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„Ein erfolgreicher Künstler fällt nicht einfach so vom Himmel“

Wie funktioniert der Kunstmarkt? / Seminar am Kunsthistorischen Institut der Freien Universität

01.05.2012

Wie funktioniert der Kunstmarkt? Antworten auf diese Frage gibt die Galeristin und promovierte Kunsthistorikerin Harriet Häußler in ihrer Seminarreihe an der Freien Universität.
Wie funktioniert der Kunstmarkt? Antworten auf diese Frage gibt die Galeristin und promovierte Kunsthistorikerin Harriet Häußler in ihrer Seminarreihe an der Freien Universität. Bildquelle: Melanie Hansen

Mit aufgerissenen Augen und weit geöffnetem Mund steht die Figur auf einer Brücke und hält sich die Ohren zu: Das expressionistische Meisterwerk „Der Schrei“ des norwegischen Malers Edvard Munch zählt zu den bekanntesten Gemälden der Welt. Vier Fassungen des Bildes gibt es, drei davon befinden sich in norwegischem Staatsbesitz. In wenigen Tagen  soll das vierte Bild über das Auktionshaus Sotheby´s in New York versteigert werden. Ein Rekordgewinn wird erwartet, Sotheby´s gibt einen Schätzpreis von knapp 60 Millionen Euro an. Wie der Kunstmarkt funktioniert, dieser Frage geht die Galeristin und promovierte Kunsthistorikern Harriet Häußler in einem Seminar am Kunsthistorischen Institut der Freien Universität nach.

Warum erzielen einige Kunstwerke Millionenbeträge und andere nicht? Warum avancieren einige Künstler zu Superstars, während andere vollkommen unbemerkt in ihren Ateliers arbeiten? Das System hinter dem Kunstmarkt hat seine ganz eigenen Gesetze. In der bundesweit einzigen Seminarreihe „Der Kunstmarkt in der Praxis“ an der Freien Universität versucht Harriet Häußler ihren Studenten diese Regeln näherzubringen. Wie agieren die Akteure des Kunstmarkts – Künstler, Galeristen, Händler, Auktionatoren, Kritiker, Kuratoren, Sammler und Museumsleiter – und welche Methoden wenden sie an, um erfolgreich zu sein?

Kunstwerke als "Bestechung"

Eines steht für die in München geborene Galeristin fest: „Ein erfolgreicher Künstler fällt nicht einfach so vom Himmel, dahinter steckt immer eine Strategie.“ Pablo Picasso, Andy Warhol oder Damien Hirst etwa überließen in ihren Karrieren nichts dem Zufall. Bewusst haben sie Häußler zufolge den Kontakt zum Kunstmarkt ihrer Zeit gesucht. So porträtierte Picasso für seine erste Einzelausstellung drei wichtige Kritiker – Kunstwerke als „Bestechung“.

Andy Warhol suchte Anschluss bei den wichtigsten Galerien, und Damien Hirst lud den berühmten Sammler Charles Saatchi zu einer seiner ersten Ausstellungen ein. „Man kann diskutieren, ob Georges Braque – neben Pablo Picasso der Mitbegründer des Kubismus – nicht der bessere kubistische Maler war. Aber Picasso hat sich einfach besser vermarktet“, sagt Harriet Häußler. 

Für viele Kunsthistoriker sei die Kommerzialität des Kunstmarktes ein rotes Tuch, daher seien viele Aspekte des Systems noch nicht hinreichend erforscht. „Oft wird der Kunstmarkt als Stiefkind oder als Hilfswissenschaft der Kunstgeschichte abgetan, er ist aber meiner Meinung nach sehr viel mehr“, sagt Harriet Häußler.

Kunstmarkt ein attraktiver Arbeitsmarkt

Was bedeutet es etwa, einen „internationalen Stil“ für den Kunstmarkt zu schaffen, wie Damien Hirst es macht? Die „Spot-Paintings“ des Künstlers – Gemälde mit farbigen Punkten – sind aufgrund ihrer Abstraktion auch in vom Islam geprägten Ländern beliebt, in denen teils noch Vorbehalte gegen bestimmte Figurationen bestehen. Was bedeutet, dass Hirsts Bilder so international sind, dass sie auf der ganzen Welt verkauft werden können: neben Europa, China und den USA eben auch in Dubai oder Abu Dhabi. „Das macht den Kunstmarkt für mich wert, kunsthistorisch und wissenschaftlich untersucht zu werden“, sagt Harriet Häußler.

Solche Zusammenhänge möchte die Galeristin in ihren Seminaren vermitteln. Und noch eines, nämlich „dass der Kunstmarkt ein absolut attraktiver Arbeitsmarkt ist“, sagt Harriet Häußler. Sie weiß, wovon sie spricht: Seit 2005 betreibt sie mit ihrem damaligen Partner und heutigen Ehemann Aeneas Bastian die Berliner Galerie „upstairs“, zunächst am Holzmarkt, dann in der Zimmerstraße und seit 2010 im Kupfergraben – vis-a-vis der Museumsinsel.

Das Galerieprogramm bezog sich am Anfang nur auf zeitgenössische Kunst, vor ungefähr fünf Jahren wurde das Sortiment auf Kunst des 20. Jahrhunderts erweitert, mit Einzelausstellungen von Pablo Picasso, Andy Warhol und Damien Hirst.