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Kochen mit Freu(n)den

Sieger im Funpreneur-Wettbewerb: Studierende haben ein Kochbuch mit Rezepten von Asylsuchenden entworfen

18.12.2013

Auch dieses Rezept ist im Kochbuch zu finden: Bontu und Ninon kochen mit Nasir das Gericht Kupewa, eine Soße aus Fisch und Gemüse, die mit der in Westafrika typischen Teigmasse Tô gegessen wird.
Auch dieses Rezept ist im Kochbuch zu finden: Bontu und Ninon kochen mit Nasir das Gericht Kupewa, eine Soße aus Fisch und Gemüse, die mit der in Westafrika typischen Teigmasse Tô gegessen wird. Bildquelle: Privat
Sieger im Funpreneur-Wettbewerb: (v.l.n.r.) Bontu Guschke, Ninon Demuth, Carolin Strehmel und Gerrit Kürschner.
Sieger im Funpreneur-Wettbewerb: (v.l.n.r.) Bontu Guschke, Ninon Demuth, Carolin Strehmel und Gerrit Kürschner. Bildquelle: Diana Beppler
Irina Bolmat und Alena Miller kamen mit der Gründeridee "Sprechende Blumen Berlin auf den zweiten Platz.
Irina Bolmat und Alena Miller kamen mit der Gründeridee "Sprechende Blumen Berlin auf den zweiten Platz. Bildquelle: Diana Beppler
Die Unternehmensidee "Forum NaWi" von René Pernull und Kadir Sak kam auf den dritten Platz.
Die Unternehmensidee "Forum NaWi" von René Pernull und Kadir Sak kam auf den dritten Platz. Bildquelle: Diana Beppler

Mit fünf Euro kann man nicht nur eine leckere Mahlzeit kochen – damit lässt sich auch ein Unternehmen gründen. Bei der Abschlussveranstaltung des Funpreneur-Wettbewerbs im Dezember wurden Ninon Demuth, Gerrit Kürschner, Carolin Strehmel und Bontu Guschke als Sieger gekürt: Die vier Studenten haben das Unternehmen „Über den Tellerrand kochen“ gegründet und ein gleichnamiges Kochbuch geschrieben. Es versammelt Rezepte von Asylsuchenden in Berlin. Der Funpreneur-Wettbewerb wird jedes Semester veranstaltet und stattet alle Teilnehmergruppen mit fünf Euro Startkapital aus.

Auf den zweiten mit 800 Euro dotierten Platz kam das Team „Sprechende Blumen Berlin“ mit Irina Bolmat, Eugen Gabriel und Alena Miller und der Geschäftsidee, Blumen (vor allem weiße Rosen) mit Sprüchen zu versehen. Dank transparenter, dünner Aufkleber erscheint auf der Blume ein Bild oder eine Schrift. Kunden der Unternehmensgründer waren Firmen, die etwa ihr Logo auf Blumen kleben ließen, oder Privatpersonen, die Sprüche wie „Für die beste Mama der Welt“ bestellt haben.

René Pernull und Kadir Sak belegten mit „Forum NaWi" den dritten Platz (500 Euro Preisgeld). Für drei bis fünf Euro pro Schüler bieten sie „Schule zum Anfassen“ an: auf den Rahmenlehrplan abgestimmte Exkursionen und Experimente für Schulklassen.

Alle drei Gewinner-Teams kündigten an, ihr Unternehmen nach dem Funpreneur-Wettbewerb neu gründen und weiterführen zu wollen.

„Über den Tellerrand kochen“ enthält 21 Rezepte von Asylsuchenden

„Wir wollten ein Projekt, mit dem man nicht nur die Wirtschaft kennenlernen, sondern auch etwas erreichen kann", sagt Bontu Guschke, eine der Gründerinnen des mit 1200 Euro belohnten Gewinnerprojekts „Über den Tellerrand kochen". Das kürzlich erschienene gleichnamige Kochbuch enthält 21 Rezepte von Asylsuchenden aus insgesamt 14 Ländern. Neben dem Rezept werden auch die Lebensgeschichten der Rezeptgeber erzählt, „weit weg von Politik und medialer Aufmachung“, erklärt Carolin Strehmel.

