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Abenteuer Deutschland-Studium

Die ersten fünf Stipendiaten eines Programmes der brasilianischen Regierung studieren seit einem halben Jahr an der Freien Universität

10.01.2013

In Berlin zu Freunden geworden: Gabriela da Costa,  Eugenio Rodrigues Rosa do Nascimento, Clicia Naldoni de Souza, Amanda de Azevedo Lopes (v.l.) und Daniel Minatelli (hinten) sind Stipendiaten der brasilianischen Regierung.
In Berlin zu Freunden geworden: Gabriela da Costa, Eugenio Rodrigues Rosa do Nascimento, Clicia Naldoni de Souza, Amanda de Azevedo Lopes (v.l.) und Daniel Minatelli (hinten) sind Stipendiaten der brasilianischen Regierung. Bildquelle: Gisela Gross

Sie sind der Pionierjahrgang: Die ersten fünf Stipendiaten, die mit dem Programm „Ciência Sem Fronteiras“ (Wissenschaft ohne Grenzen) der brasilianischen Regierung für ein Jahr an der Freien Universität Chemie und Physik studieren, ziehen nach sechs Monaten ein Zwischenfazit: „Die Möglichkeit, hier zu leben und zu studieren, ist einmalig“, bringt es Gabriela da Costa auf den Punkt. Beheimatet in der Metropole São Paulo und in Städten Süd- und Mittelbrasiliens, hatten sich die Fünf noch vor der Abreise auf Facebook kennengelernt – nun sind sie auch im echten Leben Freunde geworden.

Ein neues Umfeld, eine neue Sprache, im Lernstoff vorankommen und darüber hinaus noch Prüfungen ablegen: Für die fünf brasilianischen Bachelor-Studierenden gehört das inzwischen zum Alltag an der Freien Universität. Bevor sie für das Stipendienprogramm der brasilianischen Regierung ausgewählt wurden, studierten Clicia Naldoni de Souza, Amanda de Azevedo Lopes und Eugenio Rodrigues Rosa do Nascimento Physik an den Universitäten Alfenas, Rio Grande do Sul und Campinas. Die Chemie-Studierenden Gabriela da Costa und Daniel Franco Minatelli kommen von der Universität Paraná ganz im Süden des Landes sowie der Universität São Paulo. „An meiner Universität gibt es mehr als 90.000 Studierende“, erzählt der Student, „sie ist damit etwa drei Mal so groß wie die Freie Universität.“

Um zu den meist in sich geschlossenen brasilianischen Campussen zu gelangen, sind für viele Studenten mehrere Stunden Anfahrt die Regel. Den Berliner Nahverkehr und die Semestertickets, mit denen sie hier unkompliziert Bahn fahren können, finden die Studierenden im Vergleich „großartig“, sagt Eugenio Rodrigues Rosa do Nascimento. Hinzu kommt, dass sich insbesondere die Studentinnen in Berlin sehr sicher fühlen, ganz gleich zu welcher Tages- und Nachtzeit. In ihrer Heimat mit wesentlich höherer Kriminalitätsrate sei das anders, erzählt Amanda de Azevedo Lopes.

Perspektivwechsel für ein Jahr

Insgesamt 100.000 Studierenden, Doktoranden und Postdocs in den Lebens-, Natur- und Ingenieurswissenschaften will die brasilianische Regierung mit dem Programm bis 2014 die Möglichkeit geben, an exzellenten internationalen Institutionen zu studieren und zu arbeiten. Im vergangenen Jahr hat die Freie Universität in den Studiengängen Chemie und Physik die ersten Plätze für Stipendiaten zur Verfügung gestellt.

Durch den Aufenthalt in Berlin erleben die Studierenden ihr Studienfach aus einer neuen Perspektive: „Zu Hause haben wir mehr Kurse und mehr Prüfungen, dafür aber weniger Hausaufgaben“, erzählt Clicia Naldoni de Souza, „hier ist es genau anders herum.“ Sie müssten auf eigene Faust viel Stoff lernen und verbringen weniger Zeit im Labor, als sie es von zu Hause gewohnt sind. Generell haben die Fünf den Eindruck, dass viele deutsche Kommilitonen ein individualistischeres Uni-Leben führen, als es in Brasilien der Fall ist – vielleicht liege es aber auch am Mentalitätsunterschied, dass die Kontaktaufnahme mit anderen Gaststudierenden leichter falle.

Denn mit der neuen Sprache kommt die Gruppe gut zurecht: Deutschkenntnisse mussten sie bereits für das Auswahlverfahren von „Ciência sem fronteiras“ vorweisen, weiterführende Sprachkurse während der ersten drei Monate in Berlin waren Teil des Stipendienprogramms. An der Freien Universität belegen die Studierenden Angebote aus dem englischsprachigen Masterprogramm sowie deutsche Kurse aus den Bachelorstudiengängen. „Es gibt viele deutsche Firmen in Brasilien, die Mitarbeiter mit Kenntnissen in beiden Sprachen benötigen“, sagt Daniel Minatelli in Hinblick auf seine Berufsperspektive. „Aber gerade in Fächern wie Physik gibt es in Brasilien kaum eine andere Option, als in der Wissenschaft zu bleiben“, berichtet Eugenio Rodrigues Rosa do Nascimento.

Tests, Tutoren und eine Deutschland-Tour

Die Bewerbung bei den staatlichen Förderorganisationen CAPES und CNPq sei aufwendig gewesen – es zählen Noten, Tests, Bewerbungsschreiben –, sagen die Studierenden: Dafür ist die finanzielle Unterstützung großzügiger als etwa bei Erasmus. „Außerdem werden wir an der Freien Universität zum Beispiel durch studentische Tutoren betreut, und wir haben unkompliziert Zimmer im Studentenwohnheim erhalten“, sagt Gabriela da Costa. Überhaupt habe die Organisation vor Ort bislang perfekt funktioniert, bürokratische Probleme hätten sich nicht gestellt.

Bisheriger Höhepunkt des Deutschlandaufenthalte für die Gruppe war eine Tour durch Süddeutschland: 3000 Kilometer legten die Studenten an neun Tagen zurück. München, Neuschwanstein, Freiburg und der Schwarzwald etwa lagen auf der Route. Schon die Autobahn habe sie beeindruckt, da sind sich alle einig. Und dann auch noch eine Menge Schnee im Dezember: unvorstellbar in Brasilien.