Freie Universität Berlin


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Von Kämpferinnen und Rettungsschwimmern

Girls‘ und Boys‘ Day an der Freien Universität boten Schülerinnen und Schülern interessante Einblicke in den Unialltag

11.05.2012

Auf der Spur von Rollenbildern: Claudia von Gélieu führte eine Mädchengruppe beim Girls' Day als Marie-Elisabeth Lüders über den Dahlemer Campus.
Auf der Spur von Rollenbildern: Claudia von Gélieu führte eine Mädchengruppe beim Girls' Day als Marie-Elisabeth Lüders über den Dahlemer Campus. Bildquelle: Freie Universität Berlin
Claudia von Gélieu zeigt ein Foto von Marie-Elisabeth Lüders. Die Staatswissenschaftlerin ist die erste Frau, die an einer deutschen Universität die Doktorwürde Dr. rer. pol. erlangte (1912).
Claudia von Gélieu zeigt ein Foto von Marie-Elisabeth Lüders. Die Staatswissenschaftlerin ist die erste Frau, die an einer deutschen Universität die Doktorwürde Dr. rer. pol. erlangte (1912). Bildquelle: Freie Universität Berlin
Die Sechstklässler Raphael und Janek sahen sich im Center für Digitale Systeme und im Präsidium der Freien Universität um und durften auch einen Blick auf den Schreibtisch des Präsidenten, Professor Peter-André Alt, werfen.
Die Sechstklässler Raphael und Janek sahen sich im Center für Digitale Systeme und im Präsidium der Freien Universität um und durften auch einen Blick auf den Schreibtisch des Präsidenten, Professor Peter-André Alt, werfen. Bildquelle: Freie Universität Berlin
Rollenwechsel: Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste war ursprünglich ein klassischer Frauenberuf, an der Freien Universität gibt es inzwischen zahlreiche männliche "FaMIs".
Rollenwechsel: Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste war ursprünglich ein klassischer Frauenberuf, an der Freien Universität gibt es inzwischen zahlreiche männliche "FaMIs". Bildquelle: Freie Universität Berlin

Ob Lise Meitner, Rhoda Erdmann oder Marie-Elisabeth Lüders – die ersten Frauen in der Berliner Wissenschaftslandschaft hatten es nicht leicht. In einer von Männern dominierten Welt mussten sie sich den Zugang zum Studium und die Anerkennung ihrer Forschungsarbeiten hart erkämpfen. Welche Naturwissenschaftlerinnen zu Beginn des 20. Jahrhunderts im Berliner Südwesten aktiv waren und welche Berufsperspektiven sich Frauen heutzutage eröffnen, lernten Teilnehmerinnen des diesjährigen Girls‘ Day an der Freien Universität. Jungen konnten beim Boys‘ Day Universitätsluft schnuppern.

„Kennt ihr mich?“, fragt die Frau im rosaroten Gewand in die Runde. „Stehe ich etwa nicht in euren Schulbüchern?“ Die Mädchen schütteln den Kopf, von Marie-Elisabeth Lüders haben sie noch nie gehört. Dabei ist die Staatswissenschaftlerin, die 1912 als erste Frau in Deutschland einen Doktortitel erlangte, natürlich nicht auferstanden: Die Dame in Rosarot ist die verkleidete Claudia von Gélieu, die beim Girls’ Day Teilnehmerinnen der Klassenstufen acht bis zehn mit dem Campusgelände der Freien Universität vertraut macht – und die auch die Mädchen an verschiedenen Stationen in die Rolle von Wissenschaftlerinnen des 19. und 20. Jahrhunderts schlüpfen lässt.

Die vielfältige Universität kennenlernen

Dies ist nur eine von nahezu 70 Veranstaltungen, aus denen Mädchen der Klassenstufen fünf bis zehn beim Girls‘ Day auswählen konnten: Das Angebot reichte vom Experimentieren mit flüssigem Stickstoff im Chemielabor über das „Rechnerbasteln“ mit Informatik-Experten bis hin zur Behandlung von Rechtsfragen aus dem Kaufrecht am Institut für Rechtswissenschaft.

„Ich weiß zwar noch nicht genau, was ich studieren will, aber beim Girls’ Day kann man sehr gut in die Uni hineinschnuppern“, sagt eine 16-jährigeTeilnehmerin, die wie viele andere das Angebot bereits in den Vorjahren genutzt hat.

Für viele neu: der Boys' Day

Neuland ist ein solcher Zukunftstag hingegen für die meisten Jungen, die zeitgleich zum Girls' Day am Boys’ Day teilnehmen konnten. Die Initiative soll ihnen bei der beruflichen Orientierung abseits von klassischen Rollenmustern helfen und fand in Berlin erstmals im vergangenen Jahr statt. Der Zuspruch ist groß: In der Wirtschaftswissenschaftlichen Bibliothek der Freien Universität etwa konnten sich Jungen der Klassenstufen acht bis zehn über die Ausbildung und den Beruf des Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste, kurz „FaMI“, informieren: „Das war ursprünglich ein klassischer Frauenberuf“, sagt die Leiterin der Bereichsbibliothek, Karin Reese. Unter dem Titel „Rettungsschwimmer in der Informationsflut“ zeigten Joscha Petersen und Gregor Könemann, zwei männliche „FaMIs“, dass es in der Bibliothek etwa beim Auffinden oder Reparieren von Büchern überhaupt nicht trocken und staubig zugehen muss.

Berufsbilder: Mythos und Wahrheit

Auch das Bild des Tierarztberufs ist häufig einseitig geprägt – wenn auch weniger in Hinblick auf das Geschlecht. Vielmehr sind es Fernsehbeiträge oder Zeitungsartikel, die Veterinärmediziner stets als praktische Ärzte bei der Behandlung von Hunden, Katzen oder Pferden zeigen. Aus diesem Grund lud der Fachbereich Veterinärmedizin Jungen zu einer Informationsveranstaltung ein, bei der die Teilnehmer erfuhren, dass der Beruf tatsächlich weit darüber hinausgeht. Zur Arbeit eines Tierarztes zählen beispielsweise auch Forschungsarbeiten zu Krankheitserregern, Futtermitteln oder Alternativen zu Tierversuchen.

Das Center für Digitale Systeme (CeDiS) und das Präsidium der Freien Universität von innen kennenlernen konnten die beiden Sechstklässler Raphael und Janek. Ob bei der Bildbearbeitung in der zentralen Online-Redaktion oder einem Spontanbesuch im Büro des Präsidenten der Freien Universität, Professor Peter-André Alt: Die beiden Jungen konnten – wie wohl die meisten der Teilnehmer an diesem Tag – viel Neues erfahren und brennende Fragen loswerden.