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Politik im Netz diskutieren

Staatswissenschaftlerin Mayte Peters als eine von „100 Frauen von morgen“ ausgezeichnet

18.01.2012

Eine von „100 Frauen von morgen“: die Staatswissenschaftlerin Mayte Peters.
Eine von „100 Frauen von morgen“: die Staatswissenschaftlerin Mayte Peters. Bildquelle: Gisela Gross

Plötzlich war es da, das Thema „Politik im Netz“. Spätestens, seitdem die Piraten in das Berliner Abgeordnetenhaus eingezogen sind, wissen selbst Vertreter etablierter Parteien, was damit gemeint ist. „Die Zeit ist reif“, sagt die Staatswissenschaftlerin Mayte Peters. Reif für ihre Online-Plattform „Publixphere“, auf der künftig Bürger, Medien und politische Akteure miteinander in Dialog treten können. Das Projekt ist unabhängig von Parteien und Institutionen und wird am Fachbereich Rechtswissenschaft der Freien Universität Berlin gefördert.

Sie war Praktikantin in einer Unternehmensberatung, beim Fernsehen, in einer Bank und arbeitete für die Europäische Kulturhauptstadt 2010. „Ich wollte möglichst viele Perspektiven kennenlernen, um zu verstehen, wie öffentliche Meinungsbildung funktioniert“, sagt Mayte Peters, die Staatswissenschaften in St. Gallen studiert hat – eine Kombination aus VWL, Rechts- und Politikwissenschaften.

Den Meinungsbildungsprozess will sie auch für junge Erwachsene transparent machen: mit einer Online-Plattform, die Informationsangebot und Diskussionsforen vereint und den realen Dialog mit politischen Entscheidungsträgern herstellen soll – über Themen, die junge Erwachsene interessieren. Zu jedem der Themen erhalten die Nutzer dann eine vergleichende Übersicht von Artikeln verschiedener Medien. „Die Themen müssen keinen globalen Anspruch haben“, sagt Peters, „es können auch regionale oder lokale Themen sein, wie etwa die Schließung eines Fußballplatzes vor Ort“.

Vor allem sollen die Nutzer „Publixphere“ als seriöse, unabhängige Diskussionsplattform begreifen, auf der man sich als Politik- oder Parteienverdrossener genauso gerne aufhalten soll wie als politischer Akteur. „Ich weigere mich zu glauben, dass fruchtbarer Austausch über politische Themen in Deutschland im Netz nicht möglich ist“, sagt sie.

„Ich bin zwar nicht parteipolitisch aktiv, da ich mich mit keiner der etablierten Parteien hinreichend identifizieren kann, interessiere mich aber trotzdem für Politik. Deshalb habe ich mir immer eine unabhängige Plattform gewünscht, auf der nicht nur diskutiert wird, sondern die sich auch das Ziel setzt, einen Dialog mit politischen Entscheidungsträgern herzustellen.“

„Publixphere“ – eine lang gehegte Idee

Politikverdrossenheit bei jungen Menschen entgegenzuwirken und langfristig auch einen europaweiten Austausch zu ermöglichen, das sind Mayte Peters' Ziele. Mit diesen Themen beschäftigt sie sich seit Jahren, auch während ihres Studiums und in ihrer europarechtlichen Promotion, bei der die Idee zu „Publixphere“ entstand.

Die Unabhängigkeit des Projekts von Parteien und Institutionen ist wesentlich für Peters’ Vision, aber dennoch müssen Programmierung, Werbung und PR-Maßnahmen zum Start von „Publixphere“ finanziert und organisiert werden. „Eigentlich bin ich mit dem Projekt von einem Schritt in den nächsten getaumelt “, sagt Peters.

Positive Rückmeldungen hat sie auf ihren Businessplan erhalten, auch an der Freien Universität bei Christian Calliess, Professor für Öffentliches Recht und Europarecht. Dort ist „Publixphere“ nun als Drittmittelprojekt angesiedelt, die Finanzierung zunächst für ein Jahr gesichert. Nun soll das Projekt als gemeinnütziger Verein eingetragen werden.

„Auf der Suche nach Möglichkeiten zur Anschlussfinanzierung hilft es mir sehr, die Freie Universität im Rücken zu haben“, sagt Peters, zuversichtlich, dass die Plattform im Frühjahr in einer ersten Version online gehen kann.

Ausgezeichnet als eine der „100 Frauen von morgen“

Werbung in eigener Sache ermöglichte ihr außerdem die Standortinitiative „Deutschland – Land der Ideen“: Diese kürte Mayte Peters zu einer der „100 Frauen von morgen“. „Das kam sehr überraschend“, sagt die Wissenschaftlerin, die sich nebenbei im Berliner Komitee von Human Rights Watch engagiert. Damit gehört Mayte Peters, wie auch die Ägyptologin Verena Lepper von der Freien Universität, zu den Frauen, die nach Angaben der Initiatoren „auf vielfältige Weise ihren Beitrag zur Zukunft Deutschlands leisten“.