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Anwältin der Kinder

Parisa Kakaee studiert an der Freien Universität, wie Kinderrechte geschützt und umgesetzt werden können

09.11.2012

Das Ziel fest im Blick: Die Iranerin Parisa Kakaee studiert an der Freien Universität Berlin. Sie setzt sich seit Langem für die Rechte von Kindern ein.
Das Ziel fest im Blick: Die Iranerin Parisa Kakaee studiert an der Freien Universität Berlin. Sie setzt sich seit Langem für die Rechte von Kindern ein. Bildquelle: Wiebke Schönherr

Als Teenager arbeitete Parisa Kakaee ehrenamtlich in einem Teheraner Waisenhaus. Dort sieht sie Kinder, die kaum umarmt, dafür aber verbal angegriffen werden. „Bastard" wird den Kleinen hinterhergerufen. „Das hat bei mir tiefen Eindruck hinterlassen“, sagt die heute 35-Jährige. Die Iranerin hat es sich zur Lebensaufgabe gemacht, Schwächeren zu helfen. Seit zwei Jahren lebt Parisa Kakaee in Berlin und studiert an der Freien Universität den Weiterbildungs-Masterstudiengang für Kinderrechte.

„Kinder, die aus inzestuösen oder unehelichen Beziehungen stammen und im Waisenhaus leben, werden im Iran oft als Produkt der Sünde gesehen", erzählt Kakaee. Als Kinder aus „falschen“ Beziehungen würden sie gelten und meist schlechter behandelt als andere.

Für diese fragwürdige Moral hatte die Iranerin schon als 18-Jährige während ihrer Beschäftigung im Waisenhaus kein Verständnis. Stattdessen wollte sie den Kindern dabei helfen, wahrgenommen zu werden: Sie wollte ihre Stimme für sie erheben. „Die Kinder können ja nicht selbst für sich sprechen“, sagt sie.

2009 wurde Parisa Kakaee inhaftiert

Nach dem Abitur und der Arbeit im Waisenhaus nahm Parisa Kakaee ein Psychologie-Studium auf. Außerdem engagierte sie sich in einer nichtstaatlichen Organisation, die Straßenkindern und Kinderarbeitern mehr Schulbildung vermitteln will. Unter dem Stichwort „Bildungsadoption“ bat sie zusammen mit anderen Freiwilligen wohlhabende Familien, Bücher und Kleidung für bedürftige Kinder zu bezahlen, damit sie eine Schule besuchen und lernen können. „Eine schwierige Arbeit war das“, blickt Parisa Kakaee zurück. „Auch wenn man in der Gesellschaft etwas bewirken konnte, war da trotzdem oft der Staat im Weg. Man stolperte immer wieder über neue Steine.“

Zunehmend machte sich Kakaee nicht nur für Kinderrechte stark, sondern auch für Frauen-, und ganz allgemein für Menschenrechte. Im Iran ein gefährliches Unterfangen. Das bekam sie 2009 zu spüren. Damals engagierte sie sich in einem Menschenrechtskomitee, das staatliche Gewalt gegen die iranische Bevölkerung anprangert. Dafür wurde sie verhaftet, saß über einen Monat im Gefängnis. Nach ihrer Entlassung aus dem Gefängnis gelang Parisa Kakaee schließlich die Flucht in die Türkei.

"Kinder müssen selbst zu Wort kommen können"

Was sie damals hinter sich ließ, ist ihre Heimat, in der sie kurz darauf in Abwesenheit zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt werden sollte. Was sie mitnahm, ist ihr Blick für Menschen in Not. Monate später kam sie in Deutschland an und nahm das dreisemestrige Masterstudium „Kinderrechte“ an der Freien Universität auf. Ein interdisziplinärer Studiengang, der sich dem Thema aus unterschiedlichen Perspektiven widmet, aus wirtschaftlicher, psychologischer, politischer oder philosophischer. Den Kontakt zur Freien Universität hatte sie schon lange vor ihrer Haft im Iran geknüpft.

Derzeit schreibt Kakaee ihre Abschlussarbeit zum Thema Kinderprostitution in Bulgarien. Später, so plant sie, möchte sie im Nahen Osten oder in Asien gegen die Ausbeutung von Kindern kämpfen. Und noch viel später – wenn es die politischen Umstände jemals zulassen – will sie vielleicht in den Iran zurückkehren.

Für die eigentliche Frage, die sie umtreibt, könnte sie allerdings an jedem Ort nach Antworten suchen: „Viele Erwachsene, die über Kinder sprechen, sprechen nicht über deren Forderungen“, sagt Kakaee. „Was wir also diskutieren müssen, ist: Wie können wir Möglichkeiten schaffen, damit die Kinder selbst zu Wort kommen können?“