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In die Forschung eintauchen

Biologie-Masterstudentin Christina Braoun reist mit einem Wissenschaftlerteam nach Borneo, um Korallen zu untersuchen

17.09.2016

Koralle
Korallenriffe sind für die Ökosysteme der Ozeane von großer Bedeutung – und faszinierend schön. Bildquelle: Jennifer McIlwain/Curtin University
Christina Braoun
Christine Braoun bei einem Tauchgang in Griechenland Bildquelle: privat
Zinke Koralle bohren
Dr. Jens Zinke hat bereits in viele Korallenriffe gebohrt, um das Klima zu rekonstruieren, hier vor der Küste Australiens. Diesen Herbst entnimmt er Proben aus den Korallen bei Borneo. Bildquelle: Eric Watson/AIMS (Australien)
Koralle 2
Viele Korallen gewinnen ihre Energie durch Fotosynthese. Angeschwemmte Sedimente können jedoch bewirken, dass kein Sonnenlicht zu den Korallen durchdringt. Bildquelle: Jennifer McIlwain/Curtin University

Korallenriffe sind schön – und ökologisch extrem wichtig. Christina Braoun, die an der Freien Universität den Masterstudiengang Biodiversität, Evolution und Ökologie belegt, wird sie in den kommenden Wochen aus der Nähe erforschen: In wenigen Tagen bricht die Studentin mit einem Wissenschaftlerteam aus Biologen und Geologen zur südostasiatischen Insel Borneo auf, um dort die Korallenriffe des Miri-Sibuti-Nationalparks zu erforschen. Während die Geologen um den Paläontologen Jens Zinke von der Freien Universität an den Korallenkernen Klimaforschung betreiben, will die Masterstudentin den Gesundheitszustand der Riffe untersuchen.

Seitdem Christina Braoun im Rahmen ihres Bachelor-Studiums eine Präsentation über das Great Barrier-Reef vor der australischen Küste gehalten hat, steht für sie fest, dass sie Meeresbiologin werden will. „Mir ist damals klar geworden, wie sensibel Korallenriffe in den Ozeanen sind“, sagt sie. „Man muss diese wichtigen Ökosysteme besser verstehen, um sie schützen zu können.“

Die Region um Borneo sei von der Klimaerwärmung und Wettereignissen wie El Niño und La Niña besonders stark betroffen, sagt Christina Braoun. Erste Voruntersuchungen hätten jedoch gezeigt, dass im Meer vor Borneo weniger Korallen absterben, als Forscher befürchtet hatten. Nun wollen sie herausfinden, woran das liegt.

Christina Braoun wird Teil eines internationalen Wissenschaftler-Teams aus Australien, Malaysia und Deutschland sein. Manche kartografieren den Seeboden, andere zählen die Korallen und ihre verschiedenen Arten. Christina Braoun wird mit einer australischen Forscherin in bis zu zehn Meter Tiefe hinabtauchen, um die Gesundheit der Korallen zu beurteilen. Sowohl in klarem als auch in durch Sedimente getrübtem Wasser will sie verschiedene Umweltfaktoren messen: von der Temperatur über den Salzgehalt bis hin zu Sedimentationsraten. In Stichproben sollen die jeweiligen Korallenarten identifiziert werden.

Entwaldung bedroht die Korallenriffe

Die Biologen untersuchen in Borneo, wie der Mensch das fragile Ökosystem der Korallenriffe beeinflusst. „Die Insel ist stark von Entwaldung betroffen“, sagt Christina Braoun. „Dadurch tragen die Flüsse immer größere Mengen an Erde und Pestiziden aus der Landwirtschaft ins Meer, die sich auf den Riffen ablagern.“ Diese Sedimente können für die Korallen tödlich sein: Sie blocken das Sonnenlicht und machen so die Fotosynthese unmöglich, auf die viele Korallen angewiesen sind. Manche Korallen könnten mit den Veränderungen offenbar besser umgehen als andere, sagt Christina Braoun: Anpassungsfähige Arten seien in der Lage, auf Fotosynthese zu verzichten und sich stattdessen von den Sedimenten zu ernähren.

Christina Braoun hatte lange nach einer Möglichkeit gesucht, sich an der Erforschung von Korallen zu beteiligen. Eines Tages erhielt sie den Tipp, am Fachbereich Geowissenschaften der Freien Universität anzufragen. Dort hat im April dieses Jahres der promovierte Geochemiker und Klimaforscher Jens Zinke seine Arbeit aufgenommen. Er arbeitet schon seit 20 Jahren an Korallen und bot der Biologie-Masterstudentin an, sich der Forschungsreise nach Borneo anzuschließen.

Korallen dokumentieren den Klimawandel

Für Jens Zinke sind die Riffe fachlich von hoher Bedeutung, weil sie über Jahrzehnte und Jahrhunderte wachsen und wertvolle Informationen über die Vergangenheit speichern. Unter Wasser bohrt der Wissenschaftler nach ihrem „Skelett“, den Korallenkernen. Im Labor analysiert er anschließend deren chemische Zusammensetzung und kann so Klimaveränderungen nachvollziehen. Seine Analysen haben ergeben, dass der Klimawandel früher begonnen hat als gedacht: Schon zu Beginn der industriellen Revolution vor 180 Jahren seien die Meerestemperaturen merklich angestiegen, schrieb der Wissenschaftler im vergangenen Monat in der Zeitschrift Nature.

Die Ergebnisse der Forschungsreise nach Borneo werden die Grundlage für Christina Braouns Masterarbeit sein. Schon während des Studiums in der Feldforschung dabei zu sein, hält Jens Zinke für eine sehr gute Sache. „Wenn man ein eigenes Forschungsprojekt verfolgt, ist man stärker involviert, als wenn man ein Thema vorgesetzt bekommt.“ Christina Braoun freut sich auf die Tauchgänge. „Ich bin auf einer griechischen Insel aufgewachsen“, erzählt die 24-Jährige. „In meinen ersten Lebensjahren konnte ich besser schwimmen als laufen.“ Sie habe schon damals eine große Neugier auf alles entwickelt, was sich im Meer befindet.

Weitere Informationen

„Biofilm“-Abend: Bei einer Filmvorführung werden Christina Braoun und Jens Zinke von ihrer Forschungsreise berichten.

Zeit und Ort

  • Dienstag, 1. November 2016, um 19 Uhr
  • Großer Hörsaal der Zoologie in der Königin-Luise-Str. 1-3
  • Weitere Informationen werden auf Twitter bekannt gegeben.

Im Internet

Über das Forschungsprojekt am Miri-Sibuti-Nationalpark gibt es eine Videodokumenantion auf YouTube.