Freie Universität Berlin


Service-Navigation

Aus Nepal über Kassel nach Berlin

Der Bioinformatik-Masterstudent Sulav Duwal hat eines von 39 Deutschlandstipendien erhalten

15.01.2013

Stipendiatin Kristin Koller und Stipendiat Sulav Duwal im Gespräch mit Förderer Jens Holtkamp von der Investitionsbank Berlin (IBB).
Stipendiatin Kristin Koller und Stipendiat Sulav Duwal im Gespräch mit Förderer Jens Holtkamp von der Investitionsbank Berlin (IBB). Bildquelle: Tom Maelsa

Es klingt wie ein akademisches Märchen. Als Sulav Duwal 2005 nach Deutschland kam, sprach er kein einziges Wort Deutsch. Dennoch stand für den Nepalesen fest, dass er hier studieren würde. Es sollte ein interdisziplinäres Fach sein und zwar eines, mit dessen Wissen Duwal die Situation seiner Landsleute einmal würde verbessern können. Sieben Jahre später hat der heute 26-Jährige nach zwei Jahren Deutschunterricht ein Bachelorstudium in Bioinformatik absolviert und die Arbeit mit der Bestnote 1,0 abgeschlossen. Jetzt ist Duwal im dritten Semester des gleichnamigen Masterstudiengangs – und einer von derzeit 39 Studentinnen und Studenten, die durch ein Deutschlandstipendium der Freien Universität gefördert werden.

Sulav Duwal gehört zu den insgesamt 13 Deutschlandstipendiaten mit Migrationshintergrund. 17 der 39 Stipendiatinnen und Stipendiaten stammen aus einem nichtakademischen Elternhaus. Die Vorsitzende des Vorstandes der Bürgerstiftung Berlin und Festrednerin Heike Maria von Joest griff diese Zahlen während der Vergabefeier der Deutschlandstipendien der Freien Universität auf: „Es ist Ihr Tag, denn Sie werden geehrt für Ihre eigene Leistung“, sagte sie zu den ausgewählten Studentinnen und Studenten. Der Tag markiere einen neuen Bildungsabschnitt im Leben der Stipendiaten.

Heike Maria von Joest ist Stifterin des August-Joest-Stiftung-Stipendiums, das in diesem Semester zum ersten Mal vergeben wurde. Es ist mit 550 Euro monatlich dotiert und richtet sich an bedürftige Studierende mit Migrationshintergrund. Die August-Joest-Stiftung fördert unter dem Leitspruch „Weil Zukunft Unterstützung braucht“ Kinder, Jugendliche und junge Erwachsenen aus sozial schwachen Kontexten, um ihnen den Zugang zu Bildung und Kunst zu erleichtern. Die Stiftung wurde  2009 gegründet und ist eine Treuhandstiftung der Bürgerstiftung Berlin.

Professor Peter-André Alt, Präsident der Freien Universität, hob anlässlich der Vergabefeier das bürgerschaftliche Engagement der Förderer der Deutschlandstipendien hervor. Es sei ein Prüfstein für die Überzeugung, dass Bildung ein hohes und nicht selbstverständliches Gut sei. Er hob hervor, dass sich die Stifter der Deutschlandstipendien an der Freien Universität überwiegend langfristig verpflichteten und häufig eine enge Beziehung zu „ihren“ Stipendiaten aufbauten: „Dafür herzlichen Dank!“

„Nichts muss, alles kann“

Thomas Dankwart von der Procedera Consult GmbH fördert Sebastian Leitsch, Student im wirtschaftswissenschaftlichen Masterstudiengang Finance, Accounting, Taxation (FACTS) mit einem Deutschlandstipendium. Der Unternehmensberater freut sich, sich „zu attraktiven Konditionen“ gesellschaftlich engagieren zu können. Das Lamento über den wirtschaftsschwachen Standort Berlin lässt er nicht gelten: „1800 Euro pro Jahr sind auch für Berliner Unternehmer leistbar“, sagt Dankwart. Dank der professionellen Betreuung des Stipendienprogramms durch das Team an der Freien Universität sei der Kontakt sowohl zur Hochschule als auch zu „seinem" Stipendiaten von Anfang an gut gewesen. Nach seinem Motto „Nichts muss, alles kann“ bietet der Unternehmer dem Studenten Sebastian Leitsch „jede Unterstützung“ an.

Die Möglichkeit, nicht nur finanziell zu fördern, sondern auch ideell und so Kontakt zu Studierenden aufzubauen, war für Sebastian Stietzel der Hauptgrund, sich zu engagieren. Dabei hatte der Unternehmer, Gründer und Vorstand der TiXOO AG dem Deutschlandstipendienprogramm der Bundesregierung zunächst skeptisch gegenübergestanden: „Die Freie Universität war die erste Hochschule, die signalisiert hat, dass sie die Vernetzung zwischen Studierenden und Förderern und der Hochschule unterstützt. Das hat mir gefallen.“

Blick „über den Tellerrand"

Im Rahmen eines speziell entwickelten und eingesetzten Mentoring-Programms werden die Stipendiaten der Freien Universität zudem bei ihrer Lebens- und Berufsplanung begleitet: Durch die zusätzliche Vermittlung von Mentorinnen und Mentoren, die bereits im Berufsleben stehen, soll der Blick „über den Tellerrand“ angeboten werden.

Auch Sulav Duwal profitiert von dem Mentoring-Programm. Fachlich wird der Masterstudent, der sich in Deutschland für den interkulturellen Dialog einsetzt und sich neben seiner Ausbildung für HIV-Aufklärungskampagnen in Nepal engagiert, von Max von Kleist, promovierter Mathematiker an der Freien Universität, betreut. Am Anfang von Duwals Karriere stand allerdings ein ganz privater „Mentor“: Sulav Duwals Onkel. Der hatte, weil er bereits in Kassel lebte und das deutsche Bildungssystem schätzt, den Nepalesen 2005 nach Deutschland geholt. Eine folgenreiche Entscheidung. Anfang Dezember wurde Sulav Duwal anlässlich des Ernst-Reuter-Tags mit dem DAAD-Preis „für hervorragende Leistungen ausländischer Studierender 2012“ ausgezeichnet.