich ein anderes Bild von Muslimen machen: Dazu lädt die Ausstellung "Framing Muslims" noch bis zum 29. Januar ein. Bildquelle: Freie Universität Berlin

Moschee und Gebetsteppich, Ramadan und Kopftuch – diese Bilder haben Nichtmuslime häufig vor Augen, wenn es um ihre Mitmenschen islamischen Glaubens geht. Deren ganz normaler Alltag hingegen tritt bisweilen in den Hintergrund. Zwei Doktoranden der Berlin Graduate School Muslim Cultures and Societies (BGSMCS) der Freien Universität Berlin wollen diese Perspektive erweitern: Sie haben die Ausstellung „Framing Muslims“ kuratiert, die Fotos, Objekte und Texte zum muslimischen Alltag zeigt und noch bis zum 29. Januar im Foyer der Universitätsbibliothek zu sehen ist.

„Die Kernidee entstand für die Lange Nacht der Wissenschaften 2013: Wir wollten die Vielfalt der Forschungsprojekte und Regionen, die wir in der Graduiertenschule untersuchen, vorstellen“, sagt Doktorand Omar Kasmani. Mit seinem Co-Kurator, dem Doktoranden Stefan Maneval, verbindet den Pakistani, der zu Körper- und Genderfragen von Sufis (islamischen Mystikern) forscht, ein Faible für die Fotografie; für die beiden Nachwuchswissenschaftler ist die Kamera eines der wichtigsten Werkzeuge bei ihren Feldforschungen. Wie auch für viele ihrer Kommilitonen. So entstand eine forschungsfokussierte Fotoausstellung, die nicht nur bei der Langen Nacht, sondern auch auf dem Orientalistentag in Münster im Herbst 2013 sowie am Institut für Süd- und Südostasienstudien der Humboldt-Universität im Frühjahr 2014 viel Anklang fand.

„Nicht nur fromm, männlich dominiert und rückwärtsgewandt“

Die Ausstellung ließ die beiden Organisatoren nicht los – sie wollten aus ihrer Forscherperspektive mehr zeigen: „Nämlich, dass die Lebensweise in islamisch geprägten Kulturen nicht nur fromm, männlich dominiert und rückwärtsgewandt ist – wie sie häufig dargestellt wird“, sagt Omar Kasmani. Problematisch sei, dass derartige Medienbilder die Komplexität des muslimischen Lebens nicht wiedergäben, sondern beim Betrachter den Eindruck erweckten, dass die genannten Aspekte für alle Muslime gälten.

Omar Kasmani und Stefan Maneval zeigen deswegen Fotos, Objekte und Texte, die demonstrieren, wie vielschichtig die Alltagserfahrungen von Muslimen weltweit sind; dass etwa ihre Identität als Anhänger des islamischen Glaubens in gewöhnlichen Situationen – etwa beim täglichen Einkauf – keine Rolle spielt, wie Muslime auch in Konfliktregionen Spaß haben können und wie muslimische Minderheiten in Europa im Dialog mit der Mehrheitsbevölkerung anderen Glaubens sind.

Schon das Ausstellungsplakat – zwei junge Frauen beim Kickboxen, darunter der Ausstellungstitel „framing muslims“ (Deutsch: „Sich ein Bild von Muslimen machen“) – weist darauf hin, dass hier nicht die üblichen Bilder von Muslimen gezeigt werden. Zu sehen sind handgefertigte rosa Gebetsschuhe aus der Türkei, ein zusammenklappbarer Reise-Schrein im Kofferformat, ein Fan-Schal, nicht für den lokalen Fußballverein, sondern für einen prominenten Geistlichen aus Indonesien, oder ein Blechnapf, der einem dabei hilft, seine Kopfschmerzen loszuwerden. Bunte Eindrücke, nicht nur theoretisch durchdacht und pädagogisch wertvoll, sondern auch unterhaltsam. Und Bilder, die man so sonst nirgends sieht: Ball spielende Afghanen zum Beispiel, ein Liebespaar in Saudi-Arabien und nicht zuletzt transgender Fakire in Pakistan.

Durchweg positives Besucherecho

Die Fotos und Exponate stammen von Studien- oder Privatreisen von Doktoranden der Graduiertenschule. Omar Kasmani und Stefan Maneval, der Architektur und gesellschaftlichen Wandel in Jiddah in Saudi-Arabien untersucht, hatten um Einsendungen aus möglichst verschiedenen Regionen der muslimischen Welt gebeten. Die Besucher erwartet daher eine einzigartige Mischung aus Momentaufnahmen und alltäglichen Objekten – etwa Seifen, Spielzeug oder Kleidungsstücken – aus Afghanistan, Kenia, China, den Niederlanden und Syrien. Die Alltagsgegenstände werden begleitet von kurzen Texten, in denen die Mitwirkenden von ihrer persönlichen Beziehung zum jeweiligen Exponat berichten und dessen Bedeutung erläutern. Ergänzt wird die Ausstellung durch ausgewählte Publikationen von Mitgliedern der BGSMCS.

„Uns Kuratoren war es wichtig zu zeigen, dass jedes Exponat eine Geschichte erzählt – nicht nur über seinen Gebrauchswert und seine Herkunft, sondern auch über den Forscher oder die Forscherin, die das Objekt von ihrer Reise mitgebracht hat“, sagt Omar Kasmani. Dass nicht nur er und sein Mitkurator Stefan Maneval diese Sichtweise faszinierend finden, beweisen die bisher durchweg positiven Publikumsreaktionen.

Weitere Informationen

„Framing Muslims“

  • bis 29. Januar 2015, montags bis freitags von 9 bis 20 Uhr
  • Foyer der Universitätsbibliothek der Freien Universität Berlin, Garystraße 39, 14195 Berlin, U-Bhf. Thielplatz (U3)
  • Der Eintritt ist frei.