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James F. Tent zum 70. Geburtstag. Dem US-amerikanischen Historiker und Biografen der Freien Universität gratulieren Siegward Lönnendonker und Karol Kubicki

22.01.2014

James F. Tent kennt die Freie Universität als Biograf und aus eigener Anschauung: Von 1985 bis 1987 lehrte der Amerikaner in Dahlem.
James F. Tent kennt die Freie Universität als Biograf und aus eigener Anschauung: Von 1985 bis 1987 lehrte der Amerikaner in Dahlem. Bildquelle: Privat

Die ersten 40 Jahre der Freien Universität Berlin seit ihrer Gründung im Jahr 1948 hat der Historiker James F. Tent festgehalten: 1988 erschien seine Monografie "Freie Universität Berlin 1948-1988. Eine deutsche Hochschule im Zeitgeschehen". Kürzlich feierte James Tent seinen 70. Geburtstag. Siegward Lönnendonker und Karol Kubicki gratulieren dem Freund und Weggefährten aus Dahlemer Zeiten.

Als die Freie Universität zu ihrem 40. Geburtstag einen Historiker suchte, der ihre Geschichte schreiben sollte, fiel die Wahl schnell und eindeutig aus: Beauftragt wurde James F. Tent, Professor und Chair des History Departments der University of Alabama in Birmingham, von 1982 bis 1983 Gastprofessor an der Universität Hannover.

Tent hatte sich vor allem durch sein Werk „Mission on the Rhine“ als Kenner der deutschen Nachkriegsgeschichte einen Namen gemacht. Das 1982 und zwei Jahre später auf auf Deutsch erschienene Werk beschreibt die ersten vier Nachkriegsjahre, in denen die deutsche Gesellschaft unter der militärischen Besatzung eine größere Veränderung erfuhr als unter Adolf Hitler und den Nationalsozialisten. Tent umriss darin das Problem der „Umerziehung, der Entnazifizierung, der Umstrukturierung des Schulsystems, der Hochschulreform und den Kulturaustausch nach amerikanischen Vorbild zu demokratisieren". In den darauffolgenden Jahren veröffentlichte er zahlreiche Studien zur deutschen Nachkriegsgeschichte.

Während seiner Arbeit an der Studie über die Freie Universität lehrte Tent von 1985 bis 1987 als Gastprofessor in Dahlem. Das Buch erschien unter dem Titel „Freie Universität Berlin 1948–1988. Eine deutsche Hochschule im Zeitgeschehen“ in der deutschen Fassung 1988 im Berliner Colloquium Verlag. Es ist das Standardwerk über die ersten 40 Jahre dieser in der deutschen Universitätsgeschichte einzigartigen Hochschule.

Die Forschung über die ersten Jahre der Freien Universität brachte Tent in engen Kontakt zu den von den Nazis mit dem Begriff deutsch-jüdische „Mischlinge" diffamierten Menschen, deren Schicksal bis dahin von der Geschichtswissenschaft vernachlässigt worden war. Die Liste der von ihm Befragten liest sich wie ein Auszug aus dem Immatrikulationsverzeichnis der Freien Universität: Meta Alexander, Ernst Benda, Hans Joachim Boehm, Thekla Brandt, Helmut Coper, Eva Heilmann-Furth, Horst Hartwich, Hans-Peter Herz, Otto Hess, Karol Kubicki. Viele der von den Nationalsozialisten im Dritten Reich zunehmend Drangsalierten und Verfolgten, die die Terror-Herrschaft überlebt hatten, machten später Karrieren in Wissenschaft, Medien und Politik.

James Tent hat Berlin ins Herz geschlossen. Seinen Urlaub verbringt er hier und läßt sich dann gern von seinem Freund Karol Kubicki durch die Mark Brandenburg spazierenfahren, ob die Reise nach Wittenberg oder Cottbus führt. „Das ist schon fast ein Ritual“, sagt Kubicki.

Möge es noch lange so bleiben.

Weitere Informationen

  • Dr. Siegward Lönnendonker, Jahrgang 1939, Soziologe, damaliger Aktivist der Studentenbewegung und langjähriger Leiter des Archivs der Außerparlamentarischen Opposition (APO)
  • Prof. Dr. Karol Kubicki, Jahrgang 1926, Gründungsstudent der Freien Universität Berlin und "Matrikelnummer 1", Karol Kubicki leitete die Abteilung für Klinische Neurophysiologie und war geschäftsführender Direktor der Neurologisch-neurochirurgischen Klinik der Freien Universität

Siegward Lönnendonker und Karol Kubicki sind Herausgeber der sechsbändigen Reihe "Beiträge zur Wissenschaftsgeschichte der Freien Universität Berlin", die bei V&R unipress erschienen ist.