Auf Herz und Huf geprüft

Veterinärmediziner der Freien Universität betreuen Islandpferde bei Weltmeisterschaft in Berlin

02.09.2013

Heimir frá Holtsmúla aus Österreich bei der Eingangsuntersuchung.
Heimir frá Holtsmúla aus Österreich bei der Eingangsuntersuchung. Bildquelle: Erin Hastey
Erst nach der Eingangsuntersuchung dürfen die teilnehmen Pferde das Gelände betreten. Vor jedem Wettkampf steht zusätzlich noch eine genaue Untersuchung an.
Erst nach der Eingangsuntersuchung dürfen die teilnehmen Pferde das Gelände betreten. Vor jedem Wettkampf steht zusätzlich noch eine genaue Untersuchung an. Bildquelle: Jan Hambura
Viele der Islandpferde haben eine lange Reise hinter sich. Während dieses Pferd aus Dänemark anreiste, wurden einige der Pferde sogar aus den USA eingeflogen.
Viele der Islandpferde haben eine lange Reise hinter sich. Während dieses Pferd aus Dänemark anreiste, wurden einige der Pferde sogar aus den USA eingeflogen. Bildquelle: Jan Hambura
Neben der Eingangsuntersuchung gehört auch die Entnahme von Doping-Proben, eine 24-Stunden-Bereitschaft und eine Notfallversorgung zum Aufgabengebiet der Veterinärmediziner.
Neben der Eingangsuntersuchung gehört auch die Entnahme von Doping-Proben, eine 24-Stunden-Bereitschaft und eine Notfallversorgung zum Aufgabengebiet der Veterinärmediziner. Bildquelle: Jan Hambura
Nach einer langen Fahrt genießt ein Pferd seine Freiheit.
Nach einer langen Fahrt genießt ein Pferd seine Freiheit. Bildquelle: Erin Hastey
Auch Pferde brauchen bei solch hohen Temperaturen eine Abkühlung.
Auch Pferde brauchen bei solch hohen Temperaturen eine Abkühlung. Bildquelle: Erin Hastey

Vom 4. bis 11. August fand in Berlin die Islandpferde-Weltmeisterschaft statt. Mit dabei auf dem Gelände des Pferdesportparks in Karlshorst waren neben rund 450 Pferden aus 19 Nationen auch Tierärzte der Freien Universität. Die Mitarbeiter der Klinik für Pferde, Allgemeine Chirurgie und Radiologie der Freien Universität in Düppel waren für die gesamte veterinärmedizinische Betreuung der Weltmeisterschaft verantwortlich.

Stefanie Willheim und ihre Mutter sind mit Heimir frá Holtsmúla aus Österreich angereist. Die beiden Frauen hatten in Bayern übernachtet, um dem Pferd vor dem Weitertransport eine Pause zu gönnen. Doch nach der sechsstündigen Fahrt versucht der 2002 geborene Island-Hengst auszubüxen. Für die Veterinärmediziner der Freien Universität ist das nichts Ungewöhnliches. Nach einer kleinen Eingewöhnungsphase passiert der junge Wilde mit der langen Mähne dann erfolgreich die Eingangsuntersuchung. Beste Voraussetzungen für die 22-jährige Reiterin Stefanie Willheim, ihren Erfolg von der letzten Weltmeisterschaft 2011 in St. Radegund, wo sie in ihrer Heimat eine Bronze-Medaille gewann, zu wiederholen.

Verantwortung für gesamte veterinärmedizinische Betreuung

Die Veterinärmediziner unterziehen jedes der 450 ankommenden Pferde einem Eingangscheck, um die Übertragung von Krankheiten auf dem WM-Gelände zu verhindern. „Wir können die Einfahrt auf das Gelände verwehren, erlauben oder aber eine wiederholte Untersuchung am darauffolgenden Tag anordnen“, erklärt Christoph Klaus von der Pferdeklinik der Freien Universität. Vor jedem Wettkampf würden die Pferde zusätzlich genau untersucht. Erst dann werde entschieden, ob das jeweilige Pferd auch am Wettkampf teilnehmen darf. Auch die Entnahme von Doping-Proben, eine 24-Stunden-Bereitschaft und eine Notfallversorgung gehören zum Aufgabengebiet der Veterinärmediziner.

„Es ist der erste Einsatz unserer Klinik bei einer Weltmeisterschaft“, erklärt Professor Christoph Lischer, Leiter der Klinik für Pferde, Allgemeine Chirurgie und Radiologie der Freien Universität Berlin. Dabei bringen die Ärzte vielfältige Turniererfahrung mit, unter anderem übernehmen sie seit Jahren den Notfallservice bei Berliner Trabrennen. Lischer, der selber bereits in der Schweiz und Großbritannien Großveranstaltungen mit Pferden betreut hat, hofft auf wenig Arbeit für sein Team: „Am besten ist es, wenn man von uns nichts hört.“ Denn dann seien die Tiere gesund oder medizinisch gut versorgt.

Isländische Islandpferde stehen in isolierten Stallbereich

Ihren ersten Einsatz hatten die Tierärzte bereits am Abend des 29. Juli gegen 22 Uhr, als sie sechzehn aus Island angereiste Islandpferde zu untersuchen hatten. Die Besonderheit dieser Pferde ist, dass sie nicht geimpft sind und daher in einem isolierten Stallbereich untergebracht werden müssen. „Der Grund dafür ist ein altes isländisches Gesetz“, erklärt Marko Mazeland, Sportdirektor der Internationalen Gesellschaft der Isländerpferde-Vereinigungen. Das Gesetz erlaube keine Impfungen von Pferden in Island und auch keinen Import von Pferden aus anderen Ländern. Auf diese Weise sei garantiert, dass die Pferde seit 1100 Jahren nicht geimpft und nicht mit anderen Pferden gekreuzt wurden. Andererseits bedeute das auch, dass die nach Berlin verbrachten Tiere nie wieder in ihre Heimat zurückkehren dürfen. Um die insgesamt rund drei bis vier Millionen teuren Pferde vor Krankheitserregern zu schützen, fand am Dienstag auch keine Anreise der übrigen Pferde statt.

„Veranstaltungen wie diese Weltmeisterschaft sind eine gute Möglichkeit, neue Eigentümer für Pferde zu finden“, erklärt der Niederländer Mazeland. Hochwertige Hengste kosteten 50.000 bis 500.000 Euro. „Die Pferdezucht ist ein großes Geschäft. In den Niederlanden machen wir damit heutzutage mehr Umsatz als mit dem Export von Tomaten.“ So sei es nicht verwunderlich, dass die Islandpferde-Verbände weltweit mehr als 60.000 registrierte Mitglieder und 250.000 Pferde zählten. Und Fritz Finke, Finanzvorstand des Islandpferde-Reiter- und Züchterverbands e.V. und diesjähriger WM-Direktor, fügt hinzu: „Die Islandpferde sind zwar nur 1,35 bis 1,45 Meter groß, haben aber mehr Temperament als Großpferde.“ Es sei, als würde man auf Dynamit sitzen. „Dafür sind die Besitzer der Islandpferde im Verhältnis sehr entspannt und lassen zu, dass ihre Pferde auch gerne einmal gestreichelt werden“, sagt Professor Christoph Lischer. Das sei bei Wettbewerben mit Großpferden hingegen nicht üblich.