Freie Universität Berlin


Service-Navigation

Bioenergie für ein Erdöl-Land

Die iranische Umweltingenieurin Maryam Bakhshi forscht am Berlin Centre for Caspian Region Studies der Freien Universität

18.02.2014

Die iranische Umweltingenieurin forscht zum Potenzial von Bioenergie. Ein Jahr lang ist sie über die Alexander von Humboldt-Stiftung am Centre for Caspian Region Studies der Freien Universität.
Die iranische Umweltingenieurin forscht zum Potenzial von Bioenergie. Ein Jahr lang ist sie über die Alexander von Humboldt-Stiftung am Centre for Caspian Region Studies der Freien Universität. Bildquelle: Bianca Schröder

Der Iran hat nicht nur enorme Erdöl- und Erdgasreserven, sondern auch einen hohen Energieverbrauch. Das liegt vor allem an der Ineffizienz von Maschinen und Anlagen: Ölraffinerien arbeiten mit veralteter Technik, Autos verbrauchen viel Kraftstoff. Umweltverschmutzung ist deshalb ein Problem, das viele Iraner mindestens ebenso sehr beschäftigt wie Atomstreitigkeiten oder wirtschaftliche Sanktionen. Mit ihrer Forschung zum Potenzial von Bioenergie zeigt die Umweltingenieurin Maryam Bakhshi neue Wege in der Energieproduktion auf. Sie verbringt zurzeit mit einem International Climate Protection Fellowship der Alexander von Humboldt-Stiftung ein Jahr an der Freien Universität.

„Bioenergie ist vielseitig einsetzbar und im Gegensatz zu anderen regenerativen Energien bereits heute gut speicherbar“, sagt die 32-jährige Umweltingenieurin aus Teheran. Zudem würden biologische Abfälle sinnvoll genutzt – „ein positiver Nebeneffekt“, sagt Maryam Bakhshi.

In Deutschland hat Bioenergie bereits einen beachtlichen Anteil an der gesamten Energieproduktion, 2012 waren es der Bundesregierung zufolge 13,7 Prozent des Endenergieverbrauchs. Produziert wird sie aus eigens dafür angebauten Pflanzen wie Raps oder Sonnenblumen, aber auch aus Abfallprodukten wie Restholz und Stroh.

Im Iran werde Bioenergie noch kaum genutzt, sagt Maryam Bakhshi. Die Regierung habe jedoch großes Interesse an der Verwertung von Reststoffen, um weniger abhängig von fossilen Brennstoffen zu sein und gleichzeitig Abfälle aus Land- und Forstwirtschaft umweltschonend zu entsorgen. Bakhshi ist als Beraterin bei der Firma MONA Power Engineering Consultants in Teheran angestellt, wo sie im Auftrag der iranischen Regierung und verschiedener Unternehmen Studien zur Nutzung von Bioenergie erstellt.

Theoretisches Wissen mit praktischen Erfahren verbinden

Am Berlin Centre for Caspian Region Studies (BC CARE) der Freien Universität Berlin bearbeitet sie ihr Projekt „Strategien zur Förderung der Bioenergie im Iran: Ressourcen-Schonung und Klimawandel“. „Mein Ziel ist es, das Potenzial der Bioenergie im Iran einzuschätzen und Strategien für eine bessere Nutzung der Bioenergie zu entwickeln. Außerdem will ich die rechtlichen Rahmenbedingungen für eine nachhaltige Nutzung von Biomasse untersuchen“, erläutert Bakhshi.

Im Gespräch mit Forschern und bei der Besichtigung von Bioenergie-Anlagen erweitert sie ihre Kenntnisse über den Ausbau von Bioenergie in Deutschland. „Es ist sehr hilfreich für mich, mein theoretisches Wissen um diese praktischen Erfahrungen zu ergänzen“, sagt die Humboldt-Stipendiatin. Auch der Austausch mit anderen Nachwuchsforschern am BC CARE, die sich mit der Zukunft von Bioenergie in Ländern wie der Türkei, Kasachstan und Aserbaidschan befassen, sei inspirierend für ihre Arbeit.

Bioenergie benötigt nicht unbedingt Hochleistungstechnologie

Obwohl der Iran zum Großteil aus Wüsten oder halbtrockenen Gebieten besteht, gebe es ein großes Potenzial für Bioenergie, sagt Bakhshi. „Dass Pflanzen eigens für die Produktion von Energie angebaut werden, ist wohl aufgrund der Lebensmittelknappheit unrealistisch. Aber im Norden des Landes gibt es zum Beispiel viel Forstwirtschaft, im Westen ist der Obstanbau verbreitet. In beiden Wirtschaftszweigen entstehen Abfälle, die als Biomasse genutzt werden könnten.“

In den vergangenen Jahren seien einige erfolgreiche Pilotprojekte entstanden, die ausgebaut werden sollen, sagt Maryam Bakhshi. Technologie-Transfer sei nur in geringem Maße erforderlich. „Einer der großen Vorteile von Bioenergie ist, dass sie nicht unbedingt Hochleistungstechnologie benötigt. Die Produktion funktioniert ähnlich wie bei der Kohleverbrennung.“ Ihre Forschung wird Bakhshi im Laufe der nächsten Monate nicht nur im Doktorandenkolloquium des BC CARE, sondern auch bei Konferenzen in Hamburg und in Salt Lake City vorstellen.