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Ein Bücherschatz für die Freie Universität

Wertvolle Schenkung: Bücher aus der Privatbibliothek des Historikers und Judaisten Ernst Ludwig Ehrlich

19.09.2011

(v.l.n.r.) Sylvia Ehrlich, Vizepräsident Prof. Dr. Michael Bongardt, Projektmitarbeiterin Susan Hechler
(v.l.n.r.) Sylvia Ehrlich, Vizepräsident Prof. Dr. Michael Bongardt, Projektmitarbeiterin Susan Hechler Bildquelle: Michael Franke
Ernst Ludwig Ehrlich (1921-2007) war Lehrbeauftragter an der Freien Universität, die ihn 2003 mit der Ehrendoktorwürde auszeichnete.
Ernst Ludwig Ehrlich (1921-2007) war Lehrbeauftragter an der Freien Universität, die ihn 2003 mit der Ehrendoktorwürde auszeichnete. Bildquelle: privat
Sylvia Ehrlich nimmt die Bibliografie des der Freien Universität Berlin vermachten Nachlasses ihres Mannes von Professor Rainer Kampling entgegen
Sylvia Ehrlich nimmt die Bibliografie des der Freien Universität Berlin vermachten Nachlasses ihres Mannes von Professor Rainer Kampling entgegen Bildquelle: Michael Franke

Vor etwas mehr als einem Jahr erreichte die Bibliothek des Seminars für Katholische Theologie der Freien Universität eine außergewöhnliche Sendung: Rund 8400 Bücher und Zeitschriften aus dem Nachlass des Judaisten und Historikers Ernst Ludwig Ehrlich vermachte seine Witwe Sylvia Ehrlich der Hochschule. Nach einem Jahr bibliothekarischer Erfassung der umfangreichen Werksammlung zum jüdisch-christlichen Dialog wurde Sylvia Ehrlich symbolisch eine Bibliografie überreicht.

Ein arbeitsintensives Jahr liegt hinter den zehn Projektmitarbeitern um Bibliothekarin Julia Fromm und Michael Franke, Mitarbeiter im Projekt Bibliotheksneubau der Freien Universität: Die rund 8400 Medieneinheiten aus der Privatbibliothek von Ernst Ludwig Ehrlich sind nun vollständig erfasst und in der Bereichsbibliothek Erziehungswissenschaft zugänglich – gekennzeichnet mit einem Ex Libris, das sie als Teil der Ehrlich-Sammlung ausweist. Mit Schriften zum Alten und Neuen Testament, jüdischer Kultur-, Literatur-, Personen- und Religionsgeschichte bis hin zu Antisemitismus und Nationalsozialismus gilt sie als eine der deutschlandweit größten Sammlungen zum christlich-jüdischen Dialog. Rund 35.000 Euro hat die Freie Universität für ihre Erschließung zur Verfügung gestellt.

Die Sammlung Ehrlich wissenschaftlich nutzbar machen

Die Projektmitarbeiter kümmerten sich nicht nur um die thematische Einordnung und die bibliografische Erfassung der Bücher, sondern berücksichtigten auch handschriftliche Notizen und Widmungen. Zum Vorschein kamen einige Bücher, die restaurierungsbedürftig waren, aber auch die eine oder andere Rarität: „Im Bestand sind Unikate, die bislang nicht in Datenbanken erfasst waren. Andere Titel sind auf Hebräisch, für deren originalschriftliche Erfassung wir eine Fachfrau benötigten“, sagt Julia Fromm.

Erinnerung an den Historiker Ehrlich

Das Projektende feierten die Beteiligten in den Räumen des Seminars für Katholische Theologie kürzlich mit dem Vizepräsidenten der Freien Universität und Professor für Vergleichende Ethik, Michael Bongardt, sowie Ehrlichs Witwe Sylvia Ehrlich, die die Schenkung veranlasst hatte. „Einer mit viel Erfahrung kann Weisheit lehren“ – auf dieses Bibelzitat bezog sich Rainer Kampling, Theologie-Professor und Direktor des Seminars für Katholische Theologie der Freien Universität, in seinen Dankesworten in Erinnerung an den Judaisten und Historiker.

Zeit seines Lebens habe Ehrlich sich wissenschaftlich und privat für die christlich-jüdische Verständigung engagiert, obwohl er während des Nationalsozialismus Zwangsarbeit verrichten und schließlich aus Berlin in die Schweiz fliehen musste. Nach dem Krieg war er Lehrbeauftragter an der Freien Universität, die ihn 2003 mit der Ehrendoktorwürde und 2008 mit der Einrichtung des Ernst-Ludwig-Ehrlich-Masterstudiengangs für Geschichte, Theorie und Praxis der Jüdisch-Christlichen Beziehungen würdigte.

Sylvia Ehrlich, die zum Dank eine gebundene Bibliografie der Bibliothek ihres Mannes erhielt, berichtet von dessen großer Verbundenheit zu Büchern: Auch im hohen Alter habe er sich noch an den genauen Standort einzelner Werke erinnern können. Dass die Bibliothek nun nach all den Jahren in seine Geburtsstadt Berlin zurückgekehrt ist, hätte ihn gefreut, ist Sylvia Ehrlich sicher. Ihren endgültigen Standort wird die Sammlung allerdings erst 2014/15 erreichen: Sie wird elementarer Teil des schon in Angriff genommenen Bibliotheksneubaus „24 in 1“ der Freien Universität.