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Tanz am Kraterrand

Studierende der Theaterwissenschaft der Freien Universität auf Exkursion zum süditalienischen Vulkan Stromboli

16.08.2012

Tanz auf dem Vulkan: Das Ziel der Exkursion war die künstlerische Auseinandersetzung mit dem Naturschauspiel.
Tanz auf dem Vulkan: Das Ziel der Exkursion war die künstlerische Auseinandersetzung mit dem Naturschauspiel. Bildquelle: Linda Püschel
Körperliche Herausforderung: Der Krater liegt auf etwa 1000 Metern Höhe.
Körperliche Herausforderung: Der Krater liegt auf etwa 1000 Metern Höhe. Bildquelle: Kain Karawahn
Aus mehreren Krateröffnungen und mehrmals stündlich spuckt der Stromboli Lavafetzen, Schlacken und Asche.
Aus mehreren Krateröffnungen und mehrmals stündlich spuckt der Stromboli Lavafetzen, Schlacken und Asche. Bildquelle: Kain Karawahn
Studentin Linda Püschel trampte von Berlin nach Verona.
Studentin Linda Püschel trampte von Berlin nach Verona. Bildquelle: Verena Blindow

Fast zwölf Tage auf der süditalienischen Vulkaninsel Stromboli, zwölf "Attitüden" von Lady Hamilton, zwölf abenteuerlustige Exkursions-teilnehmerinnen und -teilnehmer – und ein gemeinsames Projekt: die materielle und mediale Vermittlung von Naturschauspielen. Während eines Seminars hatten sich die Studierenden der Theaterwissenschaft unter der Leitung des Berliner Künstlers Kain Karawahn fünf Monate lang auf die gemeinsame Exkursion nach Süditalien vorbereitet. Die Erlebnisse sollen nun in einem Buch zusammengefasst werden.

Auf der nördlich von Sizilien im Mittelmeer gelegenen Insel Stromboli spuckt der gleichnamige Vulkan aus mehreren Krateröffnungen und mehrmals stündlich Lavafetzen, Schlacken und Asche. Ein einzigartiges Naturschauspiel, das seit Jahren unzählige Touristen, Wissenschaftler und Künstler anlockt und schon den Schriftsteller Jules Verne und den Regisseur Roberto Rossellini inspiriert hat.

Auch Kain Karawahn, der sich seit Jahrzehnten künstlerisch mit Feuer und Vulkanismus beschäftigt, hat die vulkanische Aktivität des Stromboli in den Bann gezogen. „Die außergewöhnliche Kooperation mit Karawahn hat es uns ermöglicht, aus dem theorielastigen Studium auszubrechen“, sagt Linda Püschel. Die Studentin hat an der Exkursion und dem Vorbereitungsseminar, das in Karawahns Berliner Atelier stattfand, teilgenommen.

Elementare Erfahrung auf fast 1000 Metern Höhe

Schon der Aufstieg auf den Vulkan, der nur mit einem Führer unternommen werden darf, ist eine körperliche Herausforderung: Der Krater liegt auf etwa 1000 Metern Höhe. „Es ist eine sehr elementare Erfahrung: Du riechst den Schwefel, du hörst ein tiefes Grollen aus dem Vulkaninneren, und du siehst schon von weitem die feuerspuckenden Ausbrüche. Ich konnte einfach nicht genug davon bekommen“, sagt Linda Püschel.

Für die Studentin begann das Abenteuer bereits in Berlin. Während ihre Kommilitonen mit dem Flugzeug nach Neapel flogen, entschied sie sich für die umweltbewusste und kostengünstige, aber auch ungewissere Alternative: Sie fuhr per Anhalter gen Süden.

Püschel hatte bereits Erfahrung mit dem Trampen, allerdings war die Durchführung des Plans dann doch nicht ganz einfach. „Ab München wurden die Leute zunehmend misstrauischer. In Italien ist Trampen nicht so beliebt, was ich vorher nicht wusste“, musste Püschel eingestehen. Dennoch hat sie es in zwei Tagen bis nach Verona geschafft, von dort ging es mit dem Zug weiter bis nach Neapel.

Kunst und Naturgewalt verbinden

Das Ziel der Exkursion war die künstlerische Auseinandersetzung mit dem Naturschauspiel. Der Vulkan diente als Kulisse, vor der die Studierenden ihre eigenen Ideen entwickeln und umsetzen. Insgesamt bestand das Projekt aus vielen künstlerischen Einzelteilen. So „bedrohte“ ein Student den Vulkan mit einem Feuerlöscher, und eine Studentin sang am Rande des Kraters ein thematisch passendes französisches Lied.

Den größten Teil des Kunstprojekts stellte die Nachbildung der sogenannten zwölf Attitüden – eingefrorene Choreografien, die antike Statuen und Gemälde verbildlichen sollen – von Lady Hamilton, einer bekannten Künstlerin des 18. Jahrhunderts, durch die Studierenden dar. „Es ging darum, die Attitüden neu zu interpretieren und in die Vulkanlandschaft zu integrieren“, erklärt Püschel.

Ihr eigener Beitrag bestand darin, auf dem Vulkan zu tanzen. „Vulkane werden häufig mit dem weiblichen Körper assoziiert, und ich fragte mich, ob es menschliche Bewegungen gibt, die dem Vulkan ähneln.“ Jede Performance wurde gefilmt oder fotografiert. Die Ergebnisse sollen bald als Buch mit integrierter DVD erscheinen und in Ausstellungen gezeigt werden.