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Talente fördern, Vorurteilen begegnen

Der Verein „Lions of Science e.V.“ fördert Forschungsinnovationen von Studierenden in Kenia – die dritte Bewerbungsrunde läuft

04.05.2015

Die Sieger des "Lions of Science"-Awards 2014 Newton Mwa (hintere Reihe, 2. v.l.) und Wesly Akonya (vordere Reihe, 2. v.l.) mit Jury und weiteren Preisträgern.
Die Sieger des "Lions of Science"-Awards 2014 Newton Mwa (hintere Reihe, 2. v.l.) und Wesly Akonya (vordere Reihe, 2. v.l.) mit Jury und weiteren Preisträgern. Bildquelle: Ideas Unplugged Photography
Kani Tuyala promoviert an der Freien Universität und gründete 2012 den Verein „Lions of Science e.V.“.
Kani Tuyala promoviert an der Freien Universität und gründete 2012 den Verein „Lions of Science e.V.“. Bildquelle: Privat

Den wissenschaftlichen Nachwuchs in Kenia und gleichzeitig den internationalen Austausch fördern – für diese Ziele setzt sich Kani Tuyala mit dem Verein „Lions of Science“(LoS) ein. 2012 rief der Promotionsstudent der Freien Universität das Projekt ins Leben, auf das er seitdem ehrenamtlich einen Großteil seiner Zeit verwendet. „Wir rufen jedes Jahr kenianische Studenten dazu auf, ihre eigenen Erfindungen bei uns einzureichen. Die besten Projekte zeichnen wir aus“, sagt Tuyala. Bekanntheitsgrad als auch Bewerberzahlen für den Innovationswettbewerb steigen stetig, Anfang des Monats startete der aktuelle Durchgang. Mittlerweile bietet der Verein auch Workshops und Seminare an. campus.leben sprach mit Kani Tuyala über die neuesten Entwicklungen bei „Lions of Science“ und die Pläne für die nächsten Jahre.

Herr Tuyala, mit „Lions of Science“ setzen Sie sich für die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses in Afrika ein. Wie kam es dazu und was motiviert Sie?

Ich habe mich schon immer sehr für den afrikanischen Kontinent interessiert, nicht zuletzt, weil mein Vater aus dem Kongo stammt. Die Afrikabilder, die in den deutschen Medien transportiert werden, sorgen bei mir allerdings häufig nur für Kopfschütteln. Meist geht es leider nur um Gewalt und Korruption, und es werden Klischees reproduziert. Dabei ist Afrika viel mehr als das. In meiner Promotion am Institut für Ethnologie beschäftige ich mich mit einer global agierenden, kenianischen Medienagentur, die für einen anderen Blick auf Afrika steht. Für meine Recherchen bin ich mehrfach nach Kenia gereist und wollte mich bald nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch für die Menschen vor Ort einsetzen. Deshalb habe ich „Lions of Science“ gegründet. Mein Team und ich wollen talentierte Studenten aus Ostafrika fördern und zudem gängigen Klischees begegnen, indem wir das kreative Potenzial vor Ort aufzeigen. Wir kooperieren mit unterschiedlichen Organisationen, um den Preisträgern die Möglichkeit zu geben, unter professioneller Leitung weiter an ihren Projekten zu arbeiten. Wir möchten die Teilnehmer inspirieren und den Gedanken der ‚Innovation zur Selbsthilfe’ weiter fördern.

Was sind momentan die größten Herausforderungen für das Projekt?

Das Interesse an „Lions of Science“ wächst, jedoch stagnieren derzeit die Spendengelder und Sponsoren sind äußerst schwer zu finden. Der organisatorische Aufwand wird immer größer, aber wir können es uns nicht leisten, weitere Mitarbeiter einzustellen. Bislang ist „Lions of Science“ in Deutschland als gemeinnütziger Verein gemeldet. Nun werden wir das Projekt zusätzlich in Kenia als Nichtregierungsorganisation eintragen lassen, denn viele Menschen möchten lieber an eine „wirklich kenianische“ Organisation spenden oder diese durch andere Maßnahmen fördern. Wir freuen uns, dass wir die Gründungsförderung der Freien Universität profund als Partner gewinnen konnten. Meine beiden Kolleginnen in Kenia, Teresia Njoki und Esther Anono, leisten hervorragende Arbeit bei der Organisation von Veranstaltungen und der Pflege und dem Ausbau unseres Netzwerkes, so dass wir insgesamt auf einem sehr guten Weg sind. Wir brauchen allerdings regelmäßige Einnahmen, um unser aktuelles Level an Engagement und Professionalität halten zu können.

Welche Pläne haben Sie für die kommenden Jahre?

Im Februar haben wir im Rahmen einer Initiative zur Frauenförderung im Bereich Technologie und Wissenschaft einen Workshop für Studentinnen angeboten, der mit mehr als 160 Anmeldungen überaus erfolgreich war. Auch ein Kurs zu Patentrecht wurde 2014 sehr stark nachgefragt. Wir werden also weiterhin Seminare und Workshops organisieren. Gerne würden wir unseren Preisträgern einen Aufenthalt in Deutschland ermöglichen, damit diese sich hier mit deutschen Startup-Gründern, Wissenschaftlern und Unternehmern austauschen, an Workshops und Qualifizierungsprogrammen teilnehmen und Praktika absolvieren können. Das Programm soll 2016 starten, wir suchen hierfür aktuell deutsche Partner und Förderer aus Wirtschaft und Wissenschaft. Ein Ziel für die Zukunft ist es, unseren Wettbewerb zu öffnen – zum Beispiel für Studierende in Tansania, Uganda, Rwanda und Äthiopien.

Die Fragen stellte Nora Lessing

Weitere Informationen

Mitmachen, sich vernetzen, unterstützen

Studierende aus Kenia können aktuell ihre Projekte für den Innovationswettbewerb von „Lions of Science“ einreichen: