Freie Universität Berlin


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Ganz Europa in zwei Monaten

Junge indische Naturwissenschaftler können an der Freien Universität ein Forschungspraktikum machen – um später als Promovierende wiederzukommen

25.07.2013

Die Chemie stimmt: Dirk Andrae, Kaustubh Chaharia, Rupali Chawla und Jean-Christophe Tremblay (v.l.n.r.).
Die Chemie stimmt: Dirk Andrae, Kaustubh Chaharia, Rupali Chawla und Jean-Christophe Tremblay (v.l.n.r.). Bildquelle: Nina Diezemann

Rupali Chawla, Studentin an einem naturwissenschaftlichen Institut in Mohali, und Kaustubh Chaharia, Student einer technischen Hochschule in Kanpur, sind zwei von sechs indischen Nachwuchswissenschaftlern, die im Sommersemester 2013 an der Freien Universität Berlin ein Forschungspraktikum machen. Sie sind Stipendiaten des Förderprogramms der indischen Regierung „Innovation in Science Pursuit for Inspired Research (INSPIRE)“ für hochbegabte Schülerinnen und Schüler, Studierende und Promovierende in den Naturwissenschaften. Ihr Aufenthalt in Dahlem ist eine Kooperation des indischen Wissenschaftsministeriums mit dem Center for International Cooperation der Freien Universität. Ziel ist es, schon jetzt Kontakte für die Dissertation zu knüpfen.

Für Rupali Chawla gab ein Vortrag von Jörn Manz, emeritierter Professor für Theoretische Chemie der Freien Universität, an ihrem Institut den Ausschlag, nach Berlin zu gehen. Die 21-Jährige hatte schon als Schülerin überlegt, dass sie „gerne mal aus Indien heraus“ wolle; durch den Besuch des Chemikers wurde dieser Wunsch konkret. Sie habe als junge Studentin zwar maximal 40 Prozent des Vortrags verstanden, erzählt sie lächelnd, aber die Verbindung von Organischer Chemie und Physikalischer Chemie sei genau, was sie interessiere.

Sie schrieb eine E-Mail an Professor Manz und bekam – zu ihrem Erstaunen – sofort eine Antwort. Nun ist sie wegen dessen Emeritierung zwar doch nicht in der Arbeitsgruppe von Jörn Manz gelandet, aber mit dem Chemiker Jean-Christophe Tremblay hat sie einen sehr engagierten Betreuer gefunden, der, wie sie erzählt, sie und Kaustubh Chaharia sogar vom Flughafen abgeholt hat.

Kaustubh Chaharia absolviert sein Forschungspraktikum wie Rupali Chawla ebenfalls am Institut für Chemie und Biochemie der Freien Universität. Die Arbeitsgruppe von Dirk Andrae hat der 22-Jährige durch Internetrecherche gefunden, er wollte in seinem Praktikumsprojekt gerne Quantenchemie und Physikalische Chemie verbinden, Schwerpunkt von Andraes Arbeitsgruppe.

„In Deutschland darf man am Wochenende nicht arbeiten“

Beide Studierende sind seit Beginn ihres Studiums Mitglied des indischen Stipendienprogramms „INSPIRE“, das darauf zielt, herausragende naturwissenschaftliche Nachwuchswissenschaftler in Indien zu fördern. Nur zwei Prozent der indischen Studentinnen und Studenten erhalten ein solches Stipendium. Beide jungen Inder studieren an Einrichtungen, an denen auf sehr hohem Niveau geforscht und ausgebildet wird.

Die Möglichkeit, für das im Rahmen ihrer Ausbildung obligatorische Forschungspraktikum an die Freie Universität Berlin zu gehen, ist eine einzigartige Kooperation des indischen Wissenschaftsministeriums mit der Freien Universität, die über das Verbindungsbüro der Freien Universität in Neu-Delhi zustande kam.

Das Ziel sei es, so Verbindungsbüroleiter Ulrich Podewils, schon jetzt die Weichen für die Dissertation zu stellen und mit dem Forschungspraktikum für zwei bis drei Monate „auf Probe“ in der Arbeitsgruppe einer Wissenschaftlerin oder eines Wissenschaftlers der Freien Universität zu arbeiten.

Die Art, wie in Deutschland naturwissenschaftlich geforscht wird, begeistert die indischen Gäste schon jetzt. „Man merkt, das Deutschland eine lange Wissenschaftstradition hat“, sagt Rupali Chawla, „in Indien fängt man im Vergleich dazu gerade erst an, die Naturwissenschaften zu fördern.“

Sie habe zudem überrascht, dass die deutschen Naturwissenschaftler einen solch klaren Arbeitsrhythmus hätten. In Indien werde meist im eigenen Tempo gearbeitet: manchmal eben nicht am Vormittag, dafür aber nachts oder am Wochenende. Ihr Betreuer Jean-Christophe Tremblay habe sie am Anfang deshalb geneckt: „In Deutschland darf man am Wochenende nicht arbeiten.“

Rückkehrpläne für die Zeit nach dem Master

Dirk Andrae und Jean-Christophe Tremblay halten die indische Perspektive auf die deutsche Wissenschaft für spannend. Tremblay war vor Kurzem in Indien und ist begeistert vom hohen Niveau und großen Engagement der indischen Wissenschaftler. „Ich habe schon Pläne für meine Dissertation“, sagt Rupali Chawla. „Es wäre toll, hierher zurückzukommen.“ Bis dahin müssen die beiden allerdings noch ein Jahr lang ihren Master-Studiengang beenden.

Bei ihrem jetzigen Kurzaufenthalt wollen die beiden – wie auch die anderen vier indischen „INSPIRE“-Studierenden an der Freien Universität – so viel Europa wie möglich erleben. Alle zusammen haben nicht nur schon fast alle Berliner Museen besucht, sondern auch München und Freiburg angeschaut.

Sie haben die freien Wochenenden genutzt und sind an der Ostsee gewesen, haben Kurztrips nach Paris und in die Schweiz unternommen – alles mit dem Zug. Auf die Frage, wie man das schaffen kann, sagt Kaustubh Chaharia bescheiden: „Wir Inder sind längere und anstrengendere Zugreisen gewöhnt.“