Die Menschen hinter der Debatte um die Asylpolitik werden zu oft vergessen, bemängeln die beiden. „Wir wollten die Menschen kennenlernen. Und das geht am besten, wenn man miteinander kocht“, so die Studentin der Publizistik an der Freien Universität Berlin weiter.

Mit dem Startkapital Lebensmittel einkaufen

Von der Idee bis zur Umsetzung haben die Teams des Funpreneur-Wettbewerbs nur acht Wochen Zeit. Die beiden Studentinnen Bontu Guschke und Carolin Strehmel stellten im ersten Workshop ihre Geschäftsidee vor und überzeugten damit Ninon Demuth und Gerrit Kürschner, Studierende der Technischen Universität Berlin, die sich dem Team anschlossen.

In Kompaktkursen bekam das Team Nachhilfe in Projektmanagement, Marketing, Vertrieb und Recht. „Jedes Team bekommt außerdem einen Paten aus der Wirtschaft. Ohne diese Unterstützung hätte uns wohl manchmal ein wenig die Struktur gefehlt“, sagt Bontu Guschke. 19 Teams haben in diesem Jahr am Funpreneur-Wettbewerb teilgenommen. Die drei besten Teams wurden auf der Abschlussveranstaltung am 17. Dezember in der IHK Berlin von einer Jury mit Preisgeldern von insgesamt 2.500 Euro prämiiert.

Mit den fünf Euro Startkapital war das Gründerteam von "Über den Tellerrand kochen" erst einmal Lebensmittel einkaufen gegangen: „Mit den Zutaten haben wir im Flüchtlingscamp auf dem Oranienplatz gemeinsam mit dem Asylsuchenden Hassan eine Erdnusssuppe gekocht“, so Bontu Guschke. Alle 21 Rezepte haben die Studierenden nach- oder mit den Rezeptgebern gemeinsam gekocht.

Sprachliche Hindernisse gab es kaum

Die anfängliche Sorge der Gründer, ob sie genug Menschen finden würden, die ihre Rezepte und ihre Lebensgeschichte teilen möchten, löste sich schnell auf: „Schon am ersten Tag hatten wir sechs Rezepte. Alle fanden unsere Idee klasse“, freut sich Carolin Strehmel. Aus dem gemeinsamen Kocherlebnis haben sich längst Freundschaften entwickelt.

Sprachliche Hindernisse gab es dabei kaum, und wenn, dann wurden diese kreativ überwunden: „Eine Rezeptgeberin hat uns Petersilie aufgemalt. Da haben wir dann stundenlang geraten, was das sein soll, bis es uns eingefallen ist“, erinnert sich Carolin Strehmel.

Petersilie zählt zu den weniger exotischen Zutaten, aus denen die Gerichte oftmals bestehen. Im Kochbuch gibt es deshalb auch ein Verzeichnis, in dem alle Zutaten und deren Herkunft aufgelistet sind. Und auch, wo man sie kaufen kann. „In Berlin ist es eigentlich kein Problem, an alle Zutaten zu kommen“, so Carolin Strehmel.

Rund 400 Kochbücher hat das Gründungsteam schon verkauft. Währenddessen sind die Gründer schon wieder hungrig auf Neues: Ein zweites Buch oder Kochkurse mit Asylsuchenden wären da Optionen.

Weitere Informationen

„Über den Tellerrand kochen“

Das Kochbuch kann für 15 € pro Exemplar (inkl. 2,50 € Spende an PRO-ASYL) hier bestellt werden.

Funpreneur-Wettbewerb

Die nächste Wettbewerbsrunde startet mit der Auftaktveranstaltung am Dienstag, 22. April 2014, 18.15 bis 20 Uhr, Seminarzentrum Raum L115, Otto-von-Simson-Str. 26.