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Männer, die auf Bienen starren

Der indische Biologiestudent Rolish Singh Phougeishangbam macht im Rahmen des INSPIRE-Programms ein Praktikum an der Freien Universität

07.08.2014

Stipendiat Rolish Singh Phougeishangbam sammelt Daten zum Zusammenhang von Bienentanz und elektromagnetischen Feldern.
Stipendiat Rolish Singh Phougeishangbam sammelt Daten zum Zusammenhang von Bienentanz und elektromagnetischen Feldern. Bildquelle: Mirko Lux

Das INSPIRE-Programm (Innovation in Science Pursuit for Inspired Research) des indischen Ministeriums für Wissenschaft und Technologie vergibt jährlich fünf Forschungspraktika an herausragende Stipendiaten. Einer von ihnen ist Rolish Singh aus Delhi. Er ist seit Juli Stipendiat an der Freien Universität und in der Arbeitsgruppe von Neurobiologie-Professor Randolf Menzel beschäftigt.

Den Großteil seiner Arbeitstage verbringt Rolish Singh Phougeishangbam im Moment bei laufendem Ventilator in einem Schuppen. Dass die Sonne jetzt im Sommer über viele Stunden direkt auf den Holzbau scheint und die Luft darin schwül ist, macht ihm nichts aus: „In Delhi wäre es noch heißer“, lacht der 22-jährige. Anfangs habe er in Deutschland ziemlich gefroren und die ersten Tage in dicken Pullovern verbracht. „Ich könnte nicht zufriedener sein!“ sagt Rolish auf Englisch und schaut weiter konzentriert durch die Plexiglasscheibe in einen Bienenstock.

Wann beginnen die Bienen zu tanzen?

Er registriert, wenn eine der Arbeiterinnen zu tanzen beginnt, um den anderen Bienen von einer Futterquelle zu berichten. Ziel des Experiments, das Rolish im Auftrag von Neurobiologie-Professor Randolf Menzel durchführt, ist es, elektromagnetische Felder mit dem Bienentanz in Verbindung zu bringen. Das stundenlange Beobachten ist nötig, um die Messungen des elektrischen Feldes später mit den tatsächlich beobachteten Hergängen in Verbindung zu bringen.

Nachwuchswissenschaftler Rolish, einer von fünf Stipendiaten des INSPIRE-Programms des indischen Ministeriums für Wissenschaft und Technologie, wird drei Monate an der Freien Universität verbringen. Das Programm fördert herausragende indische Schüler in den Naturwissenschaften von ihrem Schulabschluss bis zu einer möglichen Promotion.

„Bei einer Prüfung am Ende meiner Schulzeit war ich in meinem Bundesstaat unter den fünf Besten des Jahrgangs. Damit konnte ich mich bei INSPIRE bewerben“, erzählt Rolish. Seine Heimat Manipur, den östlichsten Bundesstaat Indiens, musste er verlassen, um in Delhi Biologie zu studieren.

„Insekten fand ich schon immer aufregend“

Die Entscheidung, sich auf Insekten zu spezialisieren, habe nahegelegen: „Ich bin in einem der artenreichsten Lebensräume der Erde aufgewachsen und fand Insekten schon immer aufregend.“ Als Rolish, der kürzlich sein Masterstudium abgeschlossen hat, von der Möglichkeit erfuhr, im Rahmen des INSPIRE-Programms ein Forschungspraktikum an der Freien Universität zu machen, habe er sich direkt bei Professor Randolf Menzel beworben.

Rolish, der im Studentendorf am Schlachtensee wohnt, wird noch bis September in Deutschland sein. Nach der Beobachtung des Bienenvolks wird er mit der Auswertung der gesammelten Daten beginnen. Neben der Arbeit bleibt aber auch Zeit für Ausflüge: Als großer Fußballfan war Rolish am Brandenburger Tor, um die deutsche Nationalmannschaft bei ihrer Rückkehr aus Brasilien zu begrüßen. „Das war ziemlich aufregend!“, sagt Singh. So wie alles, was er bisher in Deutschland erlebt und gesehen habe.