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Bibliotheken-Diplomatie

Jiri Kende, Stellvertretender Leiter der Universitätsbibliothek, erarbeitet mit Bibliothekaren weltweit Anforderungen an Bibliotheks-Software

21.10.2011

Durch digitale Kataloge und elektronische Ressourcen verdrängt: der klassische Zettelkatalog.
Durch digitale Kataloge und elektronische Ressourcen verdrängt: der klassische Zettelkatalog. Bildquelle: Marcus Gossler
Bei der "IGeLU"-Jahreskonferenz in Haifa diskutierten Anwender aus aller Welt gemeinsam mit dem Hersteller ExLibris, wie die Bibliothekssoftware verbessert werden könnte.
Bei der "IGeLU"-Jahreskonferenz in Haifa diskutierten Anwender aus aller Welt gemeinsam mit dem Hersteller ExLibris, wie die Bibliothekssoftware verbessert werden könnte. Bildquelle: Michael Privorotsky/ IGeLU
Jiri Kende setzt sich seit 2006 als Vorsitzender von "IGeLU" für die Interessen der Universitätsbibliothek ein.
Jiri Kende setzt sich seit 2006 als Vorsitzender von "IGeLU" für die Interessen der Universitätsbibliothek ein. Bildquelle: Privat

Wer einen Fachartikel sucht und findet, nutzt in der Regel das Bibliotheksportal Primo, den FU-Katalog oder die Digitale Bibliothek. Warum es verschiedene Suchmasken gibt, weiß Jiri Kende. Der Stellvertretende Leiter der Universitätsbibliothek kennt sich mit den technischen Hintergründen von Bibliotheks-Software aus – als Vorsitzender der internationalen Anwendergruppe „IGeLU“ engagiert er sich dafür, dass die Firma ExLibris ihre Programme stetig und im Sinne der Nutzer weiterentwickelt.

Es ist erst Anfang Oktober, aber Jiri Kende bietet schon Lebkuchen an. „Die Bibliotheken waren ihrer Zeit schon immer voraus“, sagt er – und spielt damit natürlich in erster Linie auf technische Aspekte an. Wie etwa die Zukunft des Bibliothekssystems ALEPH der Firma ExLibris aussehen könnte, diskutierte Kende kürzlich mit Kollegen in Haifa bei der Jahrestagung der ExLibris-Anwender, kurz IGeLU (International Group of ExLibris Users). Dort trafen mehr als 400 Mitglieder der Organisation aus über 30 Ländern auf Vertreter der Softwarefirma.

„ALEPH ist weltweit eines der besten integrierten Systeme“, sagt Kende. Es werde deshalb auch von wissenschaftlichen Einrichtungen wie der Harvard-Universität, dem Massachusetts Institute of Technology (MIT), der Oxford-Universität oder von zahlreichen Nationalbibliotheken wie der British Library eingesetzt. Seit 1999 bündelt ALEPH auch an der Freien Universität alle Basisdienstleistungen der Bibliotheken, von der Erwerbung über die Katalogisierung bis hin zur Ausleihe und dem Online-Katalog. Anfangs bot das System noch nicht alle an der Freien Universität gewünschten Funktionalitäten: Anlass für Kende, sich bei IGeLU zu engagieren und sich mit anderen Nutzern auszutauschen. 2001 war er bereits im Vorstand vertreten, seit 2006 ist er Vorsitzender – all das ehrenamtlich und neben seiner Tätigkeit an der Freien Universität.

Diplomatie für bessere Software

Warum er das macht? Für Jiri Kende keine Frage: „Mit unseren Anforderungen aus der Bibliothekspraxis stoßen wir bei ExLibris auf offene Ohren – meistens jedenfalls.“ Die Anwender aus aller Welt stimmen ein Mal im Jahr online darüber ab, welche Funktion sie vermissen – „die Umsetzung ist mittlerweile sogar vertraglich geregelt“, sagt Kende. „Wir haben zum Beispiel angeregt, dass ALEPH bei mehreren Vormerkungen die Möglichkeit bietet, automatisch die Ausleihzeit der einzelnen Nutzer zu verkürzen, sodass alle schneller an das Buch gelangen können.“ Ein Mitspracherecht haben die Anwender sich auch bei der Gestaltung von Arbeitsoberflächen und sogar beim Preis für neue Programme erarbeitet: „Das persönliche Verhältnis zu den Mitarbeitern der Firma stimmt einfach. Letztlich haben wir ja das gleiche Ziel: Die Produkte sollen so gut sein wie möglich.“

Bibliothekarisches Know-How in die Software-Entwicklung einbringen

Wenn also israelische Software-Entwickler den Bibliotheksmitarbeitern der Freien Universität über die Schulter schauen oder das Fernleihmodul an Bedürfnisse der deutschen Anwender angepasst wird, hat Jiri Kende seine Hände im Spiel. In wenigen Jahren wird ALEPH durch ALMA abgelöst werden, weil durch das Aufkommen der elektronischen Ressourcen neuer Verwaltungs- und Bereitstellungsbedarf entstanden ist – und damit weitere Applikationen wie das Linkingsystem SFX oder das Programm zur Lizenzverwaltung Verde.

Damit stehen die Bibliotheken neuerlich vor der Herausforderung, verschiedene Programme bündeln zu wollen. „Bald werden wir elektronische und gedruckte Medien nicht mehr getrennt verarbeiten und anbieten. So wird das ALEPH-Nachfolgesystem alle Funktionen der Medienverwaltung zusammenführen und das Bibliotheksportal Primo wird als alleiniger Sucheinstieg für Endnutzer den Onlinekatalog, die Digitale Bibliothek und alle relevanten externen Datenquellen vereinen. Die Arbeit wird effizienter – für Bibliotheken wie für den Endnutzer“, sagt Kende. Doch bis die Zeit dafür reif ist, gibt es noch viel zu tun.