Pressefreiheit in Israel erforschen

„Der Nahostkonflikt und die Medien“: Studierende der Publizistik haben ihre Forschungsergebnisse in einem Sammelband veröffentlicht

17.09.2014

Wie berichten Journalisten in Deutschland über den Nahostkonflikt? Und wie in Israel und den palästinensischen Gebieten? Fragen wie diese untersuchten Studiende der Publizistik. Ihre Ergebnisse wurden nun in einem Sammelband veröffentlicht.
Wie berichten Journalisten in Deutschland über den Nahostkonflikt? Und wie in Israel und den palästinensischen Gebieten? Fragen wie diese untersuchten Studiende der Publizistik. Ihre Ergebnisse wurden nun in einem Sammelband veröffentlicht. Bildquelle: Verena Blindow

Wie funktionieren die Medien in Israel und den palästinensischen Gebieten? Wie ist es dort um die Pressefreiheit bestellt? Wie berichten Journalisten in Deutschland über den Nahostkonflikt? Fragen wie diese beschäftigten die 30 Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Masterseminars „Medien und politische Kommunikation“ am Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft. Seminararbeiten aus diesem Kurs, der auch eine Reise nach Israel und Palästina einschloss, sind nun in dem Sammelband „Der Nahostkonflikt und die Medien“ erschienen.

Ingo Dachwitz ist einer der Studierenden, die an dem Seminar und der Exkursion nach Israel und in die palästinensischen Gebiete teilgenommen haben (campus.leben berichtete). In dem von Carola Richter, Professorin für Internationale Kommunikation an der Freien Universität, geleiteten Kurs erwarb der Publizistik-Student zusammen mit den anderen Teilnehmern spezielles Fachwissen zur Medienarbeit in der Region und gewann gleichzeitig einen Einblick in die dortige Situation.

Was sie gelernt und erfahren haben, haben die Studierenden festgehalten: Die abschließende Prüfungsleistung bestand in einer 20-seitigen Hausarbeit über einen bestimmten Themenaspekt. Einige der Arbeiten, die in Gruppen- oder auch in Einzelarbeit entstanden sind, wurden für den Sammelband „Der Nahostkonflikt und die Medien“ aufbereitet. Der Band ist eine Sonderausgabe des von Carola Richter herausgegebenen Global Media Journal.

Ingo Dachwitz freut sich, dass die Seminararbeit nicht einfach in einer Schublade verschwindet. Sein Thema, „Die Kontrolle der Medien in Israel“, hat er gemeinsam mit einer chinesischen und einer litauischen Studentin anhand der Erfahrungen israelischer Journalisten unter die Lupe genommen. „Es war uns wichtig, die Untersuchung in einen grundsätzlichen Kontext einzubetten und herauszufinden, welche Mechanismen der Kontrolle freier Meinungsäußerung in den Mediensystemen moderner Demokratien möglich sind“, sagt Dachwitz. Israel biete sich wegen seiner dauerhaft angespannten Sicherheitssituation als Beispiel an.

Zensur verhindert keine Kritik

„Auf unserer Reise war uns von Anfang an klar, dass wir nicht mit dem Anspruch auftreten sollten, wir wüssten, wie Pressefreiheit geht“, sagt der 26-Jährige. Er und seine Kommilitoninnen hätten vielmehr verstehen wollen, wie das Konzept Pressefreiheit in Israel funktioniert und wie Journalisten mit den Restriktionen vor Ort umgehen. „Es hat mich schon überrascht, dass ein gewisses Maß an Zensur und Selbstkontrolle von vielen Journalisten akzeptiert und teilweise sogar befürwortet wird“, berichtet Ingo Dachwitz von Gesprächen mit Journalisten. „Die Presse dort kann trotzdem sehr kritisch sein, in Krisenzeiten fährt sie ihre Kritik aber offenbar bewusst herunter, um bestehende Konflikte nicht noch zu verschärfen.“

Andererseits würden sich Journalisten im Rahmen der Restriktionen Freiräume schaffen. „Die Reporter, mit denen wir gesprochen haben, haben betont, dass Zensoren zwar militärisch relevante Informationen aus Artikeln herausstreichen, nicht aber Meinungen oder Kommentare“, sagt Dachwitz. Durch das Internet und die globale digitale Vernetzung sei es ohnehin schier unmöglich, Veröffentlichungen zu bestimmten Themen grundsätzlich zu verhindern.

Publizisten als Feldforscher

Carola Richter ist mit der Arbeit ihrer Studenten „sehr zufrieden“. Positiv überrascht habe sie, dass sich die meisten sehr für die Feldforschung interessiert hätten: „Dass sie sich da so nah herangewagt haben, finde ich wunderbar.“

Als es darum ging, die Arbeiten für die Publikation in die richtige Form zu bringen, arbeiteten die Seminarleiterin und die Studierenden eng zusammen. Auch Ingo Dachwitz ist mit dem Ergebnis zufrieden. Es sei „schon toll“, was nach mehreren Korrekturrunden aus einer Hausarbeit werden könne.

Was für den Studenten von dem Masterseminar bleibt, ist nicht nur der Artikel in einer renommierten Herausgeberschrift. Auch sein Blick auf die israelische und palästinensische Presselandschaft habe sich nachhaltig geändert, sagt der 26-Jährige. „Hier in Deutschland berichten die Medien nur dann über den Konflikt in Israel, wenn wieder etwas Schlimmes passiert ist.“ Meldungen über Friedensbemühungen und über einzelne Versöhnungsstrategien gebe es kaum, sagt er. „Wenn man wirklich informiert sein möchte, muss man sein Medienspektrum erweitern, also sowohl die deutsche als auch die israelische Berichterstattung verfolgen. Dazu gehört auch das Lesen von Blogs und sozialen Medien.“

Weitere Informationen

Carola Richter (Hg.): Der Nahostkonflikt und die Medien. (Global Media Journal, German Ed.; Vol. 4, Nr. 1 (2014); URL: www.globalmediajournal.de.) Paperback, 252 Seiten, 12,90 Euro. ISBN: 978-3-7357-3918-6.