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Philologie neu denken

Im Rahmen des Forschungsprogramms "Zukunftsphilologie: Revisiting the Canons of Textual Scholarship" forschen jedes Jahr fünf internationale Postdoc-Fellows an der Freien Universität

01.02.2013

Diesjährige Fellows des Forschungsprogramms Zukunftsphilologie: Ya'ar Hever, Ronny Vollandt, Elizabeth Johnston, Islam Dayeh (Leiter des Programms), Mudasir Mufti, Murat Inan (v.l.n.r.)
Diesjährige Fellows des Forschungsprogramms Zukunftsphilologie: Ya'ar Hever, Ronny Vollandt, Elizabeth Johnston, Islam Dayeh (Leiter des Programms), Mudasir Mufti, Murat Inan (v.l.n.r.) Bildquelle: Zukunftsphilologie
Teilnehmer der Zukunftsphilologie Winterschool im Dezember 2012 in Delhi, Indien.
Teilnehmer der Zukunftsphilologie Winterschool im Dezember 2012 in Delhi, Indien. Bildquelle: Zukunftsphilologie

Murat Umut Inan hat in Istanbul Turkologie und Persische Sprachen und Literatur studiert und wurde im Bereich Nahoststudien an der University of Washington in Seattle promoviert. Nun arbeitet der Philologe an seinem ersten Buch über den persischen Dichter Hafis (ca. 1320 – 1389). Hierfür ist er nach Berlin gekommen und an die Freie Universität: Im Rahmen des vom Berliner Senat geförderten Forschungsprogramms „Zukunftsphilologie“ am Forum Transregionale Studien ist er einer der fünf Postdoktoranden.

Das Programm "Zukunftsphilologie: Revisiting the Canons of Textual Scholarship" ist mit der Friedrich-Schlegel-Graduiertenschule für literaturwissenschaftliche Studien der Freien Universität assoziiert und hat deshalb seinen Sitz in Dahlem.

Jeweils fünf internationale Fellows, die seit 2010 jährlich gefördert werden, werden von einem besonderen Forschungsansatz angelockt: Das Programm will, wie der Name andeutet, dazu anregen, die Forschungsfelder der Philologie neu zu überdenken.

Im Rahmen der „World Philologies Seminare“, die mehrmals im Semester stattfinden, stellen die Postdoktoranden ihre interdisziplinären und interkulturellen Forschungsprojekte vor: „Eine Doktorarbeit zu schreiben, kann ein sehr einsames Geschäft sein“, sagt Elizabeth Eva Johnston. Die Religionshistorikerin wurde an der Columbia University in New York im Department für Nahost- und Südasienstudien und Afrikanistik über eine deutsch-jüdische intellektuelle Bewegung des 19. Jahrhunderts, die „Wissenschaft des Judentums“, promoviert. „Es tut deshalb gut, wieder in eine Seminaratmosphäre einzutauchen, sich auszutauschen, Menschen zu treffen, die sich mit ähnlichen Themen beschäftigen.“

Internationaler Austausch

Mudasir Mufti arbeitete bisher als Assistant Professor an der Universität von Kaschmir in Indien. Dass er an die Freie Universität kommen konnte, bezeichnet der Literaturwissenschaftler für englische, persische und Urdu-Literatur als „große Unterstützung“ für seine Forschung zur Literaturgeschichte Kaschmirs: „Viele Sekundärquellen, die ich benötige, sind in Berlin; die Bibliotheken hier sind wirklich großartig. Außerdem treffen in dem Programm Menschen mit ganz unterschiedlichem intellektuellen Hintergrund aufeinander – der Austausch bringt uns alle voran.“

Gemeinsam forschen und Konferenzen organisieren

Während des Jahres haben die Fellows die Möglichkeit, in Teams mehrtägige Workshops zu organisieren, hierfür Gäste einzuladen sowie eigene Beiträge zu erarbeiten. Für die kommenden Monate ist gemeinsam mit dem Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte ein Workshop zum Thema „Commentary Cultures: Technologies of Medieval Reading“geplant sowie gemeinsam mit dem Dahlem Humanities Center der Freien Universität eine Konferenz zur Entwicklung der Disziplin „Semitistik“ an den europäischen Akademien.

Daran wird auch Ya'ar Hever beteiligt sein, der Linguistik und Semitische Sprachen an der Hebrew University in Jerusalem studiert hat und sich auf äthiopische Sprachen spezialisiert: „Das Spannende ist, dass wir durch die Interdisziplinarität einerseits sehr offen an die Texte herangehen, andererseits eng mit der philologischen Tradition verbunden bleiben.“

„Das Fach neu beleben“

Ronny Vollandt bleibt trotz der schwachen Berufsaussichten für Philologen zuversichtlich. Der  Arabist, der sein Studium ebenfalls an der Hebrew University abgeschlossen hat, danach in Cambridge promoviert wurde, in Oxford und Paris arbeitete und sich nun mit auf Arabisch verfassten jüdischen Texten des Mittelalters befasst, sagt: „Der interdisziplinäre und komparative Ansatz des Programms gibt uns die Möglichkeit, das Fach zu beleben und neue Wege zu gehen.“

Weitere Informationen

Forschungsprogramm "Zukunftsphilologie: Revisiting the Canons of Textual Scholarship"

„Zukunftsphilologie“ ist ein Programm am durch den Senat geförderten „Forum Transregionale Studien“ und wird von Angelika Neuwirth, Professorin für Arabistik am Seminar für Arabistik und Semitistik, und dem Leiter des Projekts Zukunftsphilologie, Islam Dayeh, beide Freie Universität Berlin, geleitet. Das Programm will zu einer Neubewertung des Kanons textbezogener Wissenschaft beitragen und bisher marginalisierte präkoloniale Wissenschaft aus Asien, Afrika, dem Nahen Osten und Europa neu in den Blick nehmen.

Bisher wurden 13 Postdoc-Fellows aus der ganzen Welt aus historischen und philologischen Disziplinen unterstützt, darunter Wissenschaftler aus Marokko, Japan, Indien, Mazedonien, der Türkei, Italien und Deutschland.

Im Internet

www.zukunftsphilologie.de

Internationale Winterschule in Delhi

Im Dezember 2012 fand im Rahmen des Programms „Zukunftsphilologie“ die zweite internationale Winter School im indischen Delhi zum Thema „Philologies Across the Asias: The Translation, Transmission and Transformation of Knowledge in the Early Modern World“ statt. Einige der jetzigen und auch ehemalige Fellows sowie Wissenschaftler aus der ganzen Welt hatten dort Gelegenheit, sich über die Rolle „Textueller Praktiken, Sprachwissenschaften und Archivpraktiken in Wissensaufbau und -verbreitung in Asien und Europa seit dem Jahr 1500“ auszutauschen.

Im Internet:

www.forum-transregionale-studien.de/revisiting-the-canons-of-textual-scholarship/winter-school/allgemeines.html