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Das Weimarer Dreieck in Dahlem

31. Mai, 16 Uhr: Podiumsdiskussion mit dem Französischen Botschafter, dem Polnischen Gesandten und der Staatssekretärin im Bundesministerium des Innern / Summer School mit deutschen, französischen und polnischen Studierenden

27.05.2016

Dass auch von der engen Zusammenarbeit ihrer Länder das Gelingen Europas abhängt, davon waren die Außenminister Deutschlands, Frankreichs und Polens überzeugt, als sie im August 1991 das Weimarer Dreieck begründeten.
Dass auch von der engen Zusammenarbeit ihrer Länder das Gelingen Europas abhängt, davon waren die Außenminister Deutschlands, Frankreichs und Polens überzeugt, als sie im August 1991 das Weimarer Dreieck begründeten. Bildquelle: istockphoto / Pamela Moore

Weimar, August 1991: Die Außenminister Frankreichs, Deutschlands und Polens bekräftigen ihre enge Verbundenheit. 25 Jahre nach diesem trinationalen Treffen, das in dieser Konstellation seither als „Weimarer Dreieck“ bezeichnet wird und dem zahlreiche Begegnungen – auch auf Ebene der Staats- und Regierungschefs – folgten, hat sich die politische Situation in Europa stark verändert. Die trilaterale Summer School vom 29. Mai bis 2. Juni am Otto-Suhr-Institut (OSI) der Freien Universität steht – hochaktuell – unter der Überschrift „Flucht und Vertreibung“: Eine Woche lang werden sich Studierende der Szkoła Gówna Handlowa in Warschau, des Institut d’Etudes Politiques in Paris (Sciences Po) und des Otto-Suhr-Instituts für Politikwissenschaft den Themen Flucht und Vertreibung im kollektiven Bewusstsein Polens, Deutschlands und Frankreichs widmen. Sie beschäftigen sich dabei auch mit den aktuellen Herausforderungen in der europäischen Flüchtlingspolitik und vergleichen die Asyl- und Integrationspolitik der drei Länder. Ein Gespräch mit Sabine von Oppeln, stellvertretende Leiterin der Arbeitsstelle Europäische Integration am OSI, die die Summer School organisiert hat.

Frau von Oppeln, bei dem Weimarer Treffen im Jahr 1991 gaben die drei Außenminister eine „Gemeinsame Erklärung zur Zukunft Europas" ab. Darin betonten sie die Bedeutung einer engen Zusammenarbeit zwischen Deutschland, Frankreich und Polen für das Gelingen Europas. Wie steht es heute, 25 Jahre später, um das Weimarer Dreieck?

Seinerzeit setzten Hans-Dietrich Genscher, Roland Dumas und Krzysztof Skubiszewski ein Signal für die Aussöhnung und Freundschaft zwischen ihren Ländern. Sie bekundeten den Willen zu einer engeren Zusammenarbeit – auch mit Blick auf die Heranführung Polens und anderer mittel- und osteuropäischer Länder an die Europäische Union und die Strukturen der transatlantischen Zusammenarbeit.

Nach der Osterweiterung der EU war es nicht leicht, die Zusammenarbeit inhaltlich mit Leben zu erfüllen und auch die politische Zusammenarbeit der drei Länder war nicht immer einfach. Dies gilt insbesondere für die Gegenwart, da in Polen mit der PiS eine nationalkonservative und europakritische Partei an der Regierung ist. Dennoch betonen die politischen Eliten aller drei Länder ihr Interesse an einem Gedankenaustausch und an einer Wiederbelebung des Dreiecks. Auf allen politischen Ebenen finden regelmäßige Treffen mit Debatten über außen- und europapolitische Themen statt.

Aus Anlass des 25-jährigen Jubiläums des Weimarer Dreiecks findet in der kommenden Woche am Otto-Suhr-Institut die trilaterale Summer School „Flucht und Vertreibung: Kollektive Erinnerung und aktuelle Herausforderungen“ statt. Organisiert wurde sie in Kooperation mit den Universitäten Szkoła Gówna Handlowa Warschau und Sciences Po Paris. Was erwartet die Studierenden aus drei Ländern?

Das grundlegende Ziel ist, die Bedeutung der unterschiedlichen historischen Erfahrungen und Erinnerungsmuster für die divergierenden Antworten auf die aktuellen gemeinsamen europäischen Herausforderungen herauszuarbeiten.

Das Seminar gliedert sich in drei Teile. In einem ersten Abschnitt geht es um die historischen Erfahrungen und die Erinnerung in den drei Ländern. Eine zweite Sequenz ist dem Vergleich der Asyl- und Integrationspolitiken gewidmet. Schließlich geht es um die europäische Flüchtlingspolitik im Rahmen globaler Herausforderungen. Zu jedem Themenschwerpunkt gibt es eine Phase studentischer Arbeit anhand ausgewählter Texte. Zudem treten Gastreferentinnen und –referenten auf, mit denen die Studierenden diskutieren werden. Ergänzt wird dieses trilaterale Treffen im kommenden Jahr durch einen Gegenbesuch auf dem Campus Nancy von Sciences Po zum Thema „Krieg und Frieden – kollektive Erinnerung und aktuelle Herausforderungen europäischer Politik“.

„Asyl- und Integrationspolitik in Europa: Ein Vergleich zwischen Frankreich, Deutschland und Polen“ lautet der Titel einer Podiumsdiskussion, die im Rahmen der Summer School stattfindet. Erwartet werden der Französische Botschafter Philippe Etienne, der Polnische Gesandte Janusz Styczek und Emily Haber, Staatssekretärin im Bundesinnenministerium. Das Thema könnte aktueller nicht sein als in diesen Tagen, in denen der Bundestag über ein Integrationsgesetz abstimmt.

In der Tat. Deshalb ist diese Podiumsdiskussion auch für ein breites Publikum geöffnet, Interessierte sind willkommen. Die Diskussion wird sicherlich sehr spannend, da Polen, Frankreich und Deutschland höchst unterschiedlich auf die Herausforderungen der Flüchtlingspolitik reagieren. Der Zusammenhalt der Europäischen Union wird mit den Auseinandersetzungen über die Flüchtlingspolitik sehr belastet, und auch das Weimarer Dreieck wird in dieser Frage auf eine harte Probe gestellt.

Die Fragen stellte Christine Boldt

Weitere Informationen

Podiumsdiskussion „Asyl-und Integrationspolitik in Europa"- Ein Vergleich zwischen Frankreich, Deutschland und Polen

mit

  • Philippe Etienne, Botschafter der Französischen Republik
  • Janusz Styczek, Gesandter der Botschaft der Republik Polen
  • Dr. Emily Haber, Staatssekretärin im Bundesministerium des Innern

Zeit und Ort

  • 31. Mai 2016, 16 Uhr (s.t.)
  • Seminarzentrum der Freien Universität Berlin, Otto-von-Simson Str. 26, 14195 Berlin, Raum L115 (U-Bhf. Thielplatz oder Dahlem-Dorf, U 3)

Trilaterale Summer School Flucht und Vertreibung anlässlich des 25-jährigen Jubiläums des Weimarer Dreiecks"

Zeit und Ort

  • 29. Mai bis 2. Juni 2016
  • Otto-Suhr-Institut der Freien Universität Berlin

Gefördert wird das Seminar vom DFJW, von der DFH, von der Ernst-Reuter-Gesellschaft der Freunde, Förderer und Ehemaligen der Freien Universität Berlin e. V. sowie von den beteiligten Institutionen – Sciences Po, SGH und Freie Universität Berlin.