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Die Wetterfrösche von Morgen

Uwe Horst Ulbrich lehrt Medienmeteorologie an der Freien Universität

20.09.2012

Uwe Horst Ulbrich blickt vom Wetterturm des Instituts für Meteorologie aus 90 Metern Höhe über Berlin
Uwe Horst Ulbrich blickt vom Wetterturm des Instituts für Meteorologie aus 90 Metern Höhe über Berlin Bildquelle: Jan Hambura
Im Institut für Meteorologie werden Wetterfrösche gesammelt
Im Institut für Meteorologie werden Wetterfrösche gesammelt Bildquelle: Susanne Rothmund

Er ist Meteorologe und Journalist. Im Fernsehen präsentiert er für das „Nordmagazin“ des Norddeutschen Rundfunks den Wetterbericht. Schon seit 2004 gibt Uwe Horst Ulbrich seine Erfahrungen mit Medien an Studierende weiter: Er unterrichtet an der Freien Universität das Modul „Medienmeteorologie“.

Uwe Horst Ulbrichs Lebenslauf ist bunt: Er war an Universitäten beschäftigt, bei Zeitungen und Fernsehsendern. Nach dem Diplomabschluss seines Meteorologie-Studiums ging er für vier Jahre auf einen Militärflugplatz, um das Wetter für die Kampfhubschrauberpiloten vorauszusagen. Danach wechselte er nach Potsdam an die dortige Wetterdienststelle.

Erste Kontakte mit den Medien entstanden, Gespräche mit dem Rundfunk sowie Fernsehinterviews gehörten bald zum Alltag. Der Umgang mit den Medien fiel Ulbrich nicht schwer. Er weiß, wie man Wettervorhersagen und meteorologische Erklärungen für den Laien verständlich formuliert. Da habe sich in den letzten Jahren vieles verändert: „Noch vor 20 Jahren waren Naturwissenschaftler sehr darauf bedacht, sich der Fachterminologie zu bedienen und ihren Status als Wissenschaftler nach außen zu präsentieren.“

Ein Meteorologe in den Medien

1990 beschloss Ulbrich, sich als Meteorologe und Journalist selbstständig zu machen. Er schrieb für Zeitungen und kam „durch Gelegenheit und Kontakte“ zum Fernsehen. In einer Wetterredaktion arbeitete er als Assistent. Für den Meteorologen war es eine neue Erfahrung, hinter den Kulissen zu stehen. Die redaktionelle Arbeit beim Fernsehen war für ihn ein Sprung ins kalte Wasser: „Ich habe das nicht, wie meine Kollegen, von der Pike auf gelernt, ich war über 30, als ich zum Fernsehen kam. Ich musste mir alles selbst beibringen.“ Gelernt habe er vieles: Schneiden, Vertonen, Moderieren und Produzieren gehörten zu seinen Tätigkeiten. Nach vier Jahren beim Fernsehen entschied sich Ulbrich, sein Wissen weiterzugeben.

Seit 2000 arbeitete Ulbrich als Lehrbeauftragter an den Universitäten, unter anderem in Greifswald, Berlin und Potsdam. Über das Fernsehen kam er schließlich auch in Kontakt mit seinem Namensvetter an der Freien Universität, dem Geowissenschaftler Professor Uwe Ulbrich. Seit 2004 betreut Uwe Horst Ulbrich das Modul „Medienmeteorologie“. Im Fokus stehen die Fragen „Wie arbeite ich als Wissenschaftler mit den Medien?“, „Wie gebe ich als Meteorologe verständliche Antworten?“ Uwe Horst Ulbrich möchte den Studierenden vermitteln, wie sie optimal mit den Medien kommunizieren können.

„Und nun das Wetter mit…"

„Wissenschaftler haben das Bedürfnis nach Vollständigkeit, besonders Naturwissenschaftler“, sagt er. Ausführliche Beschreibungen und Erklärungen würden von Journalisten jedoch gnadenlos gekürzt. „Journalisten haben ein anderes Verständnis von Wichtigkeit“, sagt Ulbrich. Das verstünden manche Wissenschaftler nicht. Daher übt er mit den Studierenden, Themen verständlich, aber auch kreativ in 45 Sekunden zusammenzufassen.

Bitte beachten: Sturmwarnungen!

Neben seinem Lehrauftrag forscht Uwe Horst Ulbrich im Projekt WEXICOM und untersucht Extrem-Wetter-Ereignisse. Dabei gehe es nicht um die Vorhersagen von Unwettern, sondern wie diese Prognosen in der Vergangenheit von den Medien verbreitet und der Bevölkerung umgesetzt worden seien. Als Negativbeispiel nennt der Meteorologe den Sturm „Lothar“, der am 26. Dezember 1999 Europa erschütterte. Aufgrund der Weihnachtsfeiertage sei das Personal in den Wetterstationen knapp gewesen, um die Bevölkerung zu warnen. Andererseits seien Warnhinweise nicht gehört oder sogar ignoriert worden. Ulbrich und seine Kollegen wollen Maßnahmen für eine bessere und effektivere Kommunikation entwickeln. Wichtig sei ein Vertrauensverhältnis zwischen den Wissenschaftlern und den Medien. Nur wenn Meteorologen und deren Prognosen glaubwürdig seien, könnten Journalisten deren Warnhinweise ernst nehmen und weitergeben. Damit die Zuschauer beim nächsten Sturm ihren Waldspaziergang verschieben könnten.