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Mathe ist Mord

MATHEON-Krimi-Wettbewerb: Die besten unberechenbaren Fälle sind als Buch erschienen und wurden nun bei einer Lesung präsentiert

19.05.2015

Die Schauspielerin Ulrike Luderer las aus den Mathe-Krimis.
Die Schauspielerin Ulrike Luderer las aus den Mathe-Krimis. Bildquelle: Marina Kosmalla
Die mathematische Fachbibliothek der Technischen Universität war gut besucht.
Die mathematische Fachbibliothek der Technischen Universität war gut besucht. Bildquelle: Marina Kosmalla
(v.l.n.r.): Schauspielerin Ulrike Luderer, Rudolf Kellermann, Pressesprecher des MATHEON, und Kristine Al Zoukra. Die beiden sind Herausgeber der Mathe-Krimis.
(v.l.n.r.): Schauspielerin Ulrike Luderer, Rudolf Kellermann, Pressesprecher des MATHEON, und Kristine Al Zoukra. Die beiden sind Herausgeber der Mathe-Krimis. Bildquelle: Marina Kosmalla

Tatzeiten, Wegstrecken oder Schussbahnen berechnen, logisch denken oder Tatsachen kombinieren – wer Kriminalfälle lösen will, kommt um mathematische Überlegungen und Anwendungen kaum herum. Das Buch „Unberechenbar“ – Ergebnis eines Krimi-Wettbewerbs am Forschungszentrum MATHEON – zeigt, wie packend und lebhaft das Spiel mit Zahlen und Formeln sein kann. Eine Kostprobe der spannenden Geschichten gab es bei einer Lesung in der mathematischen Fachbibliothek der Technischen Universität Berlin, vorgetragen von der Schauspielerin Ulrike Luderer.

29 Geschichten enthält die Sammlung, die anlässlich des MATHEON-Wettbewerbs „Wer schreibt den besten mathematischen Kurzkrimi?“ im Jahr 2013 entstanden ist. Bei allen Fällen spielt Mathematik eine besondere Rolle. „Meine Lieblingsgeschichte ist ‚Täterberechnung’ von Stephan Hecker – wegen des besonders trockenen Humors“, sagt Kristine Al Zoukra. Die promovierte Mathematikerin ist seit 2013 im Sonderforschungsbereich 1114 „Scaling Cascades in Complex Systems“ der Freien Universität tätig.

Mathematik in Sport, Musik oder Literatur

Zuvor hat sie als Vorstandsassistentin unter anderem die Öffentlichkeitsarbeit des MATHEON unterstützt. Die 2002 als Forschungszentrum der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gegründete Einrichtung wird getragen von den Mathematikinstituten der drei Berliner Universitäten, dem Weierstraß-Institut für Angewandte Analysis und Stochastik sowie dem Zuse-Institut.

Mathe ist mehr als addieren und dividieren

Im MATHEON wird Mathematik für Schlüsseltechnologien entwickelt – in Zusammenarbeit mit Partnern in Industrie, Wirtschaft und Wissenschaft. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf den Bereichen Schule und Öffentlichkeit. „Aufgabe des MATHEON ist es, neben der umfangreichen Forschungsarbeit auch das Image der Mathematik zu verbessern“, sagt Rudolf Kellermann, Pressesprecher des MATHEON. „Wir wollen nicht alle zu Mathematikern ausbilden, aber zeigen, dass Mathe Spaß machen und mehr sein kann als bloß addieren und dividieren.“ Daher suche das Forschungszentrum stets neue Wege, das Fach in Beziehung zu anderen gesellschaftlichen Bereichen zu bringen wie beispielsweise Musik, Sport – oder eben Literatur.

