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Deutschland und der Osten – aus amerikanischer Sicht

Beim Workshop „Germany Looks East“ trafen sich Stipendiaten und Alumni des „Berlin Program“ und knüpften neue Kontakte

11.07.2013

„Germany Looks East“ war der Titel des Berlin Program Workshops - hier geht der Blick am Checkpoint Charlie vom Westen in den Osten.
„Germany Looks East“ war der Titel des Berlin Program Workshops - hier geht der Blick am Checkpoint Charlie vom Westen in den Osten. Bildquelle: iStockphoto, delray77
William Waltz und April Eisman, ehemalige Stipendiaten des „Berlin Program“, diskutierten mit anderen Teilnehmern des Sommer-Workshops über historische und zeitgenössische Deutungen des Ostens.
William Waltz und April Eisman, ehemalige Stipendiaten des „Berlin Program“, diskutierten mit anderen Teilnehmern des Sommer-Workshops über historische und zeitgenössische Deutungen des Ostens. Bildquelle: Bianca Schröder

Der Germanist William Waltz kommt aus Wisconsin und verfasst seine Dissertation über die Bewegung schreibender Arbeiter in der DDR. April Eisman ist Professorin für Kunstgeschichte an der Iowa State University und forscht über ostdeutsche Malerinnen. Beide sind Alumni des Stipendienprogramms „Berlin Program for Advanced German and European Studies“ für nordamerikanische Wissenschaftler und kamen kürzlich für einen Workshop an die Freie Universität. Das Thema traf ihre Forschungsinteressen genau: Unter dem Titel „Germany looks East“ beschäftigten sie sich mit historischen und zeitgenössischen Deutungen des Ostens.

Zusammen mit 37 weiteren Wissenschaftlern diskutierten der Germanist und die Kunsthistorikerin über Grenzziehungen, Identitätskonstruktionen und deren Ausdruck in der Kunst. „Für mich sind natürlich vor allem die Vorträge interessant, die mit der DDR zu tun haben. Aber ich finde es auch sehr spannend zu sehen, worüber sonst in Disziplinen wie Literaturwissenschaft, Geschichte, Kunstgeschichte oder Musikwissenschaft geforscht wird“, sagt Waltz, der von 2010 bis 2011 Stipendiat des Programms war.

Das Bild der Deutschen auf das Nachbarland Polen während der Weimarer Republik, der sowjetische Einfluss auf die Malerei der DDR sowie Arnold Schönbergs Melodram „Ein Überlebender aus Warschau“ gehörten zu den Vortragsthemen des zweitägigen Sommer-Workshops. Neben dem akademischen Austausch war die Kontaktpflege unter den Alumni Ziel der Veranstaltung.

Wissenschaftlich diskutieren über Länder- und Fächergrenzen hinweg

Das „Berlin Program“ wurde 1986 gegründet. Jährlich erhalten zwölf Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler aus den USA und Kanada ein Stipendium, um bis zu einem Jahr an der Freien Universität geistes- und sozialwissenschaftlichen Fragestellungen zu Deutschland und Europa nachzugehen. Alle zwei Wochen treffen sich die Stipendiaten zu einem Forschungskolloquium und diskutieren über ihre Projekte. „In dieser Hinsicht ist das ‚Berlin Program’ einzigartig“, sagt April Eisman. „Man trifft sich regelmäßig, hält Vorträge und bekommt Kritik. So entwickelt sich eine Gemeinschaft, die auch nach dem Aufenthalt bestehen bleibt.“ Kooperationspartner des Programms ist die German Studies Association. Bei deren Jahreskonferenz organisieren die Alumni des „Berlin Program“ stets ein Panel. Auch auf diese Weise pflegen sie ihr Netzwerk.

Prägender Aufenthalt an der Freien Universität

Für ihren eigenen Werdegang sei das Jahr an der Freien Universität von unschätzbarem Wert gewesen, sagt Eisman. Sie nutzte ihren Aufenthalt in den Jahren 2004 und 2005 dafür, an ihrer Dissertation über Bernhard Heisig zu arbeiten, einen der bekanntesten Maler der DDR. Das Programm sei aber auch für die Diversifizierung der German Studies in den USA von Bedeutung: „Viele der Stipendiaten haben sich mit der DDR befasst, insofern hat das ‚Berlin Program’ geholfen, dieses Forschungsgebiet in den USA zu stärken.“

April Eisman und William Waltz kommen regelmäßig nach Berlin. Und auch dem Osten Deutschlands sind sie nach wie vor verbunden: Eisman hat mit einem Stipendium der American Association of University Women das gesamte akademische Jahr in Leipzig geforscht, Waltz brach nach dem Workshop in Dahlem nach Halle auf, wo er seinen Magisterabschluss gemacht hat und sich immer noch zu Hause fühlt.