Freie Universität Berlin


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„Eine der führenden Spracheinrichtungen in Europa“

Vor 40 Jahren wurde das Sprachenzentrum an der Freien Universität gegründet

14.06.2013

13 Sprachen können am Sprachenzentrum gelernt werden, jährlich lernen hier 6000 Studierende. Mitarbeiter und Gäste feierten das 40-jährige Jubiläum.
13 Sprachen können am Sprachenzentrum gelernt werden, jährlich lernen hier 6000 Studierende. Mitarbeiter und Gäste feierten das 40-jährige Jubiläum. Bildquelle: Tomasz Kurianowicz

„Wenn ich gefragt werde, was mir mein Studium an der Freien Universität gebracht hat, dann sage ich, dass ich sonst niemals nach Polen gekommen wäre.“ Steffen Möller, erfolgreicher Kabarettist und Alumnus, hat an der Freien Universität Theologie und Philosophie studiert. Über das Sprachenzentrum hat er Polen entdeckt und dort als Deutschlandexperte und Bestseller-Autor Karriere gemacht. Möller war einer von vielen Gästen, die in der vergangenen Woche das 40-jährige Bestehen des Sprachenzentrums gefeiert haben. Jährlich werden hier rund 6000 Studierende in 13 Sprachen unterrichtet.

Schon 1973, lange vor der Bologna-Reform und den Internationalisierungsstrategien anderer Hochschulen, hat die Freie Universität auf Sprachenvielfalt, Kommunikationsstärke und interkulturellen Austausch gesetzt. Die Gründung des Sprachlabors seinerzeit durch Harald Preuss war ein Meilenstein, der sich bis heute im Erfolg der gesamten Universität spiegelt – etwa in der zweifachen Auszeichnung im Rahmen der Exzellenzinitiative und der Aufstellung als internationale Netzwerk-Universität.

„Das Sprachenzentrum der Freien Universität ist eine der führenden Spracheinrichtungen in Europa“, sagte Harald Preuss. Der Gründungsdirektor erinnerte in seinem Festvortrag daran, dass in dem Unterfangen anfangs viel Improvisationsgeist steckte. „Wir wussten nur, dass wir 2400 Quadratmeter zur Verfügung haben würden. Wie viele Mitarbeiter wir einstellen dürften, wusste niemand.“ Doch die anfänglichen Schwierigkeiten konnten schnell gelöst werden. Gemeinsam mit Professor Wolfgang Mackiewicz entwickelte Preuss das Sprachlabor der Freien Universität zum Vorbild für andere Einrichtungen dieser Art – und das europaweit.

Auf diesen festen Schultern stehe nun eine neue Generation, sagte die Direktorin des Sprachenzentrums Ruth Tobias, promovierte Romanistin. Sie betonte, dass sie den Erfolgskurs ihrer Vorgänger fortsetzen möchte. „Wir müssen unsere Kompetenzen ausbauen in einer Zeit, in der Europa vor großen internationalen Herausforderungen steht.“

„Sprachen vermitteln unterschiedliche Lebensformen"

Zur Feier kamen Kanzler Peter Lange und Professor Michael Bongardt, Vizepräsident der Freien Universität. Sie sicherten dem Geburtstagskind die Unterstützung des Präsidiums zu. Auch die Dekanin des Fachbereichs Philosophie und Geisteswissenschaften, Professorin Doris Kolesch, feierte die Einrichtung und unterstrich in ihrem Vortrag die Wichtigkeit des Sprachenzentrums für die internationale Ausrichtung der Freien Universität. „Bei Sprachen geht es nicht nur um Kommunikation. Sprachen vermitteln unterschiedliche Lebensformen, die man durch den Erwerb entdecken kann. Dieser Entdeckergeist ist heute wichtiger denn je.“

Im zweiten Teil der Festveranstaltung diskutierten Fremdsprachen-Experten über den Wandel in der Sprachvermittlung. Unter den Podiumsteilnehmern war der Kabarettist und Sachbuchautor Steffen Möller. Er hat an der Freien Universität Theologie und Philosophie studiert und seinerzeit einen Italienisch-Kurs am Sprachlabor belegt, wie es damals noch hieß. „Italienisch war schön", sagt Möller. „Doch kam ich irgendwie nicht voran. Als ich dann ein Plakat für einen Polnisch-Kurs in Krakau sah, dachte ich mir, dass mir das vielleicht mehr liegen könnte.“ Steffen Möller sollte Recht behalten: Er ging nach Krakau und blieb zehn Jahre im östlichen Nachbarland als Deutschlehrer, das er vor seinem Studium noch für ‚zu exotisch’ gehalten hatte. Nach dem Aufenthalt verarbeitete der Kabarettist seine Erfahrungen in einem Sachbuch, das Bestseller-Status erreichte. Der gewagte Schritt ins Ausland entpuppte sich also als erfolgreicher Karrieresprung.

Durch „kleine Sprachen" europäische Vielfalt und Identität bewahren

Auch Célio Conceição, Vizepräsident für Studienangelegenheiten und Lehre an der Universität Algarve in Portugal, bekräftigte, dass der Erwerb von Zweitsprachen die Fantasie anrege und Perspektiven erweitere. „Das müssen wir am Leben erhalten.“ Der Fremdsprachen-Experte räumte zwar ein, dass Englisch immer wichtiger würde; gleichzeitig sprach er sich aber für den Unterricht von sogenannten kleinen Sprachen wie Baskisch und Katalanisch aus. „Es geht schließlich darum, die europäische Vielfalt, also unsere Identität zu bewahren.“

Dass Fremdsprachenkenntnisse tatsächlich zu einem echten Beruf führen können, hat Kabarettist Steffen Möller bewiesen. Am Ende der Jubiläumsfeier richtete er das Wort an die anwesenden Studierenden: „Leute! Ihr braucht einfach nur einen Abschluss von der Freien Universität. Dann könnt ihr in Polen als Deutschlehrer anfangen. Ihr werdet die Größten sein. Niemand wird besser Deutsch sprechen als ihr. Und ihr verdient 2.000 Euro im Monat!“, sagte Möller lachend, bevor er mit den anderen Gästen zur Domäne Dahlem zum Festumtrunk zog.