Professoren rocken den Postbahnhof

Wissenschaftler der Freien Universität drehten bei der ersten Berliner „Professorennacht“ an den Plattentellern

16.11.2011

Vor dem Start: Mathematik-Professor Dr. Günter Ziegler (links) wird als DJ präpariert.
Vor dem Start: Mathematik-Professor Dr. Günter Ziegler (links) wird als DJ präpariert. Bildquelle: Bernd Wannenmacher
Jede Menge Zuspruch für die Professoren-DJs: Rund 1800 Studierende und andere Zuhörer waren in den Postbahnhof gekommen.
Jede Menge Zuspruch für die Professoren-DJs: Rund 1800 Studierende und andere Zuhörer waren in den Postbahnhof gekommen. Bildquelle: Bernd Wannenmacher
Gewonnen: Mit 109 zu 104 Dezibel gewinnt Mathematik-Professor Günter Ziegler von der Freien Universität gegen seinen Kollegen Helmuth Wilke von der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin.
Gewonnen: Mit 109 zu 104 Dezibel gewinnt Mathematik-Professor Günter Ziegler von der Freien Universität gegen seinen Kollegen Helmuth Wilke von der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin. Bildquelle: Bernd Wannenmacher

Der Andrang war groß. Pünktlich um 22 Uhr standen die Studierenden Schlange vor dem Postbahnhof. Ihr Ziel: die erste Berliner „Professorennacht“. Acht Wissenschaftler wollten einmal nicht im Hörsaal, sondern am Mischpult um Gehör bei den Studierenden werben. Rund 1.800 Studenten und Nicht-Studenten waren gekommen, um die besten Professoren-DJs zu küren.

Lisa Swillims, Ariane Michaelis und Theresa Marschner haben eine Mission: Sie wollen ihren Professor unterstützen. Mit Geschrei und Gejohle. Die drei studieren im ersten Semester Betriebswirtschaftslehre an der Freien Universität und sind zur ersten Berliner „Professorennacht“ in den Postbahnhof gekommen. Hier treten jeweils zwei Professoren im direkten Duell mit ihren Playlists als DJs gegeneinander an. Wer daraufhin die meisten Dezibel abräumt, sei es durch Klatschen oder Schreien der Besucher, gewinnt.

"Es kommen nur Oldies auf die Plattenteller"

Georg Schreyögg heißt der Professor, den die Erstsemester-Studentinnen unterstützen. Eigentlich lehrt er am Institut für Management der Freien Universität „Organisation und Führung. Gleich zu Beginn der Veranstaltung: hat er gewarnt: „Ich werde nur Oldies auflegen.“ Er habe im Plattenschrank gekramt. „Lovely Rita“ von den Beatles, Musikstücke von Frank Sinatra und den Rolling Stones und „Good Golly Miss Golly“ von Little Richard kommen bei ihm auf die Plattenteller.

Ein wenig habe er sich schon gewundert, dass er von den Studierenden für die Teilnahme an der Professorennacht nominiert worden sei: „Ich gelte als streng und bin normalerweise nicht um 2 Uhr nachts in Clubs unterwegs“, sagt Schreyögg. „Aber ich finde es toll, wenn junge Menschen unternehmerisch sind. Wenn sie das Risiko und den organisatorischen Aufwand einer solchen Veranstaltung nicht scheuen“, sagt der Wirtschaftsprofessor. Um Fans hat er im Hörsaal geworben: Georg Schreyögg hält in diesem Semester die Vorlesung „Einführung in die Betriebswirtschaftslehre“.

„Oft sind es gerade die Professoren, die gemeinhin als konservativ gelten, die auf der Bühne am meisten aufdrehen“, sagt Mathias Wingert alias „Wingman“. Der Medizin-Student moderiert an diesem Abend.

Schnellkurs im Scratchen

Bevor die Wissenschaftler an den Plattenteller treten, erhalten sie eine kurze Einweisung vom Profi. „Sie müssen das Lied anklicken und E drücken“, sagt DJ Caniggia. Er bringt den Wissenschaftlern im Schnellkurs die Kunst des Scratchens bei, wie das kunstvolle Hin- und Herbewegen der Plattenteller genannt wird.

Als Erster ist Günter Ziegler an der Reihe. Der Professor für Diskrete Geometrie ist neben Georg Schreyögg der zweite Vertreter der Freien Universität. „Ich will gewinnen“, sagt Ziegler. Schließlich seien viele seiner Studenten vor Ort. Ziegler unterrichtet in diesem Semester “Lineare Algebra I“ für die Mathematikstudenten mit Lehramtsoption. Seinen Studenten hat Ziegler ein Fass Bionade versprochen, falls er gewinnen sollte.

Mit „Raining men“ und „We will rock you“ zum Erfolg

Und tatsächlich, mit Titeln wie „Raining men“ von den Weather Girls, „It’s a sin“ von den Pet Shop Boys und „We will rock you“ von Queen gewinnt Günter Ziegler gegen seinen Kollegen Helmuth Wilke von der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin: mit 109 zu 104 Dezibel. „Es war wunderbar“, sagt Ziegler und geht tanzen. Georg Schreyögg, der kurz vor 2 Uhr an die Plattenteller darf, verliert denkbar knapp mit 117 zu 118 Dezibel gegen seinen Kollegen Reinhard Singer von der Humboldt-Universität.

Die Idee der „Professorennacht“ gibt es schon länger. Das Prinzip ist denkbar einfach. Jeweils zwei Professoren treten nacheinander gegeneinander an. Danach schreien und klatschen die Besucher so laut sie können, um „ihren“ Wissenschaftler zu unterstützen. Der Professor mit den meisten Dezibel wird zum Sieger gekürt. „Wir haben uns mittlerweile vom Süden in den Norden vorgearbeitet und sind in Berlin angekommen“, freut sich Moderator Mathias Wingman.