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„Es ist großartig, auf diese Weise an die Freie Universität zurückzukehren“

Antrittsvorlesung am 3. November: Der Berliner Übersetzer Frank Heibert ist August-Wilhelm-von-Schlegel-Gastprofessor

02.11.2015

Der Übersetzer und Autor Frank Heibert hat in diesem Semester die August-Wilhelm-von-Schlegel-Gastprofessur an der Freien Universität inne.
Der Übersetzer und Autor Frank Heibert hat in diesem Semester die August-Wilhelm-von-Schlegel-Gastprofessur an der Freien Universität inne. Bildquelle: Ute Hermanns

„Wir wollen zur literarischen Adelung der Übersetzung beitragen“ – mit diesen Worten kündigte Literaturwissenschafts-Professor Georg Witte vor acht Jahren die Einrichtung der August-Wilhelm-von-Schlegel-Gastprofessur für Poetik der Übersetzung an der Freien Universität an. In diesem Jahr übernimmt sie der promovierte Übersetzer und Autor Frank Heibert. Mehr als 70 Romane und Erzählwerke sowie etwa 90 Dramen hat er aus dem Englischen, Französischen, Italienischen und Portugiesischen ins Deutsche übertragen. Darüber hinaus hat er selbst einen Roman geschrieben, den Zebra-Literaturverlag geleitet und ist als Jazzsänger aktiv.

Herr Heibert, Ihre Antrittsvorlesung trägt den Titel „Let's Get Loud! Was uns die gängigen Metaphern fürs Literaturübersetzen wirklich erzählen“. Worum wird es gehen?

Um die gängigen Metaphern, mit denen Übersetzer gern beschrieben werden: Wenn sie etwa als Brückenbauer oder Fährmann bezeichnet werden. Wenn man versucht zu ergründen, welche Auffassungen vom Literaturübersetzen dahinterstehen, wird klar: Manche dieser Metaphern spiegeln ein gutes intuitives Verständnis davon wider, was das Übersetzen ausmacht, andere laufen, wenn man sie zu Ende denkt, auf ein Missverständnis hinaus. Sie zeigen, dass falsche Vorstellungen über und Erwartungen an das Literaturübersetzen kursieren. Es lohnt sich, das mal aufzudecken.

Viele verstehen Übersetzen als Handwerk, das bald von Maschinen wie Google Translate übernommen werden kann. Welche Fähigkeit, die ein guter Übersetzer braucht, hat selbst der beste Computer nicht?

Ich begreife das Übersetzen als Handwerk und als Kunst. Beide Bestandteile sind wichtig. Wie Autoren müssen auch Übersetzer ihr Handwerk beherrschen, wollen sie als Künstler angesehen werden. In jeder Kunst gibt es einen subjektiven Faktor, den ein Computer nicht ersetzen kann; in der Sprachkunst sind das die subjektiv als angemessen empfundenen Formulierungen, mit denen die vom Autor ausgewählten Ausschnitte aus der Wirklichkeit beschrieben werden. Außerdem ist der kulturelle Kontext, in dem jedes Kunstwerk steht und der bei jedem literarischen Text mitschwingt, so vielschichtig, dass kein Computer ihn in seinem anspielungshaften Charakter erfassen und in eine Zielsprache transferieren könnte.

Übersetzer müssen Zusammenhänge sehen und beschreiben, Bildlichkeiten vermitteln – das geht weit über die reine Datenvermittlung hinaus. Literatur ist so subtil, so kleinteilig und differenziert, dass wir uns keine Sorgen machen müssen, von Maschinen ersetzt zu werden.

Schon der Namenspatron der Gastprofessur, August Wilhelm Schlegel, bezeichnete das Übersetzen einmal als „brodlose Kunst“. Dürfen Studenten vom Übersetzerberuf träumen oder sollten sie doch lieber Deutschlehrer werden?

Übersetzer werden nach wie vor nicht so gut bezahlt, wie sie sollten. Das Problem bei allen künstlerischen Berufen ist, dass das Honorar schlecht kalkulierbar ist. Es steht bei Übersetzern auf zwei Füßen: Einerseits wird pro übersetzter Normseite bezahlt (das ist kalkulierbar, aber zu wenig), andererseits über die Beteiligung an den Umsätzen der übersetzten Werke (das ist unkalkulierbar und in der Vertragspraxis mit den Verlagen längst noch nicht guter Standard). Allein davon kann man als Übersetzer derzeit nicht gut leben.

Man kann aber eine Mischkalkulation machen und, so wie die meisten Verlage auch, auf verschiedene Einnahmequellen zu bauen versuchen. Für Übersetzer kommen da beispielsweise Moderationen inklusive Dolmetschen, freies Lektorat und das Halten von Seminaren in Frage.

Und man muss es wirklich wollen. Man muss sagen können: Das ist mein Ding, dafür habe ich Talent, und ich habe Spaß an der Herausforderung. Und man braucht Geduld. Ich halte aber nichts davon, dem Nachwuchs mit weise geschütteltem Haupt davon abzuraten. Ich möchte meine Begeisterung weitergeben. Und guter Nachwuchs wird immer gebraucht.

Nach Ihrer Promotion im Jahre 1990 kehren Sie nun an die Freie Universität zurück. Werden Sie da nostalgisch?

Ja, schon ein bisschen! Ich habe damals auch in der Rostlaube studiert. Es stimmt vielleicht gar nicht, aber mir kommt es so vor, als wären die Teppichböden dieselben geblieben, die Raumbezeichnungen und die Wände sowieso. Und ich finde es großartig, auf diese Weise zurückzukehren.

Die Fragen stellte Jonas Huggins

Weitere Informationen

Antrittsvorlesung „Let's Get Loud! Was uns die gängigen Metaphern fürs Literaturübersetzen wirklich erzählen“

Zeit und Ort

  • 3. November 2015, 19.30 Uhr
  • Institut Français, Kurfürstendamm 211, 10719 Berlin

Die Veranstaltung ist öffentlich und der Eintritt frei. Es wird um eine Anmeldung an mail@uebersetzerfonds.de gebeten.

Im Internet: Antrittsvorlesung