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„Lehrer sind zentrale Figuren“

Drei Studierende der Freien Universität wurden von der Deutschen Telekom Stiftung für ein FundaMINT-Stipendium ausgewählt

20.08.2015

Die künftigen Lehrer Fethullah Baykus, Tobias Mehrtens und Marvin Rominger (v.l.) wollen Wissen anschaulich vermitteln und Verantwortung übernehmen.
Die künftigen Lehrer Fethullah Baykus, Tobias Mehrtens und Marvin Rominger (v.l.) wollen Wissen anschaulich vermitteln und Verantwortung übernehmen. Bildquelle: Annika Middeldorf

Gleich drei Studierende der Freien Universität dürfen sich freuen: Sie wurden von der Deutschen Telekom Stiftung aus 150 Bewerberinnen und Bewerbern für das Stipendienprogramm FundaMINT ausgewählt, mit dem herausragende Lehramtsstudierende aus dem naturwissenschaftlich-technischen Bereich gefördert werden. Die Stiftung will mit dem Programm die Wertschätzung für Lehrende stärken und dazu beizutragen, mehr junge Menschen für den Lehrerberuf speziell in den MINT-Fächern zu gewinnen.

„Die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen hat mir schon immer großen Spaß gemacht“, sagt Marvin Rominger. Der 24-Jährige studiert Mathematik und Physik auf Lehramt und ist einer der drei Studierenden der Freien Universität, die für das Stipendium ausgewählt wurden.

Für das Fach entschieden habe er sich unter anderem aufgrund der großen sozialen Verantwortung, die der Beruf mit sich bringe, sagt er: „Als Lehrer hat man sehr viel Einfluss und gestaltet die Zukunft mit, denn Kinder und Jugendliche verbringen einen Großteil ihrer Zeit in der Schule. Lehrer sind neben der Familie oft die zentralen Figuren.“

Nach dem Abitur verschlug es Rominger zunächst nach Mexiko, wo er einen Freiwilligendienst an einer Deutschen Schule absolvierte. Später verbrachte er ein Auslandssemester in Chile und absolvierte ein Praktikum an der Deutschen Schule in Santiago de Chile. Derzeit arbeitet der künftige Lehrer als studentische Hilfskraft im Schülerlabor PhysLab der Freien Universität.

Soziale Verantwortung übernehmen

Für die Naturwissenschaften begeistere er sich vor allem, weil man damit die Welt beschreiben könne, sagt Rominger. Eine besondere Herausforderung sei es dabei, naturwissenschaftliche Themen so aufzubereiten, dass sie für Schülerinnen und Schüler leichter zugänglich sind.

„Vielen erscheint der naturwissenschaftliche Unterricht zunächst als zu abstrakt“, sagt er. „Es gibt aber viele Möglichkeiten, diese Themen zu veranschaulichen – zum Beispiel, indem man Alltagsgegenstände wie Smartphones oder elektrische Zahnbürsten verwendet, um gemeinsam physikalische Inhalte zu erarbeiten."

Auch Fethullah Baykus ist überzeugt, als Lehrer viel bewegen zu können: „Besonders die Mittelstufe ist eine entscheidende Phase, da ist es wichtig, den Jugendlichen unter die Arme zu greifen.“ Der 23-Jährige möchte Mittel- und Oberstufenlehrer mit der Kombination Mathematik und Geschichte werden. Im Wintersemester beginnt er sein Masterstudium.

Vom FundaMINT-Stipendium erfuhr der Student durch einen Freund und überzeugte die Jury mit einem Artikel über Mathematik sowie einem Impulsvortrag zum Thema Kopftuchverbot für Lehrerinnen an Schulen. „Ich fand die Frage interessant, ob ein Stück Tuch wirklich unsere Gesellschaft polarisieren kann.“

Baykus absolvierte Praktika in Einrichtungen für Kinder und Jugendliche, engagiert sich seit Jahren in Nachhilfezentren und unterstützt Schüler im Berliner Stadtteil Wedding bei der Vorbereitung auf die Abschlussprüfung zur mittleren Reife. „Ich komme selbst aus einer sozial schwachen Familie und habe mehrfach die Erfahrung gemacht, der einzige Schüler mit einem divers-kulturellen Hintergrund zu sein“, sagt er.

Vorbild für Schüler mit Migrationshintergrund

Sein Vater habe immer wieder betont, wie elementar Bildung für ein gutes Leben sei und dass er deshalb die Schule nie vernachlässigen solle, sagt Fethullah Baykus. „Mathematik lag mir zunächst nicht so sehr, in der zehnten Klasse hatte ich dann aber einen Lehrer, der mich ungeheuer motiviert hat. Dafür bin ich bis heute sehr dankbar.“

Besonders in seiner Funktion als Nachhilfelehrer und Mentor stelle er immer wieder fest, dass er insbesondere für Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund Vorbildfunktion habe, sagt der angehende Lehrer: „Mir ist wichtig, ihnen mit auf den Weg zu geben, dass man durch harte Arbeit alles schaffen kann, was man sich vornimmt – und einem mit einem guten Schulabschluss alle Türen offen stehen.“

Auch Tobias Mehrtens darf sich ab dem kommenden Wintersemester über ein Stipendium der Deutschen Telekom Stiftung freuen. Der 23-Jährige studiert Grundschullehramt mit dem Schwerpunkt Naturwissenschaften.

„Ich wollte zunächst Tierarzt werden, habe dann aber gemerkt, dass mir der Umgang mit Kindern unheimlichen Spaß macht – deshalb habe mich für das Lehramt entschieden.“ Besonders bei Kindern im Grundschulalter könne man viel bewegen und sie beim Entwickeln eigener Ideen unterstützen.

Tobias Mehrtens ist derzeit studentischer Vertreter des Fachbereichs Erziehungswissenschaft und Psychologie der Freien Universität und hat unter anderem einen Sitz im Fachbereichsrat inne.

Natur auch in der Stadt erfahren

Für die Bewerbung um das FundaMINT-Stipendium schrieb er einen Artikel über das Verhalten von Asseln. „Das Thema urbane Fauna im Sachunterricht finde ich sehr spannend. Man kann Kindern anhand von Asseln, Ameisen oder auch Regenwürmern ökologische Zusammenhänge erklären und ihnen so dabei helfen, Natur auch in der Stadt zu erfahren.“

Die Idee für das Thema hatte er beim Anlegen eines Hochschulgartens in der Rost- und Silberlaube der Freien Universität, der für die Lehre genutzt wird. „Bei der Gartenarbeit bin ich auf Asseln gestoßen und habe mir überlegt, wie man die artspezifischen Ansprüche der Tiere an ihren Lebensraum kindgerecht vermitteln könnte.“

Im Rahmen des Stipendiums freue er sich besonders auf den Austausch zwischen Studierenden verschiedener lehramtsausbildender Fakultäten, sagt Mehrtens. „Das ist ein großartiges Netzwerk, aus dem bestimmt auch viele Impulse in der Lehrerbildung hervorgehen werden.“