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„E 10 ist ein brauchbarer und tauglicher Kraftstoff“

Ein Interview mit dem Politikwissenschaftler und Energieexperten Lutz Mez zu den Problemen bei der Einführung des Biokraftstoffs E 10

15.03.2011

E 10 oder nicht E 10, das ist für viele deutsche Autofahrer die Frage.
E 10 oder nicht E 10, das ist für viele deutsche Autofahrer die Frage. Bildquelle: MorgueFile/runron
PD Dr. Lutz Mez ist Wissenschaftler am Forschungszentrum für Umweltpolitik der Freien Universität. Er gehört zu den Gründungsmitgliedern des Zentrums, das Politikwissenschaft und Energie- und Umweltforschung verbindet
PD Dr. Lutz Mez ist Wissenschaftler am Forschungszentrum für Umweltpolitik der Freien Universität. Er gehört zu den Gründungsmitgliedern des Zentrums, das Politikwissenschaft und Energie- und Umweltforschung verbindet Bildquelle: Bernd Wannenmacher

Was ist E 10, was kann es, welcher Motor verträgt es – und vor allem: Was bringt es wirklich für die Umwelt und das Klima. Viele Autofahrer sind seit der Einführung des Kraftstoffs, dem zehn Prozent Bioethanol beigemischt sind, verunsichert. Campus.leben sprach aus Anlass des sogenannten Benzingipfels mit Lutz Mez, Energieexperte am Forschungszentrum für Umweltpolitik der Freien Universität.

Herr Mez, was ist bei der Einführung von E 10 schiefgelaufen?

Wir haben ein Kommunikationsproblem, an dem alle Schuld sind: die Automobilindustrie, die Mineralölwirtschaft und die Politik. Vor allem der Staat hätte besser aufklären müssen. Und er hätte es auch können, denn staatliche Stellen wissen sehr wohl, welche Motoren in welchem Auto sind und ob sie E 10 vertragen oder nicht. Man hätte wenigstens die Fahrzeughalter informieren können, deren Motoren E 10 nicht vertragen. Aber es gab keine Kampagne an den Tankstellen, sondern über Nacht stand an den Zapfsäulen nicht mehr Super Benzin, sondern E 10.

Welchen Motoren schadet E 10?

So gut wie keinem. Inzwischen sagen selbst die Automobilhersteller, dass im Grunde alle Autos in den letzten 25 Jahren robust gebaut worden seien, dass sie E 10 vertragen. Außerdem haben wir ja kaum noch Autos, die älter sind, was auch mit der Massenverschrottung und der Abwrackprämie vor zwei Jahren zusammenhängt.

Welchen Nutzen bringt E 10 der Umwelt und dem Klima? Oder schadet es?

Tatsächlich kann es zur Konkurrenz mit der Produktion von Nahrungsmitteln kommen, zum Beispiel von Mais. Dies beträfe kaum Deutschland, aber wäre weltweit betrachtet ein Problem. Einige Umweltverbände gehen sehr offensiv damit um nach dem Motto „Energie für den Tank oder für den Teller"? Aber sie vergessen dabei, welche Schäden durch die Nutzung fossiler Energieträger wie Öl tagtäglich verursacht werden. Denken wir nur an die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko durch die Ölbohrplattform Deepwater Horizon des Mineralölkonzerns BP. Solange die Ölpreise so hoch sind, wie sie sind – und sie werden weiter steigen – wird im Bereich fossiler Energie immer stärker umweltunverträglich produziert werden.

Was ist die Alternative?

Die Alternative muss sein, nachhaltige Biotreibstoffe herzustellen, und zwar möglichst effektiv. Auch hier hat die Politik versagt, denn die Festsetzung der europäischen Standards für Kohlendioxid-Emissionen aus Motoren sind von den Regierungen in Deutschland und Frankreich immer weiter verschoben worden – auf Druck der Autoindustrie.

Wird die Einführung von E 10 die Klima-Umweltbilanz messbar verbessern?

Auf jeden Fall, denn in Bezug auf den CO2-Ausstoß ist Bioethanol um 50 bis 80 Prozent besser als Superbenzin fossiler Herkunft. Ich plädiere deswegen dafür, dass die Unklarheiten so schnell wie möglich beseitigt werden. E 10 ist ein brauchbarer und tauglicher Kraftstoff: mit einer besseren Bilanz für die Umwelt und das Klima.

Die Fragen stellte Christine Boldt