Freie Universität Berlin


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Perspektivwechsel

Stipendiaten des Masterstudiengangs „Deutsche Kultur und sozialer Wandel“ aus Peking zu Gast an der Freien Universität

06.01.2016

Lian Xiaoxiao und He Teng studieren zwei Semester in Berlin. Sie nehmen an einem Austauschprogramm des Zentrums für Deutschlandstudien an der Peking Universität mit der Freien Universität und der HU Berlin teil.
Lian Xiaoxiao und He Teng studieren zwei Semester in Berlin. Sie nehmen an einem Austauschprogramm des Zentrums für Deutschlandstudien an der Peking Universität mit der Freien Universität und der HU Berlin teil. Bildquelle: Peter Schraeder

Worüber redet man in Berlin mit fremden Menschen zuerst? Natürlich über den Bezirk, in dem man wohnt, das Wetter – und über die überfüllten Busse und Bahnen. He Teng sind die Berliner Verkehrsmittel auch besonders aufgefallen, allerdings eher positiv. „Es ist nicht immer so voll wie in Peking“, meint der chinesische Stipendiat. „Und es gibt hier mehr Musiker in der Bahn“, fügt seine Kommilitonin Lian Xiaoxiao hinzu. Die beiden nehmen gemeinsam mit sechs weiteren Stipendiaten an einem Austauschprogramm des Zentrums für Deutschlandstudien (ZDS) an der Peking Universität teil.

Auf deutscher Seite sind die Freie Universität und die Humboldt-Universität beteiligt, der DAAD fördert das Kooperationsprojekt seit 2005. Die Peking Universität gilt als eine der besten Hochschulen Chinas, gelegentlich wird sie als „Harvard Chinas“ bezeichnet.

Lian und He besuchen dort den interdisziplinär angelegten Masterstudiengang „Deutsche Kultur und sozialer Wandel“: He studiert Theologie, Lian Germanistik. Teil des Studiengangs ist ein zweisemestriger Deutschland-Aufenthalt, der für die beiden im vergangenen Oktober begonnen hat. Federführend auf deutscher Seite ist seit September 2015 die Freie Universität, die sich bei dieser Aufgabe mit der Humboldt-Universität abwechselt.

Ein volles Programm

Gemeinsam besuchen die Stipendiaten ein eigens für sie organisiertes Seminar zur deutschen Kultur. Für das kommende Sommersemester ist eine mehrtägige Exkursion nach Bonn geplant. Bis dahin stehen aber erst einmal zahlreiche Besuche von Institutionen und Gedenkorten der heutigen Hauptstadt auf dem Programm. So ging es für die Studierenden Ende November in den Bundestag, wo sie mit dem SPD-Abgeordneten Martin Rosemann sprachen.

Auch zwei Reden – von EU-Ratspräsident Donald Tusk und von Frank Walter Steinmeier – konnten sich die Stipendiaten anhören. He erinnert sich gut an den Außenminister, der Ende Oktober im Henry-Ford-Bau der Freien Universität zum Thema internationale Ordnung gesprochen hat – auch wegen der Studierenden, die vor dem Gebäude demonstriert haben. „So etwas habe ich in China nie gesehen“, sagt He.

Beeindruckend fanden die beiden den Besuch der Gedenkstätte Hohenschönhausen, einem ehemaligen Stasi-Gefängnis. Die Gruppe konnte mit ehemaligen Häftlingen sprechen. „Sie haben uns viele schreckliche Geschichten erzählt“, erinnert sich Lian. Den stärksten Eindruck machte die Begehung des fensterlosen Gefängniskellers: „Die Gefangenen nannten ihn U-Boot“, sagt Lian.

Der Austausch als Berufsförderung

Die beiden Pekinger sind bereits gut in das soziale Leben Berlins eingebunden. Lian war wegen ihres Germanistik-Studiums schon vor drei Jahren an der Freien Universität und hat aus dieser Zeit noch alte Bekannte und Freunde. He spielt bis zu dreimal in der Woche Basketball und ist Mitglied im Verein der Freien Universität, ALBA-FU.

Ihr reguläres Studium setzen die beiden fort. Lian beschäftigt sich vor allem mit der Literatur des ausgehenden 19. Jahrhunderts und mit expressionistischer Lyrik. Interessiert ist sie auch an deutschsprachigen Schriftstellern, deren Biografie oder Werk interkulturelle Bezüge aufweist – wie etwa Elias Canetti oder Hermann Hesse. In China hat Lian bereits bei einem deutschen Autohersteller gearbeitet, 2016 möchte sie ihre Berufserfahrung mit einem Praktikum in Deutschland erweitern.

He konzentriert sich in seinem Theologie-Studium auf das katholische Christentum, denn in seiner Masterarbeit möchte er sich mit dem Freiheits- und Gnade-Begriff des antiken Kirchenlehrers Augustinus beschäftigen. Nebenher lernt er sowohl Latein als auch einige Grundlagen Hebräisch. Seine Doktorarbeit würde He gerne in Deutschland schreiben. „Mein Ziel ist es, Professor in meinem Fachgebiet zu werden.“