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Der Studiengang Zukunftsforschung an der Freien Universität

18.08.2011

Björn Helbig, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Institut Futur, und die Studenten René Schäfer, Frederik Eichelbaum und Jörg Schatzmann (v.l.n.r.)
Björn Helbig, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Institut Futur, und die Studenten René Schäfer, Frederik Eichelbaum und Jörg Schatzmann (v.l.n.r.) Bildquelle: Sabine Wirth

Die Zukunft gehört wohl zu den faszinierendsten Gegenständen menschlichen Denkens: Sie ist per definitionem niemals präsent, aber hat doch großen Einfluss auf die Gegenwart. Mit diesem komplexen und schwer fassbaren Thema beschäftigen sich die Studierenden des deutschlandweit ersten Masterstudiengangs Zukunftsforschung, der im Oktober mit einem neuen Jahrgang an der Freien Universität startet.

Neben der Eingangstür des „Instituts Futur“, dem Arbeitsbereich Erziehungswissenschaftliche Zukunftsforschung an der Freien Universität, prangt das Schild: „Deutschland – Land der Ideen“. Erst vor kurzem ist der Studiengang Zukunftsforschung im Rahmen des bundesweiten Innovationswettbewerbs „365 Orte im Land der Ideen“ ausgezeichnet worden. Damit steht fest: Zukunft hat Hochkonjunktur, und der Studiengang liegt im Trend.

„In der modernen Zukunftsforschung geht man nicht mehr davon aus, dass sich alles Zukünftige kalkulieren lässt. Stattdessen ist der Aspekt der Gestaltung viel wichtiger geworden“, sagt Björn Helbig, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Institut Futur. In dem Studiengang soll es folglich nicht darum gehen, eine Zukunft vorherzusagen, sondern verschiedene mögliche Zukünfte aufzuzeigen. Der Blickwinkel auf Zukunft solle geöffnet werden, sagt Helbig, damit auch Wünsche, Träume oder vielleicht sogar Utopien Platz finden könnten.

In dem Masterstudiengang geht es nicht nur um Ideen und Prognosen, sondern zunächst um die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit den Grundlagen und Methoden der Zukunftsforschung und deren möglichen Einsatzfeldern. „Viele Wissenschaftsbereiche beschäftigen sich mit Zukunftsfragen“, erklärt Björn Helbig, „im Masterstudiengang Zukunftsforschung können solche Fragen über die Einzelwissenschaften hinaus diskutiert werden.“

Optimierung spezifisch zukunftswissenschaftlicher Methoden

Neben den theoretischen Grundlagen befassen sich die Wissenschaftler und Studierende mit der Anwendung und Optimierung spezifisch zukunftswissenschaftlicher Methoden, etwa der sogenannten Delphi-Methode: Bei dieser Methode werden Experten zu einem bestimmten Thema befragt, beispielsweise zur Zukunft des Bildungssystems.

Sie sollen beurteilen, wie wahrscheinlich und wünschenswert ausgewählte Thesen für eine bestimmte Fragestellung sind. Die Antworten der Experten nutzen die Wissenschaftler, um zukünftige Entwicklungen besser einschätzen zu können.

Die Studierenden des weiterbildenden Masterstudiengangs kommen aus verschiedenen Disziplinen – jeder trägt seinen ganz eigenen Blickwinkel an die Zukunftsforschung heran. Hier liegt Björn Helbig zufolge das große Potenzial des Studiengangs. Jörg Schatzmann, Frederik Eichelbaum und René Schäfer etwa haben sich schon kurz nach Beginn des Studiums zusammengefunden, um gemeinsam an zukunftswissenschaftlichen Methoden zu arbeiten und eigene Projekte zu realisieren.

Kritisches Bewusstsein im Hinblick auf Zukunftsbilder

Jörg Schatzmann hat zuvor Medien- und Erziehungswissenschaft studiert. Sein Interesse für Zukunftsforschung wurde ursprünglich durch die Lektüre von Science Fiction-Literatur geweckt. Während der ersten Semester hat es sich grundlegend erweitert und wurde differenzierter. Wie Frederik Eichelbaum, der Wirtschaftswissenschaften und Psychologie studiert hat, schätzt Schatzmann vor allem, dass das Aufbaustudium zu einem kritischen Bewusstsein im Hinblick auf Zukunftsbilder führen könne.

Für René Schäfer, Absolvent eines Bachelorstudiengangs mit Schwerpunkt Wissenschafts- und Technikgeschichte, ergab sich das Interesse an Zukunftsszenarien durch die Auseinandersetzung mit historischen Entwicklungen. Ihn beschäftigt, wie sich der Blick auf die Welt verändert: „Früher dachte man, dass die Zukunft die Probleme der Gegenwart lösen wird, während man heute weiß, dass es notwendig ist, die Gegenwart zu verändern, um eine gute Zukunft zu haben“, sagt der Student.

Weitere Informationen

Der Masterstudiengang Zukunftsforschung wurde im Rahmen des bundesweiten Innovationswettbewerbs „365 Orte im Land der Ideen“ ausgezeichnet. In diesem Jahr hat erstmals das Publikum die Möglichkeit, seinen Favoriten aus dem Wettbewerb zu wählen. Über die Webseite der Initiative "Land der Ideen" können Interessierte vom 1. bis zum 21. August 2011 täglich eine Stimme für ihren Lieblingsort abgeben.