Kuratieren nach dem „Black Mountain“-Prinzip

Ausstellung über legendäres US-College im Hamburger Bahnhof eröffnet / Studierende und Wissenschaftler der Freien Universität beteiligt

09.06.2015

Studierende aus der Klasse des Architekten und Schriftstellers Buckminster Fuller arbeiten während der "1949 Summer Session" gemeinsam an einem Konstruktionsprojekt.
Studierende aus der Klasse des Architekten und Schriftstellers Buckminster Fuller arbeiten während der "1949 Summer Session" gemeinsam an einem Konstruktionsprojekt. Bildquelle: North Carolina Museum of Art. Western Regional Archives
Gäste der "Black-Mountain"-Eröffnungsfeier am 4. Juni: Im Laufe des Abends besuchten etwa Tausend Interessierte die Ausstellung.
Gäste der "Black-Mountain"-Eröffnungsfeier am 4. Juni: Im Laufe des Abends besuchten etwa Tausend Interessierte die Ausstellung. Bildquelle: Hamburger Bahnhof
Die Theaterwissenschaftsprofessorin Annette Jael Lehmann, die Kunstgeschichtsstudentin Verena Kittel und die Doktorandin Anna-Lena Werner (v.l.n.r.) haben die Ausstellung mit einer wissenschaftlichen Web-Plattform, Seminaren und Symposien begleitet.
Die Theaterwissenschaftsprofessorin Annette Jael Lehmann, die Kunstgeschichtsstudentin Verena Kittel und die Doktorandin Anna-Lena Werner (v.l.n.r.) haben die Ausstellung mit einer wissenschaftlichen Web-Plattform, Seminaren und Symposien begleitet. Bildquelle: Juliane Küppers
Studierende des Kurses von Buckminster Fuller bauen eine kuppelförmige Netzkonstruktion des Architekten auf.
Studierende des Kurses von Buckminster Fuller bauen eine kuppelförmige Netzkonstruktion des Architekten auf. Bildquelle: Masato Nakagawa
Der expressionistische Maler Dan Rice (links) und der Dichter Robert Creeley verrichteten - wie alle anderen Studierenden - auch alltägliche Arbeiten auf dem Campus.
Der expressionistische Maler Dan Rice (links) und der Dichter Robert Creeley verrichteten - wie alle anderen Studierenden - auch alltägliche Arbeiten auf dem Campus. Bildquelle: Western Regional Archives
Der Speisesaal und einige Unterkünfte auf dem Black Mountain Campus am Lake Eden: Das gemütlich wirkende College in den Hügeln North Carolinas beeinflusste die Kunst und Kultur der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts maßgeblich.
Der Speisesaal und einige Unterkünfte auf dem Black Mountain Campus am Lake Eden: Das gemütlich wirkende College in den Hügeln North Carolinas beeinflusste die Kunst und Kultur der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts maßgeblich. Bildquelle: North Carolina State Archives

Volles Haus im Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin: Etwa tausend Gäste haben am vergangenen Donnerstag die Gelegenheit genutzt, bei der feierlichen Eröffnung von „Black Mountain. Ein interdisziplinäres Experiment 1933-1957“ einen ersten Blick auf die Exponate zu werfen und mit den Veranstaltern anzustoßen. Organisiert wurde die Sonderausstellung, die bis zum 27. September läuft, von Kuratoren des Hamburger Bahnhofs und der Nationalgalerie in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern und Studierenden des „Black Mountain Research“-Projekts der Freien Universität. Im Mittelpunkt steht das Black Mountain College (BMC), eine legendäre Hochschule im ländlichen North Carolina, die die Kunst und Kultur der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts maßgeblich beeinflusste.

Anlässlich der Rückschau auf die bis heute als innovativ geltende Lehrpraxis des BMC setzen sich die Organisatoren der Ausstellung auch mit aktuellen Fragen zur Ausbildung von Künstlern und Wissenschaftlern auseinander. „Am meisten beeindruckt an der Lern- und Arbeitsweise des BMC hat mich, dass alle Studierenden sich dort ganz frei ausprobieren durften“, sagt Verena Kittel. Die Kunstgeschichtsstudentin erläutert, dass es zum Selbstverständnis der Hochschule gehört habe, die Studierenden unabhängig von ihrem offiziellen Studiengang zur Teilnahme an Kursen verschiedenster Disziplinen zu ermuntern. So konnte sich eine Studentin der Naturwissenschaften im Tanz oder ein Architekturstudent in der Webtechnik versuchen.

Ganzheitliches Lern- und Lehrkonzept mit Praxisbezug

„Im Prinzip ist dieses ganzheitliche Lern- und Lehrkonzept auch bei der Arbeit am Forschungsprojekt und bei der Ausstellung angewandt worden“, sagt Anna-Lena Werner, Doktorandin am Institut für Theaterwissenschaft. „In zwei Seminaren hat Annette Jael Lehmann – Professorin am Institut für Theaterwissenschaft und Leiterin von ‚Black Mountain Research‘ – ihre Studierenden dazu animiert, praktisch zu arbeiten. Wir haben zum Beispiel auf der Projektwebsite ihre Texte veröffentlicht, außerdem haben sie das Konzept und die Entwicklung der Ausstellung begleitet und reflektiert.“

Die mehr als zwei Jahre währende intensive Recherche und Organisation haben sich gelohnt: Die Ausstellung von Kunstwerken aus der Museumssammlung und dem College-Archiv, von fotografischen und filmischen Dokumenten, Web- und Keramikarbeiten oder Publikationen der Hochschule in mehreren großen Hallen des Hamburger Bahnhofs gewährt einen umfassenden Einblick in das interdisziplinäre und experimentelle Lernen und Leben auf dem Campus des BMC. Wie Dozenten wie der Architekt Walter Gropius, die Bauhaus-Künstler Anni und Josef Albers oder der Komponist John Cage die Ausbildung der Studierenden gestalteten, kann auch heute noch als Anregung für eine gelungene Lehrpraxis aufgegriffen werden.

Weitere Informationen

  • Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin, Invalidenstraße 50-51, 10557 Berlin, Hauptbahnhof (S3, S5, S7, S75) oder U-Bhf. Naturkundemuseum (U6)
  • Die Ausstellung läuft vom 5. Juni bis 27. September 2015.
  • Öffnungszeiten dienstags, mittwochs, freitags 10.00 bis 18.00 Uhr, donnerstags 10.00 bis 20.00 Uhr, samstags und sonntags 11.00 bis 18.00 Uhr
  • Eintritt 14 Euro, ermäßigt 7 Euro