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Die Kuh verstecken

Am 6. September wird im Kunstmuseum Ahrenshoop eine Ausstellung des Künstlers Dieter Goltzsche eröffnet – kuratiert von Studentinnen der Freien Universität

05.09.2014

Kuratierten eine Ausstellung des Künstlers Dieter Goltzsche: Dominika Szyszko, Ann-Kathrin Meier und Maxi Böhme (v. l.), hier vor dem Werk „Circus“ (2000).
Kuratierten eine Ausstellung des Künstlers Dieter Goltzsche: Dominika Szyszko, Ann-Kathrin Meier und Maxi Böhme (v. l.), hier vor dem Werk „Circus“ (2000). Bildquelle: Neslihan Aslan
Die Bilder genau kennen, um dann zu entscheiden: Durch die praktische Arbeit lernten die Studentinnen, wie wichtig Detailgenauigkeit und Absprachen bei der Ausstellungskonzeption sind.
Die Bilder genau kennen, um dann zu entscheiden: Durch die praktische Arbeit lernten die Studentinnen, wie wichtig Detailgenauigkeit und Absprachen bei der Ausstellungskonzeption sind. Bildquelle: Neslihan Aslan
Im Stil eines norddeutschen Gehöfts: Die Architektur des Kunstmuseums Ahrenshoop orientiert sich an der typischen Bauweise der Region. Sie wurde mit dem Landesbaupreis 2014 ausgezeichnet.
Im Stil eines norddeutschen Gehöfts: Die Architektur des Kunstmuseums Ahrenshoop orientiert sich an der typischen Bauweise der Region. Sie wurde mit dem Landesbaupreis 2014 ausgezeichnet. Bildquelle: voigt&kranz UG, © 2013

Für die Seminararbeit an den Ostseestrand – was sich für viele Studierende nach einem Wunschtraum anhört, ist für neun Teilnehmerinnen des Seminars „Kuratorische Praxis“ am Kunsthistorischen Institut der Freien Universität Berlin Wirklichkeit geworden. Zurzeit halten sie sich im Ostseebad Ahrenshoop auf, um die Ausstellung „Die Kuh verstecken. Arbeiten auf Papier von Dieter Goltzsche“ vorzubereiten. Das Besondere der Schau: Sie wurde von Studentinnen in Kooperation mit dem Kunstmuseum Ahrenshoop konzipiert und umgesetzt. Am 6. September findet die Vernissage statt.

„Zum ersten Mal arbeiten wir im Rahmen des Seminars so eng mit einem Museum und einem so bekannten Künstler zusammen“, sagt Anna-Carola Krausse, promovierte Kunsthistorikerin und Leiterin des Kurses „Kuratorische Praxis“ am Kunsthistorischen Institut der Freien Universität. Aus dem Besitz des Künstlers und der Sammlung des Museums wählten die Nachwuchskuratorinnen rund 40 repräsentative Handzeichnungen aus – darunter zahlreiche jüngere Arbeiten, die zum ersten Mal gezeigt werden. Die Studentinnen entwickelten das Ausstellungskonzept, verfassten Texte für den begleitenden Katalog, unterstützten das Museum bei der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, konzipierten den Hängeplan und waren aktiv an dessen Umsetzung beteiligt.

Aufwändige Recherchearbeit

„Obwohl wir das Thema kuratorisches Arbeiten im Studium schon theoretisch behandelt hatten, waren wir alle überrascht, wie gründlich eine Ausstellung vorbereitet und geplant werden muss“, sagt Dominika Szyszko. Die 23-jährige Studentin des Masterstudiengangs Kunstgeschichte sagt, dass sie gelernt habe, wie wichtig Detailgenauigkeit, das Protokollieren aller Absprachen und genaue Zeitpläne seien. Permanente Kommunikation sei für das Gelingen des Projektes essenziell gewesen.

Ihre Kommilitonin Maxi Böhme ergänzt: „Mich hat überrascht, wie viel wissenschaftliche Arbeit hinter einer Ausstellung steckt.“ Für die Konzeption sei intensive Recherchearbeit zum Werk und zur Biografie nötig. „Außerdem haben wir im Team sehr viel über Goltzsches Kunst diskutiert“, sagt die 24-Jährige.

