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Berühmten Wirtschaftswissenschaftlern ein Denkmal setzen

Bis 31. Mai: Vorschläge für Namen von berühmten Ökonominnen und Ökonomen für die Schließfächer der wirtschaftswissenschaftlichen Bibliothek gesucht

29.05.2015

Bibliotheksleiterin Karin Reese leert den Kasten, in dem die Namensvorschläge gesammelt werden.
Bibliotheksleiterin Karin Reese leert den Kasten, in dem die Namensvorschläge gesammelt werden. Bildquelle: Angela Arndt
Ihr Name könnte ein Schließfach zieren: Die britische Ökonomin Joan Robinson lebte von 1903 bis 1983. Sie erweiterte die Theorie von John Maynard Keynes.
Ihr Name könnte ein Schließfach zieren: Die britische Ökonomin Joan Robinson lebte von 1903 bis 1983. Sie erweiterte die Theorie von John Maynard Keynes. Bildquelle: ramsey-muspratt-wikicommons
Auch Lois-Vincent Haut reicht einen Vorschlag ein. Wen der Bachelorstudent im 4. Semester vorschlägt, bleibt allerdings noch sein Geheimnis.
Auch Lois-Vincent Haut reicht einen Vorschlag ein. Wen der Bachelorstudent im 4. Semester vorschlägt, bleibt allerdings noch sein Geheimnis. Bildquelle: Karin Reese

Dass Karl Marx und John Maynard Keynes das Rennen machen werden, daran bestehe wohl kein Zweifel, sagt Karin Reese. Auf 100 weitere kreative Vorschläge freut sich die Leiterin der Wirtschaftswissenschaftlichen Bibliothek der Freien Universität, die gemeinsam mit ihren Kolleginnen und Kollegen dazu aufgerufen hat, Ideen für die Benennung der Bibliotheksschließfächer nach berühmten Persönlichkeiten der Wirtschaftswissenschaften einzureichen.

Hintergrund der Aktion ist die Einführung eines neuen Schließfachsystems in den Bibliotheken der Freien Universität. „Früher waren die Fächer mit Schlüsseln versehen, nun haben wir auf ein elektronisches System umgestellt“, erklärt Karin Reese. Nutzer können die Fächer seitdem mithilfe eines Zahlencodes oder ihrer Mensakarte auf- und zuschließen. „Leider kommt es sehr häufig vor, dass Studierende ihre Schließfachnummer oder den Zahlencode vergessen“, sagt Reese. Das führe zu einem hohen, administrativen Aufwand und langen Wartezeiten für die vergesslichen Nutzer, deren Fächer erst bei Bibliotheksschluss von Mitarbeitern der Freien Universität geöffnet werden können.

Aus der Not eine Tugend gemacht

„Wir haben überlegt, wie sich die Nutzung vereinfachen lässt und haben schließlich aus der Not eine Tugend gemacht“, erklärt Karin Reese Die Namen großer Ökonomen ließen sich leichter merken als Zahlenkolonnen. Bis zum 31. Mai können noch Vorschläge für die Benennung der 102 Schließfächer in der Fachbereichsbibliothek der Wirtschaftswissenschaft eingereicht werden.

Lino Zeddies ist dem Aufruf, Namen einzureichen, bereits gefolgt. Der Student, der gerade an seiner Abschlussarbeit schreibt, engagiert sich nebenbei in der informellen Studierendengruppe „Kritische Wirtschaftswissenschaften“, die unter anderem zusätzliche Lehrangebote organisiert und sich dabei für die Rezeption alternativer Wirtschaftstheorien stark macht. „Die Neoklassik ist in der gegenwärtigen Forschung sehr dominant vertreten. Andere Strömungen – etwa die Ökologische Ökonomie oder angewandte Fächer wie Wirtschaftsethik – werden dagegen meiner Meinung nach häufig zu wenig berücksichtigt.“

Den Aufruf der Bibliothek empfindet Zeddies daher als willkommene Gelegenheit, um seiner Ansicht nach weniger stark rezipierten Theoretikern zu mehr Aufmerksamkeit zu verhelfen. „Wir haben eine Liste von etwa zwanzig Forschern erstellt, die wir bei der Benennungsaktion einreichen werden. Darunter ist zum Beispiel der amerikanische Wirtschaftswissenschaftler Hyman P. Minsky, den ich persönlich besonders inspirierend finde“, sagt Zeddies. So habe Minsky bereits in den 1980er Jahren Theorien vorgestellt, die Krisen als elementaren Bestandteil des kapitalistischen Systems beschreiben. „Minsky war lange Zeit ein Außenseiter, aber seit der Finanzkrise rückt seine Forschung nach und nach mehr ins Zentrum der Aufmerksamkeit.“

Studierende mit einbeziehen

„Uns ist wichtig, die Studierenden in den Umbenennungsprozess mit einzubeziehen“, sagt Karin Reese, bei der schon mehr als 100 Vorschläge eingegangen sind. „Viele geben sich erstaunlich viel Mühe und reichen auch längere Erklärungstexte mit ein, warum sie einen bestimmten Namen gewählt haben.“

Die Vorschläge werden nach Ablauf der Frist am 31. Mai von Karin Reese und den Professoren Georg Schreyögg und Giacomo Corneo ausgewertet. Wessen Vorschlag akzeptiert wird, kann sich als Belohnung ein Semester lang ein Lehrbuch seiner Wahl aus der Bibliothek ausleihen.

„Die Benennung der Schließfächer erleichtert nicht nur die Nutzung, sondern hat auch etwas Identitätsstiftendes“, sagt Karin Reese. Was noch fehle, seien mehr Vorschläge für Ökonominnen: „Wir freuen uns, wenn in den kommenden Tagen noch viele Namen weiblicher Wissenschaftler eingereicht werden.“