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Joséphines Garten

Botanisches Museum Berlin erhält antikes Pflanzenbuch „Jardin de la Malmaison“

19.07.2012

Verträumt wie Joséphine selbst - der Garten von Malmaison wurde von den besten Landschaftsarchitekten seiner Zeit gestaltet.
Verträumt wie Joséphine selbst - der Garten von Malmaison wurde von den besten Landschaftsarchitekten seiner Zeit gestaltet. Bildquelle: wikigallery.org/Auguste Simon Garneray

Die bibliophile Kostbarkeit „Jardin de la Malmaison“ ist jetzt in den Besitz des Botanischen Museums übergegangen. In dem über 200 Jahre alten Werk ist die exotische Pflanzenpracht des kaiserlichen Gartens von Joséphine, der Ehefrau Napoleons, dokumentiert. Für einen symbolischen Kaufpreis überließ die Deutsche Bank das wohl wertvollste Exemplar der Auflage dem Botanischen Museum Berlin. Bevor das Buch in die nicht-öffentliche Sammlung der Bibliothek übergeht, kann es noch bis Anfang August täglich von 10 bis 18 Uhr angesehen werden.

Sanft auf ein Kissen gebettet wartet das in rotes Ziegenleder gebundene und mit goldenen Ornamenten verzierte Buch „Jardin de la Malmaison“ auf die offizielle Übergabe an das Botanische Museum Berlin. Schon Napoleon hatte es in den Händen gehalten, bevor er es Kaiser Franz I. von Österreich schenkte.

Das Werk, mit einem Schätzwert von 150.000 Euro, wird als Leihgabe bereits seit 1987 in der Bibliothek des Botanischen Gartens Berlin aufbewahrt. Neben seinem antiquarischen Wert sind insbesondere die Beschreibungen von seltenen Pflanzen kostbar für Botaniker und Historiker. Nun ist es endgültig in den Gesamtbestand der Bibliothek aufgenommen worden.

Napoleon und Joséphine

Napoleons erste Frau, Joséphine de Beauharnais, war eine Grande Dame der Pariser Gesellschaft. Sie liebte den Luxus und das extravagante Leben. Ohne über Geld nachzudenken, erwirbt sie hinter Napoleons Rücken das Schloss Malmaison bei Paris. Doch die Raten übersteigen die finanziellen Mittel des Ehepaars bei Weitem. Erst, nachdem Napoleon die Alleinherrschaft über Frankreich errungen hat, ist das Ehepaar von Geldnöten befreit und kann in kurzer Zeit Malmaison auf 860 Hektar Land erweitern.

Paradies für Gartenliebhaber

Gärten waren im 18. und 19. Jahrhundert beliebte Luxus- und Prestigeobjekte der Oberschicht in Europa. Auch Joséphine, die eine große Pflanzenliebhaberin und Bewunderin der englischen Gartenarchitektur war, ließ einen märchenhaften Garten in Malmaison schaffen. Im Gegensatz zu den geraden Formen der französischen Barockgärten jener Zeit, entstand eine verträumte Parkanlage. So wanderte man über gewundene Wege an duftenden Blumen vorbei, kleine Bäche wurden von runden Brücken überspannt und hier und dort tauchten zwischen den Bäumen eine Ruine oder ein Gartenhäuschen auf.

Die Kaiserin schmückt sich mit Exoten

Ihr Lieblings-Hobby waren aber exotische Blumen und Tiere aus fremden Ländern. In großen Gewächshäusern züchtete Joséphine bis dahin in Europa unbekannte Pflanzenarten. Dank ihrer Stellung und den Kontakten zu Forschern und Botanikern erhielt sie Raritäten aus Expeditionen von Nicolas Baudin, Alexander von Humboldt, Aimé Bonpland und anderen Wissenschaftlern. Im Laufe der Jahre wuchs ihre Sammlung zu einer der umfangreichsten jener Zeit.

„Jardin de la Malmaison“

Die kunstvolle Dokumentation von Gärten in sogenannten Florilegien war zur damaligen Zeit ein beliebtes Mittel für die herrschende Schicht, um sich als Natur- und Kunstkenner auszuweisen. Für die Dokumentation ihrer Exotensammlung engagierte Joséphine den Botaniker Étienne Pierre Ventenat und den teuersten Blumenmaler Frankreichs, Pierre-Joseph Redouté.

Es entstanden etwa 120 Abbildungen, die zu den Meisterstücken der botanischen Illustration zählen. Zusammen mit den botanischen Beschreibungen wurde 1803/04 das Florilegium „Jardin de la Malmaison“ gedruckt. Die Auflage betrug schätzungsweise 100 bis 200 Exemplare, wobei keines dem anderen gleicht.

Der Weg nach Dahlem

Napoleon überreichte das jetzt im Botanischen Museum ausgestellte Exemplar Kaiser Franz I. von Österreich als Staatsgeschenk. Nach der Auflösung von dessen Privatbibliothek wanderte das Buch in die Österreichische Nationalbibliothek. Die Devisennot in Folge des zweiten Weltkriegs zwang Österreich, das Werk in die Schweiz zu verkaufen. Mehrere Jahre befand es sich dort in Privatbesitz, bis es in den Achtzigerjahren in einem holländischen Antiquariat wieder auftauchte und von der Deutschen Bank ersteigert wurde. „Dass dieses Werk nun bei uns ist“, sagt Thomas Borsch, Direktor des Botanischen Gartens und Museums, „ist eine besondere Ehre.“

Weitere Informationen

  • Botanischer Garten und Botanisches Museum Berlin-Dahlem, Freie Universität Berlin, Königin-Luise-Straße 6-8, 14195 Berlin

  • Öffnungszeiten: Botanisches Museum Berlin, täglich von 10 – 18 Uhr