Künstlerkorrespondenz per Brief und Postkarte

Dieter Goltzsche, der von 1992 bis 2000 eine Professur an der renommierten Kunsthochschule Berlin-Weißensee innehatte, sei zunächst etwas verhalten gewesen, als er hörte, dass eine ganze Seminargruppe zu ihm ins Atelier in Berlin-Friedrichshagen kommen wollte, erinnert sich Anna-Carola Krausse. „Aber als er merkte, wie ernsthaft sich die Seminarteilnehmerinnen eingearbeitet hatten, war er in seinem Element und sprach mit großem Enthusiasmus über seine Arbeit und Kunstauffassung.“

Nach dem persönlichen Kennenlernen fand der weitere Austausch per Brief statt, erzählt Maxi Böhme. Per Brief? „Ja“, bestätigt die Studentin, „Dieter Goltzsche hat kein E-Mail-Konto. Also haben wir Briefe und Postkarten geschrieben, um letzte Absprachen zu treffen.“

„Die Kuh verstecken" ?

Die Leiterin des Kunstmuseums Ahrenshoop, die promovierte Kunsthistorikern Katrin Arrieta, habe den Studentinnen großes Vertrauen entgegengebracht und mit ihnen zusammengearbeitet wie mit „echten“ Kuratoren, sagt Anna-Carola Krausse.

„Der etwas mysteriöse Titel ‚Die Kuh verstecken’ der am morgigen Sonnabend beginnenden Ausstellung ist ein Zitat des Künstlers aus dem Film ‚Brückegehen’, der im Rahmen der Ausstellung gezeigt wird“, verrät die Seminarteilnehmerin Ann-Kathrin Meier. In dem Film beschreibe Goltzsche seine Arbeitsweise und sein Kunstverständnis. „Ihm geht es nicht darum, die sichtbare Wirklichkeit nachzuahmen, sondern mit den Mitteln der Kunst eine eigene Welt zu schaffen“, sagt die Studentin. „In diesem Sinne muss er also – sollte eine Kuh Ausgangspunkt einer Bildidee gewesen sein – diese Kuh im übertragenen Sinne verstecken.“ Die 26-jährige Kunstgeschichtsstudentin habe im Seminar „Kuratorische Praxis“ wichtige Einblicke gewonnen: „Es sind der persönliche, kreative Austausch und die vielfältigen Aufgaben, die den Beruf des Kurators für mich reizvoll machen.“

Fruchtbare Kooperation von Freier Universität und Kunstmuseum Ahrenshoop

Die Kooperation der Freien Universität mit dem Kunstmuseum Ahrenshoop begann schon vor dessen Eröffnung vor einem Jahr. Seit November 2011 existiert am Dahlemer Kunsthistorischen Institut das von der Volkswagen-Stiftung geförderte „Forschungsprojekt Ahrenshoop“; durch dessen Arbeit und Forschungsergebnisse wird das Museum wissenschaftlich begleitet, Studierende werden in die museale Arbeit einbezogen. Beide Einrichtungen wollten auch zukünftig weiter zusammenarbeiten“, sagt Anna-Carola Krausse, Mitarbeiterin des Forschungsprojekts. So können Kunstgeschichts-Studierende etwa ihre Abschlussarbeit zu Künstlern schreiben, die in Ahrenshoop tätig waren. Auch weitere Ausstellungen sind angestrebt.

Weitere Informationen

Ausstellung „Die Kuh verstecken. Arbeiten auf Papier von Dieter Goltzsche“

  • Kunstmuseum Ahrenshoop, Weg zum Hohen Ufer 36, 18347 Ostseebad Ahrenshoop
  • Vernissage mit dem Künstler, den Kuratorinnen sowie der Museumsleitung am 6. September 2014, Beginn 15.00 Uhr
  • Die Ausstellung läuft bis zum 2. November 2014
  • Weitere Informationen zum Künstler und zur Werkschau