Wie es zum Krimi-Wettbewerb kam

Beim Berliner Krimi-Marathon, der jedes Jahr im Herbst stattfindet, kam Kristine Al Zoukra auf die Idee, Mathematik mit Unterhaltungsliteratur zu verbinden. „Krimis lesen viele gern, dachte ich“, sagt sie. „Der Gedanke war, auf unkonventionelle Art Leute auf Mathe aufmerksam zu machen, die wir mit unseren üblichen Öffentlichkeitsveranstaltungen nicht unbedingt erreichen würden.“

Rudolf Kellermann war sofort begeistert von der Idee, mit dem Krimi-Marathon zu kooperieren. „Zuerst haben wir überlegt, Krimis auf mathematische Inhalte hin zu analysieren, aber das wäre langweilig gewesen.“ Schließlich haben sich die beiden entschlossen, einen Wettbewerb auszuschreiben: Es sollten Kriminalgeschichten mit mathematischem Inhalt geschrieben werden. Sie durften nicht mehr als 10.000 Zeichen umfassen, noch nicht veröffentlicht und frei von Rechten Dritter sein.

Von der Anzahl der Teilnehmer waren alle Beteiligten überrascht. „Wir erhielten 136 Einsendungen, über dieses große Interesse haben wir uns natürlich sehr gefreut – und es waren erstaunlich gute Krimis dabei“, sagt Kellermann „Alle haben sich bemüht, Mathematik zur Grundlage der Story zu machen und nicht lediglich einen Mathematiker die Hauptrolle spielen lassen.“ Obwohl sich alle Geschichten um Mathematik drehen, sind sie thematisch sehr vielfältig: teilweise heiter, manchmal etwas absurd, teils mit geschichtlichem Hintergrund oder hoch aktuell – und stets auch für Nicht-Mathematiker verständlich.

Beeindruckt zeigten sich die Initiatoren auch von den Mathematikkenntnissen der Autorinnen und Autoren und deren Engagement. Der jüngste Teilnehmer war gerade einmal sieben Jahre alt. Zwei Klassen des Ratsgymnasiums Wolfsburg haben im Matheunterricht Krimis geschrieben und im Kunstunterricht die entsprechenden Illustrationen dazu gemalt.

Eine besondere mathematische Zahl gewonnen

Eine Jury – bestehend aus Professorin Dorothee Knees von der Universität Kassel und früheres MATHEON-Vorstandsmitglied, MATHEON-Gründungsmitglied Professor Peter Deuflhard von der Freien Universität und Literaturagent Patrick Baumgärtel – hat aus allen Einsendungen zunächst die 30 besten Geschichten ausgewählt und aus ihnen schließlich drei Gewinner.

Die Preisgelder setzen sich aus besonderen Zahlen zusammen: Den ersten Platz und einen Gewinn von 666 Euro – die Summe der Zahlen von 1 bis 36 sowie die Summe der Quadrate der ersten sieben Primzahlen – erhielt Stephan Hecker für seine Geschichte „Täterberechnung“. 429 Euro – die 7. Catalan-Zahl – für den zweiten Platz gingen an Dieter Creutzburg mit „Goldbach'sche Vermutung“. Den dritten Platz belegte Martina Kleinau mit „Professor Weitenkamp“. Sie gewann 210 Euro – die größte derzeit bekannte Goldbach'sche Zahl.

Erste Auflage ist bereits vergriffen

Eine besondere Belohnung war neben den Preisen und der feierlichen Preisverleihung natürlich die Publikation der 29 besten Geschichten. „Ich habe mich sehr gefreut, als sich der Westkreuz-Verlag bereit erklärt hat, die Geschichten mit Unterstützung des MATHEON-Vorstandes als Buch herauszugeben“, sagt Pressesprecher Kellermann. Die erste Auflage von 1.000 Stück sei innerhalb kürzester Zeit vergriffen gewesen, 500 weitere Exemplare wurden bereits nachgedruckt.

Weitere Informationen

„Unberechenbar – mathematische Kriminalgeschichten“, Kristine Al Zoukra, Rudolf Kellermann, Forschungszentrum MATHEON (Hrsg.), Westkreuz-Verlag Berlin/Bonn, ISBN 978-3-944836-18-8, 14,90 Euro